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Landsberg

19.06.2019

Hagel-Unwetter: Es gibt sie noch, die süßen Erdbeeren

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Wilhelm und Nico Storz begutachten den Ertrag auf einer ihrer Erdbeerfelder.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der Hagel hat viele Erdbeerfelder zerstört, aber nicht alle. Rund um Landsberg herrscht auf den Plantagen viel Betrieb. Das Selberpflücken ist beliebt wie eh und je, und doch hat sich viel verändert.

„Mit Erdbeeren ist es wie mit der Liebe: Beide können höchste Glücksgefühle auslösen, aber auch für bitterste Enttäuschung sorgen.“ Wilhelm Storz wird richtig philosophisch, wenn er über die Arbeit spricht, mit der er den Lebensunterhalt für sich und seine Familie erwirtschaftet. Storz kultiviert Erdbeeren, betreibt etliche Felder in unserem und angrenzenden Landkreisen. Gerade, etwas später als üblich, werden die süßen Früchte reif und locken Selbstpflücker.

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Mehr zum Thema lesen Sie hier: Hagelsturm richtet im Raum Landsberg Millionenschaden an

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Hagelsturm hinterlässt Spur der Verwüstung - auch in der Region
Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Ein eigenes Schälchen für die Kinder

Auf dem Erdbeerfeld an der Straße von Igling nach Erpfting, gleich beim Sommerkeller, ist jedenfalls ein ständiges Kommen und Gehen. Hier dürfen auch mitgekommene Kinder ihren Beitrag zum Pflücken leisten, in ein Schälchen, das sie am Eingang bekommen. „Die gepflückten Mengen sind generell weniger als noch vor ein paar Jahren“, hat der 62-jährige Diplomökonom beobachtet. Früher seien Erdbeeren noch durch Einwecken haltbar und für den Winter konserviert worden, wofür größere Mengen benötigt wurden. Das sei etwas aus der Mode gekommen.

Marmelade sei noch Trend, vor allem aber gehe es um den schnellen Verbrauch. Das ist bei Familie Storz nicht anders. Während der Saison wird frisch genascht, es gibt Erdbeerkuchen und Ehefrau Susanne kocht auch Marmelade. „Erdbeerwein machen wir keinen mehr“, sagt Storz und gibt zu, dass er selbst den auch gar nicht so gern mag.

„Storz Erdbeerkulturen“ kann als einer der ältesten, möglicherweise als der älteste solche Betrieb in unserer Gegend bezeichnet werden. Bereits 1910 sei hier der Versuch gestartet worden, Obstbau zu betrieben, berichtet Storz. Ein Augsburger Großunternehmer habe sich damals hier eingekauft, vermutlich, um seine Beschäftigten mit Obst und Gemüse zu versorgen. „Der Städter hat allerdings das schlecht einschätzbare Wetter mit Früh- und Spätfrösten in der rauen Lechgegend unterschätzt.“

Das Problem mit dem Frost

1921 habe sein Großvater Johann, ebenfalls Augsburger, das etwa acht Hektar große Gelände, das bereits mit Obstbäumen bestückt war, gekauft. „Auch er hat sich redlich geplagt, vor allem wegen der unberechenbaren Fröste“, sagt der Enkel über den Gärtnermeister. Apfelbäume und unzählige Johannisbeersträucher seien die Hauptkulturen gewesen, dazu auch etwas Gemüse und eine kleine Baumnachzucht. „In den 1930er-Jahren hat sich mein Großvater aber auch schon im Anbau von Erdbeeren und sogar Himbeeren versucht.“ In den 1950er-Jahren, Vater Wilhelm war mittlerweile „Chef“, sei ganz auf Erdbeeren umgestellt worden.

Neue Erdbeer-Sorte bringt die Wende

Möglich war das laut Sohn Wilhelm, weil mit „Senga Sengana“ ein neue, sehr robuste und deshalb gut vermarktungsfähige Sorte zur Verfügung stand. Geliefert wurde an einen Händler im Allgäu und an die Großmarkthalle München. „Anfang der 1960er-Jahre haben wir als Novum in der ganzen Gegend gepflückte Erdbeeren ab Hof verkauft.“ Etwa zur selben Zeit war Start für das Selbstpflücken, das auf den ursprünglich im Allgäu beheimateten Eberle-Erdbeerplantagen erstmals angeboten wurde und schnell Nachahmer fand. „Bei uns in Südbayern steht quasi die Wiege des Selbstpflückens“, meint Storz scherzhaft. Heute gehören zu Storz Erdbeerkulturen etwa 30 Plantagen zum Selbstpflücken und für die Vermarktung, unter anderem an einem der mehr als zehn Verkaufsstände.

Das Erdbeerplantagenbesitzer-Dasein ist Nerven aufreibend, sagt Wilhelm Storz, weil Anbau und Vermarktung der Früchte mit hohem finanziellen Risiko verbunden sind. Die Arbeit beginnt im zeitigen Frühjahr. Bestehende Felder werden gegen Spätfröste abgedeckt, Anfang April werden Neupflanzungen angelegt. „Auf jedem Feld sind drei bis fünf Sorten“, so Storz, „auch um herauszufinden, welcher Pflanze es an dem betreffenden Standort am besten gefällt.“ Im Mai wird Stroh ausgebracht, Unkraut jäten von Hand und Wetterbeobachtungen wegen möglicher Nachtfröste sind Pflicht.

Die Trockenperioden werden mehr

Die Parzellen bekommen einen Zaun – die etwa fünf Wochen andauernde Saison beginnt. „Wir müssen immer öfter bewässern“, berichtet Wilhelm Storz, „Trockenperioden werden mehr.“ Der Erdbeerbauer hofft deshalb auf durchwachsenes Wetter – „gerade schaut’s ja gar nicht so ungünstig aus“. Nach der Ernte werden die Felder gepflegt, was bis in den Spätherbst hinein andauert.

Die freie Zeit im Winter vertreibt sich Wilhelm Storz nicht nur mit sportlichen Aktivitäten. Wichtig ist ihm die Musik, jetzt hat er Zeit, sich an Klavier oder Orgel zu setzen. Und offensichtlich liest er auch viel, denn wer sich mit dem 62-Jährigen unterhält, erfährt nicht nur alles rund um die süßen roten Früchte. Storz erläutert beispielsweise auch, warum der römische Kaiser Mark Aurel großes Vorbild für ihn ist und erklärt vieles mit Weisheiten berühmter Philosophen.

Wie geht es weiter?

Was bringt die Zukunft? Mit Sohn Niko ist ein „potenzieller“ Nachfolger beim Gespräch mit Wilhelm Storz dabei. Der 27-Jährige hat heuer im Frühjahr den Masterstudiengang Gartenbau Management an der TU München, Außenstelle Weihenstephan, abgeschlossen. Weil ein Helfer – für die Erdbeersaison kommen seit vielen Jahren die gleichen Helfer aus Rumänien – ausfiel, sprang Niko kurzfristig ein. Er könne sich den Einstieg in die Erdbeervermarktung schon vorstellen, meint er, „aber höchstens im Nebenerwerb“. Niko ist deshalb jetzt und nach der Saison verstärkt auf Jobsuche. „Allzuweit von Landsberg weg soll es nicht sein, damit die Sache mit den Erdbeeren auch noch geleistet werden kann.“

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