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Leeder

23.04.2019

Ein Pflegedienst in Leeder, der ohne Zeitdruck arbeiten will

Maximilian Rost und seine Schwester Hildegard Schwarzfischer betreiben einen ambulanten Pflegedienst. Sie sind nun in die Räumlichkeiten eines früheren Eisenwarenhandels umgezogen. 

Die Geschwister Maximilian Rost und Hildegard Schwarzfischer betreiben einen ambulanten Pflegedienst. Das Unternehmen nimmt auch ungewöhnliche Aufträge an.

Die Einrichtung der neuen Büroräume ist fast abgeschlossen, ein paar Kisten stehen noch herum. Es herrscht Aufbruchsstimmung in der Hauptstraße 35 in Leeder. In dem Haus, wo einst ein Eisenwarenhandel beheimatet war und das lange leer stand, ist nun der neue Firmensitz des Unternehmens „Pflegedienst an der Romantischen Straße“. Geschäftsinhaberin ist Hildegard Schwarzfischer, geborene Rost. Die 57-Jährige stammt gebürtig aus Leeder und ist dort auch aufgewachsen.

Lesen Sie zum Thema auch: Pflegesituation im Landkreis Landsberg: Was sind die Antworten?


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Was den Pflegedienst von ähnlichen Anbietern unterscheidet, ist die Abrechnung nach Zeit – nicht nach Pflegeleistungen. Das bedeutet in der Praxis, dass der Mitarbeiter sich mehr Zeit für den Patienten nehmen kann. „Natürlich gibt es da eine Deckelung vonseiten der Pflegekasse“, sagt ihr Bruder Maximilian Rost, 53, der für Finanzen, Personal und Abrechnung zuständig ist. „Aber der Patient kann, wenn er das möchte, etwas privat dazuzahlen, dann bleibt auch noch Zeit für Dinge wie Spazierengehen, eine Unterhaltung oder ein Spiel“, sagt Maximilian Rost.

Die Branche leidet unter Personalmangel

In der von Personalmangel geplagten Pflegebranche zahlt sich dieses Konzept aus: Die Mitarbeiter-Fluktuationsrate bei ihrem Pflegedienst sei sehr gering, sagen die Betreiber. Dennoch seien auch sie „ständig auf der Suche nach Mitarbeitern“. Die 57-Jährige hat ihr Unternehmen 2008 gegründet. Der jetzige Umzug erfolgt weil das Elternhaus, eine ehemalige Bäckerei, „aus allen Nähten platzte“, wie sie gegenüber dem Landsberger Tagblatt sagt. „Das Unternehmen entstand aus der Unzufriedenheit mit meiner eigenen Arbeitssituation“, erzählt Hildegard Schwarzfischer. Sie ist gelernte Krankenschwester und war Stationsleiterin im Landsberger Krankenhaus. Nach zwei Babypausen baute sie den Pflegedienst in der ambulanten Pflege des Roten Kreuzes in Landsberg auf. „Aber ich war dort nicht mein eigener Herr, und die Minuten-Einteilung der Mitarbeiter ging mir ebenfalls gegen den Strich.“

Jahrelanger Kampf, um auf dem Markt Fuß zu fassen

Gemeinsam mit zwei Krankenschwester-Kolleginnen gründete sie das eigene Unternehmen. Doch eine sprang ab, die andere ließ sich von ihr anstellen. Ein paar Jahre hatte sie zu kämpfen, um im Markt Fuß zu fassen, sagt Schwarzfischer. Dann wurde die Arbeit immer mehr, und vor rund fünf Jahren rief sie ihren Bruder, der studierter Betriebswirt ist, zu Hilfe. Seitdem kann sie sich voll auf Einsatzplanung, Pflege und medizinische Wundversorgung konzentrieren, während sich Max Rost um Finanzen und Organisation sowie den Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen kümmert. Seit er mit eingestiegen ist, hat der Pflegedienst seine Patientenzahl von 32 auf aktuell 145 gesteigert. Die Firma beschäftigt 36 Mitarbeiter in Vollzeit, Teilzeit oder im Minijob. Der Einzugsbereich des Pflegedienstes reicht vom Fuchstal über Waal, Buchloe, Jengen und Landsberg bis Apfeldorf und Kinsau.

Mitarbeiter kümmern sich auch um den Haushalt und die Kinder

Weitreichende Unterstützung bietet das Unternehmen auch bei den haushaltsnahen Dienstleistungen an. Es wird für Patienten auch geputzt, eingekauft, gebügelt und was sonst noch anliegt. Möglich ist das laut Max Rost dank des neuen Pflegestärkungsgesetzes, wonach jeder der eine Pflegestufe hat, Anspruch auf Entlastungsleistungen hat. Das Unternehmen aus Leeder übernimmt aber auch Sonderaufträge. „Wir helfen auch, wenn eine Mutter zur Chemotherapie muss, und schicken eine Helferin, die sie um Haushalt und Kinder kümmert“, sagt der Bruder.

Er und seine Schwester empfinden ihre Arbeit als sinnstiftende Aufgabe. „Das ist ganz anders als in einem Industrieunternehmen, wo Termine und Gewinn im Zentrum stehen“, sagt der Betriebswirt, der Jahrzehnte in der Industrie gearbeitet hat. Hildegard Schwarzfischer lächelt nur dazu. „Ich habe ein Motto hier“, sagt sie. „Papier kann warten.“

Am Sonntag, 5. Mai, während des Leederer Frühjahrsmarktes, kann man den „Pflegedienst an der Romantischen Straße“ bei einem Tag der offenen Tür besuchen und ins Gespräch kommen.

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