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Landsberg

28.08.2020

Lehrstellen: Maurer sind im Landkreis Landsberg weiterhin gesucht

Maximilian Knoller fängt zum 1. September eine Maurerlehre bei der Firma Urban Weber Bau an. Dort ist er bisher bereits beschäftigt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am 1. September beginnt das neue Lehrjahr. Viele Betriebe suchen noch Azubis. Wie sich die Zahlen auf dem Lehrstellenmarkt inmitten der Corona-Krise im Landkreis Landsberg entwickeln.

Maximilian Knoller arbeitet bereits bei der Firma Urban Weber Bau. Künftig wird er bei der Uttinger Firma eine Ausbildung zum Maurer machen. Externe Bewerber gab es keine. Auch bei der Firma von Norbert Kees, dem Obermeister der Bauinnung im Landkreis Landsberg, wurde heuer keiner vorstellig, der diesen Beruf erlernen will. Wie stark ist der Bewerbermangel im Landkreis Landsberg? Wir haben uns vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr umgehört.

Wie viele Betriebe noch Auszubildende suchen, dazu gibt es erst am Dienstag, dem Beginn des Ausbildungsjahres, Zahlen von der Agentur für Arbeit. Und auch wenn bereits mehr Ausbildungsverträge im Baugewerbe abgeschlossen wurden als im vergangenen Jahr, werden noch Auszubildende gesucht: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) teilte kürzlich in einem Pressetext mit, dass im Juli 68 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt geblieben seien und zum damaligen Zeitpunkt von 40 ausgeschriebenen Plätzen im Landkreis noch 27 zu besetzen seien.

Keiner hat sich beworben

Obermeister Norbert Kees hatte heuer zwei Ausbildungsplätze zu vergeben, „es hat sich keiner beworben“ – obwohl Maurer ein gut bezahlter Ausbildungsberuf sei. Mittlerweile fehlten auch die Geflüchteten, die nach 2015 zur Ausbildung in Handwerksbetriebe gingen. Im Kosovo habe man gemeinsam mit den Heimerer-Schulen eine Berufsschule aufgebaut, doch die jungen Leute, dürften wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht kommen. „Dort werden seit einem Jahr Maurer ausgebildet.“ Und dass die Landsberger Ausbildungsmesse im September nicht abgehalten werden kann, „das tut uns weh“.

Auch bei Urban Weber Bau in Utting hat sich heuer niemand für die Lehrstelle als Maurer beworben. Der Beruf sei gesellschaftlich nicht so anerkannt, glaubt Geschäftsführer Moritz Weber – trotz guter Bezahlung der Azubis und interessanten Aufgaben. Die Firma hat nun doch einen Lehrling: Maximilian Knoller, der schon im Betrieb mitgearbeitet hatte, habe sich entschlossen, eine Lehre zu machen. Bei der Landsberger Baufirma Assner setzt man auf Öffentlichkeitsarbeit. Elke Maria Seitz wurde für den Bereich Ausbildung engagiert. Sie habe auch junge Leute, die schon Azubis seien, stark eingebunden, erzählt sie. Geworben werde auch über soziale Netzwerke. Und so konnten sechs Ausbildungsstellen unterschiedlicher Bauberufe besetzt werden.

Insgesamt gibt es heuer im Handwerk und auch in Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe mehr Ausbildungsverhältnisse als im vergangenen Jahr
Bild: Stratenschulte/dpa

Insgesamt gibt es heuer im Landkreis mehr Ausbildungsverhältnisse als 2019. Wie die Handwerkskammer für München und Oberbayern mitteilt, starten am 1. September im Landkreis 200 Azubis ins beginnende Lehrjahr, 2019 waren es 190. Wie sieht es nun im Baugewerbe aus? Den Zahlen der Handwerkskammer nach gab es eine Zunahme: Bei den Maurern und Betonbauern gibt es heuer 16 Auszubildende (zwölf in 2019), bei den Anlagenmechanikern sind es sogar 23 statt neun und bei den Schreinern 17 statt sieben. Andere Bereiche stagnieren – wie Friseure mit sieben Ausbildungsverträgen – und bei den Kraftfahrzeugtechnikern gibt es sogar einen Rückgang von 29 auf 27.

Die Rückmeldung aus den Betrieben sei positiv, berichtet Kreishandwerksmeister Markus Wasserle dem LT. Er sieht die Corona-Krise für die Wahrnehmung der Handwerksberufe durchaus als Chance. Denn sie böten Beständigkeit, Verlässlichkeit und Krisensicherheit und beispielsweise einen wohnortnahen Arbeitsplatz.

Die Ausbildungsmessen fehlen

Gegenüber großen Industriebetrieben hätten Handwerksbetriebe jedoch oft den Nachteil, weniger sichtbar zu sein. Und in Zeiten von Corona fehlten die Präsentationsmöglichkeiten wie beispielsweise Ausbildungsmessen oder auch Schulpraktika. Markus Wasserle rät Eltern und Jugendlichen dazu, Betriebe im eigenen Ort aufzusuchen und nach einem Praktikumsplatz zu fragen. Insgesamt ist Wasserle sehr zuversichtlich, „dass das Handwerk gut aus der Krise herauskommt“. Die meisten Lehrverträge im Handwerk wurden im Landkreis in diesem Jahr bislang in den Berufen Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Schreiner geschlossen.

Ein positives Beispiel im Industriebereich ist die Firma Delo in Schöffelding: Dort werden nächste Woche 15 neue Auszubildende einsteigen: drei Industriekaufleute, drei Chemielaboranten, ein Industriemechaniker, zwei Werkstoffprüfer, eine Fachkraft für Lagerlogistik, zwei Mediengestalterinnen und drei Fachinformatik-Azubis. „Insgesamt bilden wir damit dann 40 Azubis aus“, so Pressesprecherin Eleni Schlossnikel. Und für 2021 würden trotz Corona-Pandemie 21 Ausbildungsstellen ausgeschrieben.

Auch bei Industrie, Handel und Dienstleistung gibt es eine Steigerung

Bei den IHK-Ausbildungsberufen (Industrie, Handel und Dienstleistungen) beginnen Anfang September 329 junge Erwachsene eine Ausbildung im Landkreis. Das ist laut Industrie- und Handelskammer ein leichtes Plus von 0,9 Prozent. Durch den Stillstand in den Unternehmen während des Lockdowns hätten sich viele Vertragsabschlüsse nach hinten verschoben, so der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Reinhard Häckl. Gleichzeitig suchten zahlreiche Betriebe weiterhin Azubis. Häckl: „Grundsätzlich ist der Start in eine Ausbildung in Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb das ganze Jahr über möglich.“ Darauf verweist auch Kreishandwerksmeister Markus Wasserle und kündigt Unterstützung bei der Vermittlung an.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ein Beruf, auf den man bauen kann

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