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Utting

19.08.2020

Für den Uttinger Bürgermeister waren nur ein paar Schritte ins Amt

Im Uttinger Rathaus wechselte Florian Hoffmann seinen Arbeitsplatz aus Zimmer Nummer 13 in Zimmer Nummer 14. Aus dem Mitarbeiter im Bauamt wurde am 1. Mai der neue Uttinger Bürgermeister.
Bild: Christian Rudnik

Plus Mit Florian Hoffmann ist ein junger Mann ins Bürgermeisterzimmer in Utting gekommen. Der 36-Jährige übt noch ein weiteres wichtiges Amt aus. Auch eine Gewohnheit seines Vorgängers hat er beibehalten.

Bei den Kommunalwahlen im vergangenen März sind in mehreren Gemeinden am Ammersee neue Bürgermeister gewählt worden. Am 1. Mai sind sie ins Rathaus eingezogen. Im LT ziehen sie eine Bilanz nach 100 Tagen im Amt. Heute: Utting.

Für Florian Hoffmann waren es am 1. Mai nur ein paar Schritte ins neue Amt. Er wechselte im Uttinger Rathaus von Zimmer Nummer 13 ins benachbarte Zimmer Nummer 14. Aus dem Mitarbeiter im Bauamt wurde der neue Uttinger Bürgermeister. Am 15. März hatte er mit 53,6 Prozent der Stimmen die Wahl gegen Renate Standfest (GAL) für sich entscheiden können.

Einen so jungen Bürgermeister gab es in Utting noch nie

36 Jahre ist Florian Hoffmann alt. Einen so jungen Bürgermeister hat es in Utting noch nie gegeben. Dass er künftig vielleicht einmal eine wichtigere Rolle in der Uttinger Politik spielen könnte, deutete sich schon bald nach 2014 an, als er zusammen mit Mathias Hornsteiner zum ersten Mal zwei Gemeinderatssitze für die Ländliche Wählergemeinschaft erringen konnte.

Der junge Mann fiel schnell mit seiner unbekümmerten Art und seinen klaren Ansagen auf. Doch dann musste Hoffmann sein Mandat aufgeben. Denn der gelernte Schreiner und spätere Postbote absolvierte einen Angestelltenlehrgang für die öffentliche Verwaltung und fing im Juni 2017 in der Gemeindeverwaltung im Bauamt an. Dann wurde es tatsächlich ernst. Denn Andreas Streicher ( CSU/Bürgerblock), den viele schon als aussichtsreichen Bürgermeisterkandidaten sahen, sagte der Gemeindepolitik Ade. Schließlich lief es auf Florian Hoffmann hinaus, der nicht nur von der Ländlichen Wählergemeinschaft, sondern auch von CSU/Bürgerblock als Kandidat nominiert wurde.

Mit Menschen in Kontakt zu kommen, ist Florian Hoffmann wichtig

„Das war einer meiner größten Vorteile, ich wusste, was im Rathaus abläuft“, blickt Hoffmann auf die Zeit im Bauamt zurück. Da bekam er auch mit, was im Nachbarzimmer so ablief, als dort noch Josef Lutzenberger (GAL) war. Bei Lutzenberger stand nämlich immer die Tür offen, eine Angewohnheit, die Hoffmann weiterführt, „da kriegt man sehr gut mit, was im Haus los ist“. Etwas mitzukriegen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, das ist ein sehr charakteristischer Zug Hoffmanns. Er wirkt offen und aufmerksam. Wenn er mit dem Auto fahre, erzählt der neue Bürgermeister, dann „kann ich eigentlich eine Hand vom Lenkrad weglassen“: Es gibt immer jemanden, den er grüße.

Hoffmann ist auch Feuerwehrkommandant in Utting

Doch die kommunikative und offene Art Hoffmanns bedeutet nicht, dass man von ihm alle Wünsche erfüllt bekommt. Es gab auch schon Begegnungen, die verliefen nicht so angenehm. Was ihn in den ersten 100 Tagen am meisten geärgert hat? „Leute, die meinen, mit Geld können sie sich alles kaufen“, sagt Hoffmann spontan, „oder Leute, die sagen, wenn ich kein Baurecht bekomme, dann melde ich mein Gewerbe in Utting ab. Was soll denn das?“, fragt sich Hoffmann. Nach 100 Tagen steht Florian Hoffmann voll unter Dampf, zumal er in der Gemeinde ja auch noch ein zweites wichtiges Amt ausübt: Ein Jahr vor der Bürgermeisterwahl wurde er zum Feuerwehrkommandanten gewählt – und zwar für sechs Jahre. Kommandant will Hoffmann auch als Bürgermeister bleiben, sagt er, zurückzutreten hätte er „unfair den Leuten gegenüber“ gefunden, die ihn damals gewählt haben. So muss man sich nicht wundern, wenn man den Uttinger Bürgermeister am Sonntagnachmittag im Feuerwehrhaus werkeln sieht.

Er weiß, dass es wichtig ist, auch an der Spitze einer 4500-Einwohner-Gemeinde in exklusiver Lage am Ammersee auf dem Teppich zu bleiben: „Ohne das Bodenständige geht es nicht, sonst holst du die Leute nicht mehr ab. Wenn Du nicht auf Augenhöhe bist, kannst Du es vergessen.“ Geändert habe sich dagegen teilweise, wie er wahrgenommen wird. Wenn er Bauwerbern, die ausloten wollten, was unter dem neuen Bürgermeister geht, sage, dass sie schon mal da waren, als er noch im Bauamt war, dann falle schon mal der Satz „ach, Sie waren das“.

Politischer Richtungswechsel in Utting

Die Wahl Hoffmanns war nach zwölf Jahren GAL an der Spitze der Gemeinde auch ein politischer Richtungswechsel in Utting. Wie darf man Hoffmann nun im politischen Farbenspektrum einordnen? „Ich bin sehr schwarz, aber kein Schwarzer“, betont Hoffmann, „die Freiheit, kein Parteimitglied zu sein, genieße ich.“ Er lege auch Wert darauf, dass er sich mit den Fraktionen von CSU/Bürgerblock und Ländlicher Wählergemeinschaft in getrennten Sitzungen bespreche. Die Arbeit im Gemeinderat empfinde er als sehr sachlich – auch mit Blick auf die GAL, der größten Fraktion im Gemeinderat: „Bei den jungen Grünen merke ich die Barriere nicht so, bei den alten Gemeinderäten ist eher eine Zurückhaltung da.“ Parteipolitik, meint Hoffmann, habe in einer Gemeinde eigentlich keinen Platz.

Das Rathaus in Utting. Soll die Verwaltung in ein altes Bankgebäude ziehen oder das bestehende Rathaus stilecht saniert und erweitert werden?
Bild: Stephanie Millonig

Ziemlich unspektakulär fiel in den ersten Wochen seiner Amtszeit auch eine wegweisende Entscheidung, was den Rathaus-Standort betrifft. Der Gemeinderat beschloss, dass der Bürgertreff in die bisherige VR-Bank in der Bahnhofstraße einziehen und dort auch Kinderbetreuung möglich sein soll. Damit war klar: Das Rathaus bleibt neben dem Summerpark.

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