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Landsberg

05.05.2019

Hilfsaktion in Landsberg: Marie fährt jetzt mit dem Treppenlift

Marie Wunder mit Mutter Meike: Der Treppenlift wird auch über Spenden des Lions Club Landsberg finanziert. So muss Meike Wunder ihre Tochter nicht mehr ein Stockwerk zum großen Lift tragen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus 4000 Euro aus der Charity-Gala des Lions Club Landsberg gehen an Meike Wunder, die ihre Tochter bisher ein Stockwerk bis zum Lift tragen musste. Was die Spende für die alleinerziehende Mutter bedeutet.

Marie Wunder lacht und freut sich über das Blitzlicht des Fotografen. Und sie will weiter im Treppenlift fahren, der die Wohnung im dritten Stock mit der Etage darunter verbindet, die einen richtigen Liftanschluss hat. Eine Spende des Lions Club Landsberg aus der Charity-Dance-Night hat den Ankauf des gebrauchten Lifts ermöglicht. Denn Marie kann nicht laufen und ihre Mutter, Meike Wunder, kann das mittlerweile 25 Kilogramm schwere und 1,30 Meter große Mädchen nicht dauernd die Treppe herunter- und herauftragen.

Mehr von der Charity-Gala sehen Sie hier:

Der Lions Club Landsberg veranstaltete zum zweiten Mal einen Tanzabend mit dem Klaus Ammann Orchester. Diesmal u.a. zugunsten von Marie Wunder. Einen Gastauftritt hatten die Landsberg Starlights und Andi Weinbuch als Elvis.
52 Bilder
Tanz in den Mai mit dem Klaus Ammann Orchester
Bild: Thorsten Jordan

Marie leidet unter einer Fehlentwicklung des Gehirns, ohne dass laut ihrer Mutter eine konkrete Ursache bekannt ist. „Sie passt in keine Schublade“. Als Kleinkind zeigte sie beispielsweise keine Emotionen, konnte nicht schlucken und bewegte sich auch nicht. „Heute kann Marie frei sitzen und krabbeln.“ Auch Emotionen wie Freude und Ärger kann Marie mittlerweile zeigen.

Nachts war an Durchschlafen nicht zu denken

Seit September besucht Marie die Fritz-Felsenstein-Schule in Königsbrunn, ein Internat für Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Ein Schritt, der für Meike Wunder schwierig war. Und doch nötig, denn die körperliche und seelische Belastung war hoch: In der Nacht quälen Marie Krampfanfälle. „Früher hat sie manchmal vier Stunden geweint, gebrüllt und gekrampft.“ So war an nächtliches Durchschlafen nicht zu denken.

Wer Marie so erlebt, wie es ihr in liebenswerter Art gelingt, auch ohne Worte Kontakt aufzubauen, und sieht, wie sie letztendlich ohne Murren der Bitte der Mutter nachkommt, den Kugelschreiber der Reporterin in Ruhe zu lassen, der kann sich die dramatischen nächtlichen Situationen schwer vorstellen. Solche Reaktionen kennt Meike Wunder – auch im klinischen Bereich. „Anfangs bin ich belächelt worden“, erzählt die selbstständige Physiotherapeutin, die über 20 Jahre lang in der Neurologie Schädel- und Hirnverletzte betreute.

Jetzt besucht Marie ein Internat in Königsbrunn

Wer jedoch mitbekam, wie die Nächte abliefen, änderte seine Meinung: In der Haunerschen Kinderklinik seien sie und Marie beispielsweise eine Woche lang beobachtet worden. Da sei auch den Ärzten klar geworden, wie belastend die Behinderung von Marie sei. „Wir haben auch schon lebensbedrohliche Situationen erlebt“, sagt Meike Wunder und lässt einen ein wenig verstehen, warum es ihr schwergefallen ist, die Tochter die Woche über in ein Internat zu geben. Durchschlafen kann Meike Wunder nach den Jahren des nächtlichen Kümmerns noch nicht, „aber ich habe jetzt den Luxus, liegen bleiben zu können“.

Der Beruf, den sie halbtags ausübt, ist für die alleinerziehende Mutter nicht nur aus finanzieller Sicht nötig, sondern gibt ihr auch Kraft. Ohne die Arbeit hätte sie sich sicherlich mehr hängen lassen, sagt Meike Wunder. „Es war auch eine Motivation, sich ordentlich anzuziehen, ordentlich zu essen und den Gedanken zu haben, dass die Patienten einen brauchen. Und mir macht mein Beruf Spaß.“

„Sich auch mal was trauen“

Sie braucht die Kraft nicht nur für Marie, sondern auch für ihre zwei Söhne, den zwölfjährigen Elias und den 14-jährigen Luca. Wer die Familie erlebt – zwei Katzen und ein freundlicher wuscheliger Hund streichen noch durch die Wohnung – spürt keine Aura von Krankheit und Leid im Raum.

Ein oder zwei Mal bleibt Meike Wunder die Stimme weg, als sie von Momenten spricht, als alles auf sie hereinbrach. Ihr ist jedoch wichtig, anderen Mut zu machen und trotz Leben mit einem behinderten Kind sich auch etwas zu trauen: „Wir fahren immer wieder nach Griechenland in den Urlaub.“ Das Auto werde vollgepackt und dann gehe es ab in den Süden. Es sei eine wichtige Qualität für die ganze Familie, dort am Meer zu sein.

Lob für ein behindertenfreundliches Deutschland

Und sie ist auch dankbar dafür, wie behindertenfreundlich Deutschland ihrer Meinung nach ist. Denn in Griechenland hat sie beispielsweise erlebt, dass ein spastisches Kind aus Scham versteckt wurde. „Ich habe auch zehn Jahre für den Deutschen Sportbund gearbeitet und Rollstuhlsport betreut und war viel international unterwegs.“ Menschen mit Behinderung seien in vielen Ländern nicht gut versorgt, so ihre Erfahrung.

Darum ist sie auch dankbar für die Zuzahlung der Krankenkasse zu dem Treppenlift. 8000 Euro kostet das Gerät gebraucht. Und 4000 Euro kommen vom Lions Club. Der Kontakt kam über eine Patientin zustande. Sie sprach Meike Wunder auf das Projekt SAM – Soforthilfe, Achtsamkeit, Mitmenschlichkeit – an, das Familien von behinderten Kindern unterstützt.

Mehr zum Projekt SAM lesen Sie hier: Damit aus Krisen keine Katastrophen werden

Und das Kernteam von SAM, zu dem auch die Behindertenbeauftragte der Stadt, Barbara Juchem, und Lebenshilfe-Geschäftsführer Christoph Lauer gehören, entschieden, dass Meike Wunder die Spende bekommen soll. „Ich hab’ mich wahnsinnig darüber gefreut.“

Bald braucht es auch ein neues Fahrzeug

Als Physiotherapeutin weiß Meike Wunder, dass sie sich um technische Hilfsmittel bemühen muss, um gesund zu bleiben und sich weiter um ihre Tochter und ihre Söhne kümmern zu können. Irgendwann wird sie auch ihren Kleinbus austauschen müssen, denn in den Bus muss sie Marie immer noch heben, wichtig wäre ein Fahrzeug, in das sie ihre Tochter mit Rollstuhl schieben kann.

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