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Landsberg

04.04.2021

Hermann Treichl wird 85: Das Landsberger Inselbad war sein Bad

Der ehemalige Landsberger Schwimmmeister Hermann Treichl wird am Ostermontag 85. Havaneser Flocki feiert mit.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Hermann Treichl war fast 30 Jahre Schwimmmeister im Landsberger Inselbad. Er hat Kindern das Schwimmen beigebracht und hatte immer einen Witz parat. Am Montag wird er 85.

Hermann Treichl hat viel zu erzählen. Und einen Witz hat er noch immer auf Lager. Schließlich hat er es mit diesem Talent in den 1990er-Jahren bis in die von Gerd Rubenbauer moderierte BR-Fernsehsendung „Gaudimax“ geschafft. Die Landsberger verbinden Hermann Treichl allerdings mit dem Inselbad. Fast 30 Jahre war er dort Schwimmmeister, brachte den Kindern das Schwimmen bei, hielt das Bad in Schuss und war immer für eine Gaudi zu haben. Am Montag wird er 85 Jahre alt. Zeit, um auf ein bewegtes Leben zu blicken.

Hermann Treichl stammt vom Schliersee. In Hausham arbeitete er zehn Jahre lang in einem Bergwerk, bis dieses schließen musste. Weil er auch eine Ausbildung als Schweißer absolviert hatte, führte ihn sein Weg nach Landsberg. Die US-Amerikaner hatten versucht, den Bunker in der Welfenkaserne im Frauenwald zu sprengen, und weil das nicht gelang, wurde das Bauwerk erhalten. Bei den Sprengversuchen wurden etliche Eisenteile beschädigt, die wieder geschweißt werden mussten. Eine Aufgabe für Hermann Treichl, der deswegen zwischen 1962 und 1965 immer wieder nach Landsberg kam.

In Landsberg gab es das "Schliersee-Stüberl"

Bei einem seiner beruflichen Besuche in Landsberg lernte er seine spätere Frau Inge kennen, die aus Windach stammt. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er ein zweites Mal. Inge Treichl betrieb den letzten Stehausschank Landsbergs in der Salzgasse und übernahm danach das heutige „Café Maxx“ in der Hinteren Salzgasse. Damals hieß es „Schliersee-Stüberl“, benannt nach der Heimat von Hermann Treichl.

Seine Frau war es auch, die dem Jubilar im Jahr 1971 zu seinem „Traumjob“ verhalf. Sie hatte erfahren, dass ein Schwimmmeister für das Inselbad gesucht wird. Hermann Treichl bewarb sich und setzte sich beim damaligen Oberbürgermeister Hanns Hamberger gegen neun Mitbewerber durch. „Der Hamberger hat gesagt, dass einer aus dem Bergwerk sicher gut arbeiten kann.“ Und so war Treichl bereits bei den Bauarbeiten für das neue Inselbad dabei, das im Jahr 1972 eröffnet wurde.

Das Landsberger Inselbad im Sommer 2020.
Foto: Thorsten Jordan

Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1999 war Hermann Treichl Schwimmmeister im Inselbad. Er hat seine Nachfolger Jürgen Aicher und Christian Wappler ausgebildet und vielen Kindern das Schwimmen beigebracht. Doch als Schwimmmeister war er Mädchen für alles. Fliesen kleben, Becken säubern, Rosen schneiden und vieles mehr gehörten zu seinen Aufgaben. „Ich habe es gern gemacht, so als ob es mein Bad gewesen wäre“, sagt er. Und er habe die Menschen gern gehabt, die das Inselbad besucht haben. „Es war ein Traumjob.“

Ein Traumjob, der im Sommer auch ein Fulltime-Job war. Von 7 bis 21 Uhr dauerte ein Arbeitstag bei schönem Wetter. Und weil früher nur zwei Schwimmmeister für Sicherheit und Ordnung sorgten, wagte sich Treichl nur selten für eine Stunde nach Hause zum Rasenmähen oder anderen Arbeiten. Die Familie war sowieso im Inselbad zu Hause. Denn seine Frau Inge betrieb lange Jahre den Kiosk, Sohn Thomas wuchs praktisch im Inselbad auf. „Wir haben den Laufstall einfach im Bad aufgestellt und Thomas hatte seinen Spaß.“

Mit den Frühschwimmern hatte Treichl seine Gaudi

Der Spaß durfte auch bei Hermann Treichl nicht zu kurz kommen. Vor allem mit den Frühschwimmern hatte er seine Gaudi. Etwa als er sie eines Morgens davor warnte, dass ein Großkarpfen im Becken schwimmen würde und alle ängstlich auswichen, oder als er den Schwimmern vorgaukelte, ein Mittel ins Wasser gegeben zu haben, das die Badeanzüge zersetzen könnte. „Eine Frau war ganz empört, weil sie einen teuren Badeanzug aus Frankreich trug.“ Schnell machte die Gaudi die Runde in Landsberg und beim Brotzeitholen in der Stadt wurde der Schwimmmeister darauf angesprochen.

Schwimmmeister Hermann Treichl in seinem Element: Das Foto entstand 1997 im Inselbad.
Foto: Sibylle Seidl-cesare

Eine Anekdote weiß Hermann Treichl auch über seinen Vorgänger Hans Nage zu berichten. Der konnte nämlich gar nicht schwimmen. Treichl konnte das nicht glauben und bot Nage einen Kasten Bier an, wenn dieser mit ihm eine Runde drehen würde. „Da musste er Farbe bekennen.“ Im Notfall hatte Nage immer zur Rettungsstange gegriffen oder an Feiertagen die Kollegen der Wasserwacht eingreifen lassen.

Das schönste Erlebnis im Inselbad war eine Rettungsaktion

Hermann Treichl ist stolz, dass in seiner Zeit kein Todesopfer im Inselbad zu beklagen war. Einmal habe er aber schon alle Hoffnung sinken lassen. Ein sechs Jahre alter Bub aus England, der bei seiner Großmutter in Landsberg zu Besuch war, sei leblos im Wellenbecken getrieben. „Er war schon ganz blau, als ich ihn rausgeholt habe.“ Treichl beatmete den Buben und holte ihn zurück ins Leben. „Er hat mir dabei in den Finger gebissen. Aber das war es mir wert.“ Rückblickend sei das vielleicht sein schönstes Erlebnis im Inselbad gewesen.

Heute besucht Hermann Treichl sein Bad nur noch selten, dann an Regentagen. Er schwimme viel lieber im Ammersee, schließlich habe er am Schliersee das Schwimmen gelernt. „Im Inselbad komme ich auch gar nicht zum Schwimmen, weil mich so viele Leute ansprechen“, sagt er. Der Sport hat den Jubilar fit gehalten. Schwimmen, Eishockey und Skifahren waren seine Steckenpferde. Auf Skiern holte er auch mehrmals die Stadtmeisterschaft. Und so fühlt sich Treichl mit bald 85 Jahren gesundheitlich auf der Höhe und blickt auf ein erfülltes Leben mit seiner Familie und der Zeit im Landsberger Inselbad zurück.

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