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Landsberg

16.07.2020

Landsberg: Mann muss wegen falscher Verdächtigung in Haft

Das Amtsgericht in der Lechstraße in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Plus Ein 26-Jähriger erstattet bei der Landsberger Polizei Anzeige. Am Ende sitzt er selbst auf der Anklagebank.

Der schon einige Zeit schwelende Streit zwischen einem 27-jährigen Vermieter einer Wohnung und einem 26-jährigen Untermieter eskalierte Ende September 2019 vor einem Supermarkt in der Iglinger Straße in Landsberg: Der Jüngere soll gemäß der Anklage vor Gericht den anderen Mann zu Boden gestoßen, mit dem Knie gegen den Kopf getreten und seinen Kopf in beide Hände genommen und auf den Boden geschlagen haben. Jetzt wurde darüber vor dem Landsberger Amtsgericht verhandelt.

Größere Verletzungen erlitt keiner der beiden. Dies war dem beherzten Dazwischengehen eines 41-Jährigen zu verdanken. Er war wohl der einzige von vier Zeugen, der die tätliche Auseinandersetzung vor Ort miterlebt hatte. Richter Michael Eberle bedankte sich bei dem Mann im Gerichtssaal für sein forsches Eingreifen. Den 26-jährigen Angeklagten schickte der Vorsitzende wegen Körperverletzung und falscher Verdächtigung wider besseres Wissen hinter Schloss und Riegel.

Mit einer Waffe bedroht?

Er war wenige Stunden nach dem handgreiflichen Vorfall zur Polizeiinspektion gekommen. Er soll, so die Anklageschrift, gegen den 27-Jährigen Anzeige wegen Bedrohung und Körperverletzung gestellt haben. Gegenüber den Beamten führte er ins Feld, dass ihn sein ehemaliger Vermieter vor einigen Monaten in seiner Wohnung mit einer Waffe bedroht haben soll. Auch bei dem handfesten Streit am Nachmittag habe ihn der ehemalige Vermieter mit einer Waffe bedroht und vor dem Supermarkt geschubst, so seine weiteren Angaben.

Landsberg: Mann muss wegen falscher Verdächtigung in Haft

Mit dieser Mär räumte ein 41-jähriger Augenzeuge rundum auf. Nach seinen Worten habe er gesehen, dass der Angeklagte auf dem anderen Mann gelegen sei und mit der Faust gegen seinen Kopf geschlagen habe. Durch die Abwehr mit Armen und Händen habe der Geschädigte bei der Prügelei Schlimmeres verhindern können, wurde bekannt. Lediglich im Brustbereich habe er anderthalb Wochen Schmerzen verspürt, berichtete der 27-jährige Mann. Als Angehöriger der Bundeswehr habe den Geschädigten die „falsche Verdächtigung“, wonach er den Angeklagten zwei Mal mit einer Waffe bedroht haben soll, sehr verunsichert, stellte Richter Eberle fest.

Schreckschusspistole in der Wohnung

Dies hatte zur Folge, dass die Wohnung des Mannes durchsucht wurde. Dabei wurde tatsächlich eine Waffe gefunden: Es war eine Schreckschusspistole, die er gemäß seiner beruflichen Funktion zu Hause haben, aber nicht außer Haus mitnehmen durfte. Diese Pistole war dem Angeklagten ein Mal in der Gemeinschaftsküche des Mietshauses gezeigt worden.

Das letzte große Hin und Her zwischen den beiden Männern hatte es wegen der Kündigung seiner Wohnung gegeben: Vor allem wegen der Auflagen, die nach Meinung des Vermieters nicht erfüllt worden waren. Der Angeklagte sah das nicht so. Bekannt wurde, dass er die beiden Straftaten unter einer „offenen Bewährung“ begangen hat, die erst im Dezember 2019 ausgelaufen war. Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge waren ihm zum Verhängnis geworden. Aus diesem Grund gibt es keine Bewährung mehr, sondern acht Monate Haft.

Verteidiger plädiert für Bewährungsstrafe

Damit war auch Staatsanwältin Yvonne Möller einverstanden. Sie sprach beim Angeklagten von einem Teilgeständnis. Dem widersprach Rechtsanwalt Patrick Freutsmiedl. Sein Mandant habe die ihm zur Last gelegten Taten in vollem Umfang eingeräumt, sagte er. Der Anwalt plädierte für eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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