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Dießen

03.10.2016

Die neue Chefin wohnt auswärts

Fünf symbolische Schlüssel erhielt Dr. Susanne Dillitzer, als sie am Freitag offiziell die Nachfolge von Erich Schöpflin (links) als Leiterin des SOS-Kinderdorfs Ammersee-Lech antrat. 
Bild: Gerald Modlinger

Erich Schöpflin geht nach 13 Jahren als Leiter des SOS-Kinderdorfs in den Ruhestand. Dr. Susanne Dillitzer ist seine Nachfolgerin.

In jedem Ende liegt ein Anfang, in jedem Abschied ein Hallo und die einen Türen gehen zu, die anderen auf: So stimmte am Freitag die Kinderdorf-Band auf die Verabschiedung des in den Ruhestand tretenden Leiters Erich Schöpflin ein, die zugleich Begrüßung seiner Nachfolgerin Dr. Susanne Dillitzer war. Und was Reden oft nur schwer vermitteln können, drückten die musikalischen Darbietungen der Kinder unter der Leitung von Roger und Susanne Kretschmann aus: ein bisschen Wehmut, aber auch eine gespannte Freude auf das, was kommen wird.

Eine Stimmung, die auch den scheidenden Einrichtungsleiter Erich Schöpflin nicht unberührt ließ: Tatsächlich stockte gelegentlich seine Stimme, als er zur Abschiedsrede anhob und unter den vielen, denen er dankte, zuvorderst seine Frau Christa und die beiden Töchter nannte. Denn Privates und Berufliches waren bei den Schöpflins jahrzehntelang eng miteinander verwoben. Die Eheleute arbeiteten seit 1981 in den gleichen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, bis Christa Schöpflin bereits vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, „und da wurden die Kinder oft mit unserem beruflichen Handeln konfrontiert“, blickte Schöpflin zurück. Vor 13 Jahren kam der Psychologe zu SOS-Kinderdorf, nachdem er zuvor zehn Jahre Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender einer evangelischen Jugendhilfeeinrichtung gewesen war, und wurde in Dießen Nachfolger von Hans Josef Rothkopf. Kinder zu fröhlichen, selbstbestimmten und solidarisch handelnden Persönlichkeiten zu entwickeln, die ihre eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten entdecken, das sei das tragende Motiv seines Berufslebens gewesen, blickte Schöpflin selbst zurück.

Bald war Schöpflin nicht nur Chef des Dießener Kinderdorfs und der dortigen Kindertagesstätte. Denn aus diesem wurde durch die Angliederung der Landsberger SOS-Beratungsstelle das Kinderdorf Ammersee-Lech. Seit Kurzem gehören dazu auch Wohngruppen für unbegleitete junge Flüchtlinge in Denklingen, Hagenheim und Kaufering. „Sie haben für über 100 geflohene Kinder und Jugendliche ein Zuhause und eine Perspektive geschaffen“, hob SOS-Regionalleiterin Maria Schwarzfischer hervor, und das am Ende seiner beruflichen Laufbahn, an dem es manche andere schon etwas ruhiger angehen ließen, wie sie anmerkte.

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Weiter verwies Schwarzfischer auf Schöpflins aktive Öffentlichkeitsarbeit und seinen kooperativen Arbeitsstil im Haus und gegenüber externen Partnern, Fähigkeiten, die auch die Mitarbeiter schätzten, wie die beiden Müttersprecherinnen Anke Hertzsch und Ute Starck erwähnten: Schöpflin habe das Gute bewahrt, aber auch die Erfordernis, sich zu verändern und weiterzuentwickeln erkannt, was manchmal auch als herausfordernd empfunden worden sei.

Schöpflins Nachfolgerin Dr. Susanne Dillitzer hat sich bereits seit Juli im SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech eingearbeitet. Sie kehrte nach einer vierjährigen Zwischenstation als Leiterin der Arbeitsstelle Frühförderung, die alle Frühförderstellen in Oberbayern betreut, zum SOS-Kinderdorfverein zurück. Dort hatte sie bereits von 2007 bis 2012 in der Frühförderung und in der Erziehungsberatungsstelle in Landsberg gearbeitet.

Dillitzer stammt aus München, studierte Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität und schrieb ihre Dissertation zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Sie wohnt in Landsberg und will das weiter so halten, auch wenn ihr Vorgänger Erich Schöpflin von seiner Dienstwohnung im Kinderdorf in sein neues Domizil in Raisting gezogen sein wird. Das sei zwar eine Veränderung, aber es sei ja auch schon lange nicht mehr so, dass das Kinderdorf nur in Dießen verortet sei, sagte sie am Rande des Festakts mit Verweis auf die Einrichtungen in Landsberg und die Wohngruppen für die jungen Flüchtlinge. Das Wohnhaus der Eheleute Schöpflin werde zu einem weiteren Familienhaus umgebaut.

Zum Einstand bekam Dillitzer von Regionalleiterin Schwarzfischer fünf symbolische hölzerne Schlüssel: Für die Pädagogik, die Mitarbeiter, die Welt der Zahlen, die Öffentlichkeitsarbeit und dann quasi noch einen Generalschlüssel, der diese Bereiche miteinander verbindet. Bürgermeister Herbert Kirsch gab nach ehrenden Worten für den scheidenden Kinderdorfleiter auch noch eine leicht zu merkende Anleitung, wie es auch im Verhältnis mit der Marktgemeinde gut klappen wird: „Sie haben die Ideen und machen das und dann kommen wir gut aus.“

Nach dem Festakt im Haus Mosaik, das vor fünf Jahren in der Ära Schöpflin eröffnet worden war, ging es zum Buffet. Dieses hatten die jungen Flüchtlinge aus dem ehemaligen Gasthof „Drei Rosen“ zusammen mit dem Starkoch Sebastian Dickhaut bestückt – beispielsweise mit Weizen-Bulgur-Salat, Gazpacho, Kichererbsencurry, Kartoffelsalat und Süßkartoffelbrot.

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