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Dießen

23.08.2019

Hundedrama: Werden in Dießen Giftköder ausgelegt?

Jack-Russel-Mischling Tonino kann schon wieder mit Maurzio (links) und Frederico Cornali im Garten spielen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ein Tierarzt hat in Dießen zwei Hunde behandelt, die Symptome einer Vergiftung hatten. Einer überlebte. Wir haben mit den Besitzern gesprochen.

Der Jack-Russel-Mischling Tonino aus Dießen kann ab sofort zweimal im Jahr Geburtstag feiern. Denn der ein Jahr alte Hund hat Anfang der Woche eine Vergiftung überstanden. Ein Artgenosse hatte weniger Glück. Treibt ein Hundehasser in Dießen sein Unwesen?

„Tonino geht es schon wieder ganz gut“, freut sich seine Besitzerin Dr. Bettina Brincker aus Dießen. Ihr kleiner Liebling ist schon wieder so fit, dass sein Frauchen sogar für ein paar Tage wegfahren kann. Für einen Terrier mit ähnlichen Symptomen konnte der Tierarzt aber nichts mehr machen.

Bei Facebook teilen derweil besorgte Hundebesitzer eine Warnung, dass in den Dießener Seeanlagen „anscheinend Giftköder oder Ähnliches“ ausgelegt seien. „Ein Hund ist bereits letzte Woche gestorben, ein weiterer wurde gestern vergiftet und hat nur mit viel Glück überlebt“, heißt es in dem Post. Der, der mit viel Glück überlebt hat, ist Tonino. Ihm konnte der Dießener Tierarzt Michael Rattenhuber tatsächlich helfen, als ihn sein Frauchen mit Vergiftungs-Symptomen in die Praxis brachte.

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Giftköder-Verdacht: Im Wald und in den Seeanlagen spazieren gegangen

Am Telefon erinnert sich die 47-Jährige im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt, dass sie am Unglückstag am Morgen mit Tonino im Wald bei Riederau spazieren gegangen sei und etwa zwei Stunden später noch einmal mit ihm in den Dießener Seeanlagen unterwegs war. Kurz darauf hätten sich die ersten Vergiftungs-Symptome gezeigt. „Tonino hat erbrochen und stark gezittert. Es hat ihm die Hinterbeine weggezogen und er hatte neurologische Ausfälle.“ Was das bedeutet, war Brincker, die selbst Tierärztin ist und im medizinisch-journalistischen Bereich arbeitet, sofort klar. „Das waren Vergiftungserscheinungen.“ Schnell wurde Tonino in die Praxis von Michael Rattenhuber gebracht. Dort bekam der Hund Infusionen und ein Mittel gegen die starken Krämpfe. „Mehr kann man in dem Moment nicht tun. Nur hoffen und warten, dass er es alleine schafft“, so Brincker.

Tonino hat es geschafft und ist jetzt wieder zu Hause. Irgendwann steht für den kleinen Hund dann noch eine Leber-Kontrolluntersuchung an. Welcher Art die Vergiftung war, das könne sie nicht sagen, erklärt Brincker. Auch nicht, wo Tonino möglicherweise die giftige Substanz aufgenommen hat. Sicher sei nur, dass Tonino kein Rattengift gefressen hat. „Das muss ein starkes Nervengift gewesen sein“, ist sich die Dießenerin sicher. Bei einer Vergiftung mit Rattengift hätte ihr Hund innere Blutungen gehabt, erklärt Brincker weiter.

Krampfanfälle und Erbrechen: Giftköder in Dießen?

Ihr Mann Maurizio Cornali, ebenfalls Tierarzt, könne sich durchaus vorstellen, dass Tonino Schneckenkorn gefressen hat. Auch an einen Schlangenbiss beim Spaziergang im Wald haben die beiden Hundebesitzer gedacht. „Aber wir haben am ganzen Körper keine Bisswunde gefunden“, sagt die Hundehalterin. Auch einen epileptischen Anfall, den das ein Jahr alte Tier gehabt haben könnte, schließen sie aus. So wie Toninos Besitzer kann auch Tierarzt Michael Rattenhuber nicht mit Sicherheit sagen, mit was sich der Jack-Russel-Mischling wirklich vergiftet hat. Aber er konnte dem kleinen Kerl zumindest das Leben retten.

Für einen Terrier, der nach seinen Angaben vor etwa drei Wochen ebenfalls mit Vergiftungserscheinungen in seine Praxis kam, konnte der Dießener Tierarzt nichts mehr tun. „Beide Hunde wurden mit Krampfanfällen und Erbrechen zu mir gebracht“, erinnert sich Rattenhuber. Ob der Terrier tatsächlich Opfer einer Vergiftung wurde, könne er aber nicht mit Sicherheit sagen. „Ich wollte das Tier in die Pathologie bringen lassen, um die genaue Ursache aufzuklären, das wollte seine Besitzerin aber nicht“, so Rattenhuber. Sicher wisse er allerdings auf Nachfrage bei der Hundehalterin, dass der Terrier sich nicht in den Dießener Seeanlagen aufgehalten habe.

Bei der Dießener Polizei sind keine Hinweise eingegangen, dass es in den Seeanlagen Giftköder gebe, auch hat sich dort niemand wegen eines vergifteten Hundes gemeldet, sagt Alfred Ziegler, der Leiter der Polizeiinspektion Dießen auf Nachfrage unserer Redaktion.

Noch keine Anzeige erstattet

Auch die Besitzer von Tonino haben keine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. „Wir sind ja nicht sicher, ob ein ausgelegter Köder die Ursache für die Vergiftung war“, begründet Bettina Brincker. Anderen Hundebesitzern gibt sie für den Fall, dass bei ihrem geliebten Vierbeiner Anzeichen einer Vergiftung auftreten, folgenden Rat: sofort zu einem Tierarzt zu fahren. „Mehr können wir Menschen leider nicht tun.“ Vorbeugend bleibt nur, die Augen offen zu halten beim Spaziergang und genau zu beobachten, wo und an was der Hund herumschnüffelt. „Was aber nicht immer ganz einfach ist“, ergänzt Brincker.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Giftköder: Ein Albtraum für Hundehalter

In Landsberg waren Giftköder im April 2014 ein großes Thema: Landwirt legt Giftköder aus und warnt Hundebesitzer

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.08.2019

Kann es sein, dass sich auch Blaualgen gebildet haben, wie am Mandichosee bei Augsburg? Sie sind für Hunde äußerst giftig.

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