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Dießen

21.07.2019

Der Baumeister aus Dießen, dessen Lebensweg nie geradlinig verlief

Emil Schmitt hat im Schacky-Park in Dießen Brunnen, Podeste und Figuren nachgebaut oder deren Restaurierung geplant und mitgewirkt. Unser Foto zeigt ihn am Delfinbrunnen. Der 92-Jährige ist der Stille Held des Monats Juli.
Bild: Thorsten Jordan

Der „Stille Held“ des Monats Juli, Emil Schmitt, ist für den Förderkreis Schacky-Park in Dießen nahezu unverzichtbar. Der 92-Jährige packt die Dinge sofort an und profitiert von seinem Wissen.

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufheben davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute: Emil Schmitt aus Dießen.

Sie nennen ihn alle nur liebevoll den „Baumeister“, dabei ist Emil Schmitt aus Dießen eigentlich gelernter Konditor. Außerdem war ihm als jungem Burschen in Karlstadt im Landkreis Main-Spessart immer klar: „Auf den Bau möchte ich nicht.“ Das sollten andere seiner sieben Geschwister tun und das väterliche Baugeschäft einmal übernehmen. Emil Schmitt, 1927 geboren, ging ins nahe Würzburg, wurde Konditor – und von der Wehrmacht direkt nach Ende der Lehre eingezogen. „Ich habe diesen schönen Beruf leider nie ausüben können.“

Als er nach Kriegsende wieder zurückkehrte, galt es nämlich, sofort im elterlichen Betrieb mit anzupacken. „Mein Vater hatte keine Leute mehr. Die waren entweder gefallen oder in Gefangenschaft.“ So stellten er und ein Cousin die Belegschaft des heimischen Bauunternehmens, der Konditor wurde zum Maurergesellen umgeschult und fand Gefallen daran. Gelernt hat er daher schnell und gerne, vor allem die Bruchsteinbearbeitung beherrschte er bald aus dem Effeff. Vier Jahre später legte er die nächste Prüfung ab, wieder in Würzburg, diesmal die zum Maurermeister.

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Gemeinsam mit dem Bruder wollte er das Geschäft nicht fortführen

Dann kam die Zeit, als die ehemaligen Soldaten aus der Gefangenschaft heimkehrten. Darunter war auch sein Bruder, der auch das Baugeschäft übernahm. Emil Schmitt ging daraufhin zwei Jahre als Vorarbeiter zu einer anderen Firma nach Kempten ins Allgäu, denn er wusste: zwei Söhne des Chefs in der gleichen Firma, das geht nicht gut. Der Baumeister aber wollte mehr und liebäugelte mit einem Ingenieurstudium, doch dann klopfte erneut das Schicksal an seine Wohnungstür: „Ich bekam das Angebot, unsere Filiale im Schwarzwald zu übernehmen.“

Also erneut eine Abzweigung des Lebensweges, die der 28-jährige Emil Schmitt aber sofort bereit war, einzuschlagen. „35 Jahre habe ich dann die Firma in Wehr mit 30 Beschäftigten geleitet.“ Zudem lernte er dort seine Frau kennen, die gemeinsame Tochter kam auf die Welt und nach acht Jahren baute er ein eigenes Haus. Die Tochter aber zog irgendwann ins bayerische Germering und um ihr näher zu sein, beschloss das mittlerweile in Rente lebende Ehepaar Schmitt, in Dießen eine Wohnung zu kaufen und umzuziehen. Fünf Jahre, bevor es soweit war, erkrankte Emil Schmitts Frau aber schwer und verstarb noch kurz vor dem Umzug: „Die Wohnung hatte sie aber noch sehen können.“

Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm

Emil Schmitt machte sich also erneut allein auf den Weg. In Dießen suchte er, der so gerne sang und wanderte, sofort Anschluss an den Alpenverein und einen Chor, gründete eine Senioren-Wandergruppe, die heute 50 Mitglieder hat.

Bei einer seiner Wanderungen, immerhin schon im hohen Alter von 81 Jahren, sah er einen Prospekt über den Schacky-Park und dessen Förderverein und dachte sich: „Da machst Du mal mit.“ Emil Schmitt packte sofort mit an, schaufelte Kies, mähte Gras. Gefragt hat er dabei niemanden, „ich wusste ja, wie das geht“. Irgendwann habe dann jemand gemerkt, „dass ich vom Fach bin“. Emil Schmitt hatte, wie es so seine Art ist, einfach angefangen. Inzwischen wurden - seit er da ist - drei Brunnen unter seiner Regie wiederhergestellt, genauso der Venushügel, viele Säulen oder auch die Sockel für die Auffahrtslampen.

Der Verein konnte durch Schmitts Engagement viel Geld sparen

„Wo immer etwas ausgegraben, gebaut oder wiederhergestellt werden muss, ist Emil Schmitt sofort unser erster Ansprechpartner“, ist Christine Reichert, Vorsitzende des Fördervereins, voll des Lobes über „ihren Baumeister“. Dessen Engagement und Fachwissen habe dem Verein bislang einen stattlichen, sechsstelligen Betrag erspart. Emil Schmitt tut das Lob gut, wenngleich er sich nur ungern in den Vordergrund drängt. Der Baumeister macht halt, weil man ihm vertraut und weil „sie gesehen haben, dass etwas dabei herauskommt“.

Langsam machen die Knie etwas zu schaffen

Mittlerweile ist Emil Schmitt 92 Jahre alt. Seit Kurzem macht ihm die Gesundheit ein wenig zu schaffen. Allerdings begegnet er diesen Zeiterscheinungen auf die ihm eigene Art. „Die Arthrose in den Knieen hab ich weitgehend auf dem Ergometer kaputtgeradelt“, erklärt er verschmitzt. Die Hausarbeit und das Kochen erledigt er nach wie vor selbst wie auch das Rasenmähen – sein Garten hat immerhin Hanglage.

Und auf dem Wohnzimmertisch liegen schon die Pläne für sein nächstes Projekt: Emil Schmitt zeichnet am neuen Gerätestadel – ganz ruhig und ohne gedrängt werden zu müssen. Er packt einfach mit an, solange er kann, denn er weiß ja, wie das geht.

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