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Kaufering

31.07.2020

Kaufering: Der Herr der Zahlen nimmt Abschied

Winfried Plaß hat heute seinen letzten Arbeitstag als Kämmerer in Kaufering. Sein Nachfolger Christoph Echter ist seit vergangenen Oktober da.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Kämmerer Winfried Plaß arbeitet seit 35 Jahren für Kaufering. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Der 63-Jährige hat schwierige Zeiten und fünf Bürgermeister erlebt.

Heute wird Kauferings Kämmerer Winfried Plaß nach 35 Jahren das letzte Mal an seinem Schreibtisch Platz nehmen. Viele Jahre arbeitete er als Geschäftsstellenleiter und Kämmerer an der Entwicklung der Marktgemeinde mit. Er hat mit fünf Bürgermeistern zusammengearbeitet während dieser Zeit.

Ihn freut, dass in dieser Zeit „kein Berliner Flughafen“ die Gemeindekasse belastet hat, also ein Projekt, das finanziell völlig aus dem Ruder gelaufen ist. „Wir hatten sehr schwierige Jahre. Ich denke da vor allem an 2004 und 2008, als die schlechte konjunkturelle Lage sich stark bemerkbar gemacht hat.“ 2004 musste Kaufering 300000 Euro aus dem Vermögens- in den Verwaltungshaushalt überführen, um die laufenden Kosten stemmen zu können. Ziel der Gemeinden sollte es sein, dass jedes Jahr dem Vermögenshaushalt Geld zugeführt wird.

Am Samstag hat er Geburtstag

Eingestellt hat Plaß, der am morgigen Samstag 64 Jahre alt wird, der frühere Kauferinger Bürgermeister Fritz Jung. Plaß nutzte die Gelegenheit, vom Landratsamt Landsberg in seine Heimatgemeinde zurückzukehren, und übernahm zunächst bis 1996 die Aufgabe des Geschäftsstellenleiters. „Fritz Jung war ein Diplomat. Er hat die Verwaltung gelenkt und gesteuert, aber den Mitarbeitern viel Vertrauen entgegengebracht und Freiheit gelassen.“ Ähnlich sei die Situation auch bei Erich Püttner und Bärbel Wagener-Bühler gewesen, weil beiden die kommunalpolitische Vorerfahrung gefehlt habe, als sie ins Amt kamen. „Da war natürlich in erster Linie der Geschäftsstellenleiter gefordert.“ Zu dem Zeitpunkt war Plaß aber schon Kämmerer.

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Er entschloss sich mit 37, noch ein Abendstudium der Betriebswirtschaftslehre aufzunehmen, das er mit 40 Jahren erfolgreich abschloss. „Das ging natürlich nur, weil ich zu dem Zeitpunkt noch keine Kinder hatte“, sagt der dreifache Vater. Zwei Kinder studieren derzeit und eines besucht die Fachoberschule. 1996 wechselte er dann in die Kämmerei und war zeitweise auch Leiter der Kommunalwerke. Die Aufgabe gab er aber wieder ab, als Kaufering im Bereich der Nahwärme expandierte.

Zuletzt wurde die Wunschliste viel länger

Die meiste Zeit arbeitete der Kämmerer unter Klaus Bühler – Bürgermeister von 1987 bis 2012. Er bescheinigt Bühler, dass dieser sich „sehr intensiv“ in die Haushaltsberatungen eingebracht habe und dessen Vorstellungen einflossen. „Projekte, die ihm wichtig waren, beispielsweise der Seniorenstift, hat er so eingepackt und im Marktgemeinderat präsentiert, dass zugestimmt wurde.“ Insgesamt sei die Wunschliste an zu finanzierenden Projekten früher kürzer gewesen, sagt er. „Das hat sich vor allem in den vergangenen acht Jahren geändert“, so der Kämmerer.

Auf die Frage, ob er nicht verzweifelte, wenn er die Finanzlage der Kommune mit den Wünschen zusammenbringen sollte, antwortet Plaß salomonisch: „Es war nicht meine Aufgabe, Dinge zu bewerten oder eine Prioritätenliste zu erstellen. Man kann Projekte im Finanzplan ja auch über mehrere Jahre verteilen.“ Und dann waren da noch die vielen Haushaltsberatungen über die Jahre, in denen vor allem Hans-Jörg Pilz (Grüne) – er gehörte dem Rat bis April dieses Jahres an – bei vielen Einzelpunkten nachhakte, auch wenn es um kleine Summen ging. „Ich bin ein Verwaltungsmensch. Ich nehme das zur Kenntnis. Wir haben uns in der Sache auseinandergesetzt“, sagt Plaß und lobt Pilz sogar. „Man kann nicht abstreiten, dass er sich mit den Themen beschäftigt hat. Er kam auch ins Büro und hat sich etwas auf kurzem Weg erklären lassen.“

Erklären muss der 63-Jährige zumindest in der Verwaltung und dem Marktgemeinderat ab morgen niemandem mehr etwas. Die zusätzliche Freizeit will er unter anderem fürs Radfahren und Wandern nutzen. Beides sei aber ein Hobby, sportliche Ambitionen habe er nicht. Das Amt des Kämmerers führt Christoph Echter (37) weiter, der bereits im vergangenen Oktober von der Verwaltungsgemeinschaft Buchloe nach Kaufering wechselte und dessen Schreibtisch sich bislang bei der Kasse befand. Er wechselt nun ins Büro von Plaß. Der verheiratete Diplom-Verwaltungswirt ist dankbar, dass er mehrere Monate mit seinem Vorgänger zusammenarbeiten durfte. „Natürlich sind die gesetzlichen Grundlagen überall in Bayern gleich, aber jede Gemeinde hat ihre Besonderheiten und die konnte ich so gut kennenlernen.“

Nachfolger erstellte schon den Haushalt 2020

Echter war es auch überlassen, den Haushalt 2020 aufzustellen, der noch vor der Corona-Krise verabschiedet wurde. „So wie es aussieht, kommen wir aber mit einem blauen Auge durch die Krise.“ Und beim aktuellen Bürgermeister Thomas Salzberger hat der neue Kämmerer auch einen guten Stand. „Er hat uns als Einziger in den Bewerbungsgesprächen überzeugt, was die Fachkompetenz angeht und die Frage, wie er zu unserem Team passt. Und der Eindruck hat sich bestätigt.“

Lesen Sie dazu auch: Kaufering: Das Personalkarussell dreht sich weiter

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