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Landsberg

14.05.2019

"Lifeline"-Kapitän Reisch will Geldstrafe nicht akzeptieren

Der Landsberger „Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch musste sich auf Malta vor Gericht verantworten.
Bild: Matthias Balk (dpa)

Der Landsberger "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch wurde auf Malta verurteilt und will Berufung einlegen. Das Urteil sei "an den Haaren herbeigezogen".

Im Prozess gegen den Landsberger Kapitän eines Migranten-Rettungsschiffes der Hilfsorganisation Mission Lifeline ist auf Malta das Urteil gefallen. Claus-Peter Reisch aus Landsberg am Lech wurde vorgeworfen, vergangenen Sommer ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben. Nun ist er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Reisch muss demnach 10.000 Euro an Hilfsorganisationen bezahlen. Zu einer Gefängnisstrafe wurde Reisch nicht verurteilt, teilte die Hilfsorganisation Mission Lifeline mit.

"Lifeline"-Kapitän Reisch rettete 230 Flüchtlinge

Reisch hatte im Juni 2018 mit dem Schiff "Lifeline" vor Libyen rund 230 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet. Tagelang wurde das Schiff blockiert, das unter niederländischer Flagge fuhr. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Reisch wurde anschließend vorgeworfen, ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben.

Deswegen wurde dem 58-Jährigen seit dem vergangenen Juli in Valetta der Prozess gemacht. Dieser endete jetzt mit einer Geldstrafe. Am Dienstag um 10 Uhr – eine Stunde früher als zunächst vom Gericht angekündigt – wurde das Urteil gesprochen. Akzeptieren will Reisch die Entscheidung nicht. Aus Valletta berichtete er, dass der Richter zwar einerseits erklärt habe, dass „die Rettung von Menschenleben kein Verbrechen“ sei, die Strafe beziehe sich nur auf, wie Reisch sagt, „angebliche nicht richtige Registrierung des Schiffes“. Diesen Vorwurf bestreitet der Landsberger weiterhin. Die „Lifeline“ sei genau so schon vom Voreigentümer, einer anderen Nichtregierungsorganisation namens Sea Watch, registriert worden und eineinhalb Jahre im Mittelmeer unterwegs gewesen.

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Reisch will gegen Urteil Berufung einlegen

Deshalb werde gegen das Urteil Berufung eingelegt. Ums Geld gehe es ihm nicht, die 10.000 Euro Strafe entsprächen bei rund 450 mit der „Lifeline“ geretteten Flüchtlingen gerade mal 22,22 Euro pro Menschenleben. Reisch geht es um etwas anderes: „Das Urteil ist an den Haaren herbeigezogen, es ging für meine Begriffe dem Gericht darum, Seenotrettern zu sagen, lasst die Finger davon, ihr könnte auch damit die Finger verbrennen.“

Wenn Reisch und die Lifeline-Organisation in Berufung gehen, wird das Schiff weiter in Malta im Hafen bleiben müssen und Geld kosten: Allein für die Instandhaltung fielen täglich 400 bis 500 Euro an Kosten an, sagt Reisch. Aber: Die Hilfsorganisation hat inzwischen ein neues Schiff gekauft, das in den Einsatz gehen soll. Wieder mit Claus-Peter Reisch als Kapitän? „Das kann gut passieren. In den nächsten Tagen wird entschieden, wer fährt. Vielleicht bin ich aber auch besser an Land aufgehoben, zum einen, um Spender zu motivieren, zum anderen um für Presse und Fernsehen zur Verfügung zu stehen“, sagt Reisch.

Die nächsten Tage wird sich Reisch eine kurze Auszeit nehmen: bei seinem eigenen Schiff in Sardinien, erzählt er. Voraussichtlich Ende des Monats werde er dann in Landsberg zurück sein. (mit dpa)

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15.05.2019

Nachdem die Frage gestellt wurde:
Evtl. sollte man darüber nachdenken, warum diese Menschen flüchten.
Stichworte: Waffenexporte, Wirtschaftsabkommen.
Zum Ersten:
So lange wir in die betreffenden Länder Waffen liefern und damit Kriege unterstützen, werden wir auch die Auswirkungen in Form von Flüchtlingen zu spüren bekommen. Und das zu Recht. Leider kommen aber immer noch zu viele Menschen um's Leben und jeder Einzelne ist zuviel.
Und wir Europäer, die wir uns doch immer die moralische Überlegenheit auf die Fahne schreiben sollten darüber nachdenken, wie wir diese moralische Überlegenheit begründen. Mit der Zusammenarbeit mit Diktatoren und Despoten vielleicht?
Zum Zweiten:
So lange wir mit den afrikanischen Ländern Abkommen schließen, in denen diese über den Tisch gezogen werden, wird die dortige Wirtschaft zwangsläufig zusammenbrechen. Ob Hühnchenteile oder Milchpulver und weiteres, auf unserer Seite subventioniert zerstört die dortige Wirtschaft.
Damit entstehen die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, die sich mit den Gegebenheiten abzufinden haben. Wirtschaftsflüchtlinge haben kein Recht auf Asyl nur ein Recht auf Sterben.
Bitte nach oben scrollen und den vorletzten Satz unter "Zum Ersten" lesen, der passt auch hier.

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14.05.2019

Armes Europa, wenn das Retten von Menschen bestraft wird! Das ist kein gerechtes, sondern ein politisches Urteil - mit dem Ziel, Seenotrettung weiter zu kriminalisieren. Da wird krampfhaft nach einem Grund gesucht (und sei es eine Kleinigkeit in der Schiffsregistrierung, wobei das Schiff zuvor mit der gleichen Registrierung lange seinen Dienst tat, ohne dass sich daran jemand gestört hätte, schon seltsam, oder?), um nur bloß die zivilen Seenotrettungsorganisationen weiter zu behindern. An den Außengrenzen Europas ertrinken derweil weiter Menschen auf der Flucht. Und mit jedem Ertrunkenen sterben auch die ehemals so hoch geschätzten europäischen Werte! Ich hoffe, dass Kapitän Reisch in Berufung geht, und dass dann ein gerechtes Urteil gesprochen wird.

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15.05.2019

"Armes Europa, wenn das Retten von Menschen bestraft wird"
.
Warum wird eigentlich von Leuten wie ihnen immer das "Retten" von Menschen automatisch mit dem Verbringen der Menschen nach Europa verbunden? Keiner in Deutschland kritisiert das Retten von Schiffbrüchigen! Kritisiert wird der anschließende Schiffstaxiverkehr nach Europa !!

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14.05.2019

Das Geld kann er ja dann direkt auf das Konto von "Seawatch" überweisen. Und die organisierte "Seenotrettung" kann weitergehen.

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