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29.07.2010

Ein Buch über das Leben mit Fassbinder

Ulli Lommel, Fassbinder-Schauspieler, der jetzt in Hollywood lebt und Filme dreht, und die Leiterin der Fassbinder-Foundation, Juliane Lorenz, trafen sich in Landsberg. Foto: Julian Leitenstorfer
Bild: Julian Leitenstorfer

Landsberg Landsberg ist in dieser Woche zum Eldorado nicht nur für Hanna Schygulla, sondern auch für Fassbinder-Fans geworden. Gleich zwei seiner Filme an einem Abend standen im Filmforum im Stadttheater auf dem Programm, und er war Thema an fast allen Abenden, in denen es um Hanna Schygulla ging. Die Namen der beiden scheinen noch immer unlösbar miteinander verbunden.

Juliane Lorenz, die Leiterin der Fassbinder-Foundation, präsentierte die Filme "Effi Briest" und "Lilli Marlen" und auch Schauspieler Ulli Lommel (er spielt in Effi Briest den Major Crampas) diskutierte mit den Zuschauern. Ulli Lommel hatte in Landsberg nach 37 Jahren die Schygulla wieder getroffen. "Es war ein toller Abend, wir haben viele Parallelen, wir mussten beide aus Polen fliehen, wir haben die gleichen Länder besucht, sind von Brasilien begeistert, haben uns aber in all den Jahren nie getroffen, erst hier in Landsberg." Landsberg sei eine sehr schöne Stadt, Lommel war schon mal hier, und hat sie auch dem Filmpublizisten Robert Fischer, der hier nun wohnt, empfohlen. Fischer ist Mitinitiator der Filmreihe über die Schygulla.

Lommel drehte viele Jahre in Hollywood Filme, war mit Andy Warhol befreundet, kannte Jackie Onassis, Truman Capote und hatte Beziehungen mit Bianca Jagger, Iris Berben und Anna Karina.

Eine Lesung in Landsberg geplant

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"Mit dem Theaterleiter habe ich schon gesprochen, ich würde gerne mit einer Lesung ins Stadttheater kommen", sagt Lommel im Gespräch mit dem LT. Juliane Lorenz hat nicht nur 14 Filme mit Fassbinder gemacht, sondern auch sieben Jahre mit ihm zusammengelebt. "Mein Bild von Fassbinder ist ein völlig anderes als das, was man im allgemeinen von ihm hört." Sie habe viel von ihm gelernt, als Cutterin eng mit ihm zusammengearbeitet. "Er war sehr ruhig, hat mich unterstützt und gefördert, ich habe ihm viel zu verdanken."

1974 hatte sie ein Studium an der Hochschule für Politik in München absolviert und erlernte parallel zum Studium bei Margot von Schlieffen die Grundlagen des Filmschnitts. Bereits 1975 schnitt sie ihre ersten Filme für Ernst Batta, 1976 war sie am Schnitt und der Vertonung von Rainer Werner Fassbinders Film "Chinesisches Roulette" beteiligt.

Aus der Begegnung mit Fassbinder entwickelte sich eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft, die bis zu seinem Tod 1982 fortdauerte und insgesamt 14 Filme umfasste. Darunter auch der diese Woche gezeigte "Lilli Marlen", den, so erklärte Lorenz, sie eigentlich gar nicht habe machen wollen. "Das Thema Krieg mochte ich nicht."

Im Moment schreibt Lorenz, die auch als Regisseurin, Produzentin und Autorin arbeitete, gerade ein Buch über dieses Leben mit Fassbinder. "In Ketten tanzen" heißt es, deshalb wolle sie auch nicht so viel über diese Zeit verraten. "Sonst liest ja keiner mein Buch!" Sie habe in der Beziehung die bürgerliche Seite übernommen, das Gestalten war sein Ding. "Er hatte ein kurzes und intensives Leben."

Private Stiftung übernommen

Sein Werk sei immer noch weltweit vertreten, die Fassbinder-Foundation ist eine private Stiftung, die sie von seiner Mutter übernommen hat. Fassbinder hat seine Mutter damals die Rolle von Effi Briests Mutter spielen lassen. Lorenz: "Da ließ er sich nicht dreinreden. Als jemand sagte, wie er das machen kann, seine Mutter sei doch keine Schauspielerin, sagte er einfach, jetzt ist sie es." Die Sammlung mit den Filmen, Gedichten und sonstigen Werken komme überall auf der Welt gut an, nur in Deutschland sei es schon immer sehr schwierig gewesen, deshalb seien solche Abende wie hier in Landsberg so wichtig, sagt Lorenz abschließend. (lua)

Im Internet

Mehr dazu erfahren Sie unter

www.fassbinderfoundation.de

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