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Landsberg

02.01.2019

Der Holocaust-Überlebende Bernard Marks ist tot

Der KZ-Überlebende Bernard Marks ist tot. Unser Archivfoto zeigt ihn bei einer Rede in der Welfenkaserne im April 2018.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Er kam regelmäßig nach Landsberg, um über sein Leiden in den KZ-Lagern zu berichten. Jetzt ist der Zeitzeuge Bernard Marks im alter von 86 Jahren gestorben.

Im Frühjahr war er noch Ehrengast, als in der Welfenkaserne der Befreiung der KZ-Außenlager rund um Landsberg gedacht wurde. Nun ist Bernard Marks kurz vor dem Jahreswechsel überraschend in Sacramento gestorben. Er wurde 86 Jahre alt. Das berichtet Gerhard Roletschek, der frühere Leiter der Militärgeschichtlichen Sammlung in der Welfenkaserne, der viele Jahre mit Marks befreundet war.

Marks stammte aus Lodz. Schon als Kind wurde er nach dem Einmarsch der Deutschen zur Arbeit in der Fabrik gezwungen, über einen mehrtägigen Transport im geschlossenen Viehwaggon wurde er in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs in das Außenlager Kaufering IV in Hurlach verschleppt. Er überlebte nur, weil ihn der Vater zu schützen wusste: Er gab ihn als älter aus, pries ihn als Arbeitskraft an und brachte ihm warmes Wasser in die Baracke, als er an Typhus erkrankt war. „Wir schliefen in Erdbaracken, ohne Heizung, ohne Decke, bei zehn Grad Minus“, erzählte er bei seinem letzten Besuch in Landsberg. Zwölf Stunden habe er in der Kiesgrube arbeiten müssen - mit kaum etwas im Magen. Ohne Mütze und ohne Schuhe habe er am Landsberger Hauptplatz gepflastert.

Bei der US Army machte er Karriere

Nach der Befreiung machte Marks am Starnberger See sein Abitur und ging zur US-Armee. Im Korea-Krieg konnte man das Sprachgenie Marks gut gebrauchen. Marks, der in Polen mit Polnisch, Deutsch, Russisch und Jiddisch aufgewachsen war, wurde Übersetzer für Chinesisch und Koreanisch, erzählt Roletschek. Als Elektroingenieur war er später in Sacramento für den Bau von Mittelstreckenraketen tätig, danach als Umweltingenieur.

1995 wurde er vom damaligen Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle zu einer Gedenkveranstaltung in Landsberg eingeladen. Seither kam er regelmäßig nach Deutschland, manchmal mehrmals im Jahr, um Vorträge zu halten und in Schulen aus seinem Leben zu erzählen. Die fünfeinhalb Jahre des Horrors werde er nie vergessen, sagte er bei seinem letzten Besuch, aber ab 1995 seien auch Freundschaften entstanden. „Wir Überlebende haben eine Verantwortung, wir müssen unsere Geschichte erzählen, solange wir leben.“

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