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Reichling/Garmisch-Partenkirchen

03.08.2017

Der Lauf auf die Zugspitze war der Horror

Daumen hoch: Konrad Vogl (Mitte) hat es geschafft. Der Reichlinger absolvierte den Deutschlandlauf und freute sich gestern mit Marc Grill (links) und Hans-Jörg Schmidt.
Bild: Susanne Schmidt

Konrad Vogl hat den Deutschlandlauf bewältigt. Auf der Schlussetappe musste der Reichlinger noch mal richtig leiden.

Er hat es geschafft. Konrad Vogl aus Reichling hat den Deutschlandlauf bewältigt. Mehr als 1300 Kilometer hat der Ultraläufer in 19 Tagen absolviert. Beim heutigen Zieleinlauf auf der Zugspitze trug sich der 55-Jährige mit seinem Finish in die überschaubare Liste der erfolgreichen Teilnehmer ein. Die letzte Etappe des Deutschlandlaufs hatte es noch einmal in sich. Vogl hatte mit Magenproblemen zu kämpfen und musste sich auch seiner Höhenangst stellen.

„Es war noch einmal ein hartes Stück Arbeit. Zum Schluss hat es noch mal richtig wehgetan. Der Körper ist jetzt leer.“ Trotz all der Strapazen hört sich Konrad Vogl am Telefon entspannt an. Kein Wunder: Der Cocktail an Glückshormonen übertüncht bei Läufern nach einem erfolgreichen Wettkampf die Schmerzen. Diese kommen meist erst am Tag oder an den Tagen danach. Bei den extremen Herausforderungen des Deutschlandlaufs hatte Konrad Vogl aber schon während des Wettkampfs, in dessen Verlauf es keinen einzigen Ruhetag gab, auf die Zähne gebissen. Am linken Knie waren die Sehnen stark geschwollen. Zwischenzeitlich hatte sich Wasser in einem Knöchel bei ihm angesammelt. Sogar ein Ödem hatte sich gebildet. „Das waren höllische Schmerzen“, berichtet der Reichlinger, der all diese Qualen ausgeblendet hat, um sich den Wunsch des Finishs zu erfüllen.

Ohne Frühstück auf die Zugspitze

Und die rund 27 Kilometer lange Schlussetappe forderte Konrad Vogl und den verbliebenen Teilnehmern noch einmal alles ab. Die letzte Nacht verbrachten sie im Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen, von wo aus am Donnerstagmorgen der Aufstieg zur Zugspitze gestartet wurde. „Ich hatte genauso wie einige der anderen Teilnehmer eine unruhige Nacht. Ich hatte Magenprobleme und konnte deshalb auch nichts frühstücken“, berichtet der Ultraläufer. Um kein weiteres Risiko einzugehen und das Projekt nicht auf den letzten Kilometern zu gefährden, startete er ohne Frühstück. Erst auf der zweiten Alm gönnte er sich eine Nudelsuppe.

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Bis dahin und auch im weiteren Verlauf war es für Vogl „der reine Horror“. Denn der Ultraläufer leidet unter Höhenangst. Trotzdem stellte er sich auch dieser und erreichte in den Mittagsstunden das Ziel. Zwar erklommen die Teilnehmer nicht das Gipfelkreuz, weil die Verletzungsgefahr auf den letzten Metern zu groß gewesen wäre. Aber dennoch kamen sie auf Deutschlands höchstem Berg fast ganz nach oben.

Im Ziel fließen Tränen

„Es war sehr emotional. Da fällt viel von einem ab. Ultraläufer geben sich die Hand. Deutschlandläufer umarmen sich“, gibt Konrad Vogl Einblick in seine Gefühlswelt. Viele Zuschauer hätten das Finale auf Deutschlands höchstem Berg verfolgt. 19 Tage zuvor waren die Teilnehmer auf Sylt gestartet und hatten dabei mehr als 1300 Kilometer zurückgelegt. Knapp 40 haben das Ziel erreicht.

Für Vogl reichte es zu einem Platz zwischen den Rängen zehn und 15. So genau wusste er sein Resultat auch noch nicht, das erst am Donnerstagabend bei der Siegerehrung bekannt gegeben wird. Seinen Triumph genoss Konrad Vogl im Stillen für sich allein und wird wohl erst in den nächsten Tagen begreifen, welch große Herausforderung er gemeistert hat.

Denn die Teilnahme war auch ein gewisser Ritt auf der Rasierklinge. „Es ist wahnsinnig viel Glück dabei gewesen. Man kann so viel nicht trainieren. Es muss einfach alles passen. Sogar am letzten Tag sind Mitläufer noch ausgestiegen, weil es nicht mehr ging.“

Nun freue er sich darauf, seine Familie wiederzusehen. Denn die war beim Finale auf der Zugspitze nicht dabei. „Sie sollen mich nicht so sehen. Sie würden sonst leiden“, so der Reichlinger. Denn die Strapazen des Extremlaufs hätten ihm doch arg zugesetzt. „Die Muskelmasse ist total weg.“

Zur Belohnung genoss Konrad Vogl nach dem Zieleinlauf einen Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Den hat er sich auf jeden Fall verdient – und bestimmt auch noch mehr Süßigkeiten in nächster Zeit.

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