1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ebbe in der Stiftungskasse

Bilanzen

29.05.2019

Ebbe in der Stiftungskasse

Die Stipendienstiftung der Stadt Landsberg hat finanzielle Probleme.

Die Vereinigte Stipendienstiftung der Stadt kämpft an mehreren Fronten

Die anhaltende Null-Zins-Phase trocknet viele Stiftungen finanziell aus, weil ihr Geldkapital keine Rendite mehr abwirft. Betroffen davon ist auch die von der Stadt verwaltete Vereinigte Stipendienstiftung. Es fehlen nicht nur Einkünfte, selbst die vorhandene Verbrauchsrücklage wird von Verwaltungs- und Prüfungskosten bald aufgezehrt sein, erläuterte Kämmerer Peter Jung in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses.

Begabte, würdige und bedürftige Studenten zu unterstützen: Zu diesem Zweck wurde die Stipendien-stiftung gegründet. Sie verfügt über ein Vermögen von rund 80000 Euro. Finanziell geht die Stiftung aufgrund der wegfallenden Zinsen allmählich in die Knie. Die letzte Ausschüttung erfolgte vor vier Jahren. 2017 konnte noch ein kleiner Überschuss von 339,30 Euro erwirtschaftet werden, 2018 endete mit einem Defizit von 116,80 Euro, so Jung. Daher wurden auch bereits Überlegungen angestellt, die Stiftung aufzulösen oder ihr Vermögen einer anderen Stiftung zuzuführen. Allerdings habe die Regierung von Oberbayern erkennen lassen, dass sie einem solchen Schritt nicht zustimmen würde. Selbst wenn im Jahr nur 100 Euro erwirtschaftet würden, könnte der Stiftungszweck noch erfüllt werden, habe es geheißen. 2017 hatte es wegen der Auflösungsüberlegungen keine Ausschüttung gegeben, die nächsten Stipendien müssten in diesem Jahr gewährt werden.

Grundsätzlich stünden dafür noch 2860,64 Euro in der Verbrauchsrücklage bereit. Allerdings müssten davon erst noch die Ausgaben für die Prüfung der Jahresabschlüsse seit 2011, die Kontoführung, das Binden der Jahresabschlüsse und eine Anzeige zur Ausschreibung der Stipendien erfolgen. Für diese blieben am Ende nur noch 60 Euro übrig, rechnete der Kämmerer vor. „Das macht keinen Sinn“, machte er klar. Und dann müsste auch noch geprüft werden, ob die Bewerber um die 60 Euro auch wirklich bedürftig seien.

Ebbe in der Stiftungskasse

Nachdem eine Auflösung nicht möglich sein dürfte, wird jetzt wohl ein Vorschlag von Dr. Reinhard Steuer (UBV) zum Tragen kommen. Er hatte angeregt, aus der Stiftung den besten Absolventen der Landsberger Schulen jeweils 100 Euro zukommen zu lassen. Bei einem solchen Betrag könne auch auf eine Bedürftigkeitsprüfung verzichtet werden. Wo das dafür nötige Geld aufgetan werden kann? Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) will deswegen bei der Sparkasse Landsberg-Dießen nachfragen oder dafür Geld aus dem städtischen Sozialfonds verwenden.

Auf dem Papier etwas besser sieht die Herkomerstiftung aus. Sie erwirtschaftete 2018 einen Überschuss von fast 17000 Euro. Dieser kommt jedoch nur deshalb zustande, weil die Stadt der Stiftung eine Zuwendung von knapp 108000 Euro zukommen ließ, so Kämmerer Jung. Selber habe die Stiftung nur rund 69000 Euro Einnahmen gehabt.

Reinhard Steuer forderte deshalb, sich über Einsparungen Gedanken zu machen. Er dachte dabei beispielsweise an kürzere Öffnungszeiten und damit verbundene Personaleinsparungen. Christian Hettmer (CSU) stimmte zu: „Wenn man feststellt, dass man am Montag um 13 Uhr im Jahr nur ein Ticket verkauft, dann sind die Öffnungszeiten anzupassen.“

Stefan Meiser (ÖDP) wies darauf hin, dass in der Stiftungsurkunde der Herkomerstiftung auch Einnahmen für die im Historischen Rathaus ausgestellten Werke Hubert von Herkomers festgesetzt worden waren. Dies sei in der jetzigen Satzung nicht mehr verankert. Und es müsse geklärt werden, warum dies jetzt nicht mehr so sei. (ger)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren