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30.01.2008

Mit jeder Menge heißer Luft Richtung Rom

Mehrmals hat Christoph Schönemann, seines Zeichens Ballonfahrer aus Leidenschaft, schon für Schlagzeilen gesorgt. Denn viele Male hat der 57-Jährige aus Pürgen bereits mit seinem Heißluftballon Rekordversuche gestartet. Am 18. Januar hat er es wieder getan.

Von Regina Hasler, Pürgen

Mehrmals hat Christoph Schönemann, seines Zeichens Ballonfahrer aus Leidenschaft, schon für Schlagzeilen gesorgt. Denn viele Male hat der 57-Jährige aus Pürgen bereits mit seinem Heißluftballon Rekordversuche gestartet.

Am 18. Januar hat er es wieder getan und bezeichnet den jüngsten Europarekordversuch mit seinem Sportballon als "recht abenteuerliche Sache" - eine, die nach einem brillanten Start und den besten Wind- und Wettervoraussetzungen vor einer Luftkontrollzone in Italien scheiterte und mit einer Bergung in schwierigem Gelände endete.

Dabei schien an diesem Tag alles perfekt zu sein, berichtet Christoph Schönemann: "Wir sind vor dem Prüfgremium in Suhl/Thüringen gestartet, alles wurde dokumentiert, um 9.40 Uhr sind mein Co-Pilot Michael Sommerhage aus Fulda und ich aufgestiegen, die deutsche Flugsicherung hat uns gleich die Freigabe gegeben." Und dann ging es im 3000-Kubikmeter-Heißluftballon Richtung Süden - Rom sollte das Ziel sein, was laut Schönemann europäischer Rekord gewesen wäre. Den schnellen Winden an diesem Tag war es zu verdanken, dass das Team im Luftschiff auf Höhe Nürnberg schon sage und schreibe 200 Stundenkilometer "drauf" hatte, wie der 57-jährige Pürgener begeistert berichtet: "Normalerweise", fügt er an, "sind zehn oder 15 Stundenkilometer üblich."

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Und es ging rasant weiter: Nach einer Stunde und 40 Minuten - wie auf dem sogenannten Barographen-Diagramm, das Schönemann ausgedruckt hat, zu sehen ist - fuhr der Ballon bereits über Ingolstadt. "Normalerweise", betont der Pürgener, "geht's so weit mit dem Sportballon gar nicht." Doch an diesem Tag schien alles zu gehen, das Wetter hatte sich auf Schönemanns Seite gestellt. Nach einer Stunde und 55 Minuten war bereits München erreicht, 20 Minuten später Salzburg. "Und nach zwei Stunden und 40 Minuten hatten wir tatsächlich die Alpen überquert und schon 430 Kilometer hinter uns", erzählt der gelernte Flugingenieur.

Bereits zu diesem Zeitpunkt waren zwei Rekorde erreicht: zum einen die besagte Schnelligkeit von 200 Stundenkilometern und zweitens eine Höhe von rund 8100 Metern kurz vor Salzburg. "Das war schon gewaltig. Die größte Höhe mit dem Ballon vorher waren 4000 Meter", sagt Schönemann und erklärt weiter: "Es ist äußerst schwierig, einen Heißluftballon in so großer Höhe zu halten. Heizt man, steigt der Ballon. Ist der Brenner aus, sinkt der Ballon." Ein Blick auf den Barographen beweist: Auf Höhe Salzburg hat das Team sichtbar eine Sekunde nicht aufgepasst - "und schon ist der Ballon 1000 Meter durchgefallen", so Christoph Schönemann.

Nach allen erfreulichen Höhepunkten, dem schwierigen Fahren in großer Höhe und der Notwendigkeit einer Sauerstoffdruckbeatmung die ganze Strecke über für die Piloten war die Enttäuschung sehr groß, als die Reise und damit der europäische Rekordversuch vor einer Luftkontrollzone in Italien jäh beendet wurde. "Die Italiener waren der Meinung, dass wir eine halbe Stunde warten müssten, um durch den Luftraum durchzukommen. Eine halbe Stunde warten geht aber natürlich mit dem Heißluftballon nicht - also mussten wir zwangsweise kurz vor Udine runter", berichtet Schönemann und kommt zu dem Ergebnis, dass in Europa wohl kein Rekord mehr gefahren werden könne. "Eben wegen dieser kritischen einzelnen Kontrollen, weil es trotz diplomatischer Bemühungen immer wieder Schwierigkeiten mit Überflugsgenehmigungen für bestimmte Bereiche gibt."

Am 18. Januar jedenfalls mussten Christoph Schönemann und sein Co-Pilot erst einmal aufgeben und nach insgesamt 530 Kilometern in schwierigem Gelände landen. "Um 14 Uhr legten wir eine kleine Berglandung hin, was in diesem Gebiet gar nicht einfach und ziemlich abenteuerlich war", so Schönemann. Und dann wurde es noch schwieriger, denn die italiensiche Bergwacht, die der 57-Jährige anfunkte, sprach kein Wort Englisch und die beiden Piloten kein Italienisch. "Alles zog sich hin. Und es wurde langsam, aber sicher dunkel."

Also wurde die österreichische Bergwacht informiert und alles in die Wege geleitet, "bis wir endlich gegen 18 Uhr den Berg runter geführt wurden." Nach der Übernachtung im Hotel ging's am nächsten Tag viel schneller: Mit dem Hubschrauber flog das Team zurück zum Ballon ins bergige Gebiet. "Das hat nur 20 Minuten gedauert", sagt Schönemann schmunzelnd.

Wieder zu Hause angekommen und trotz allem sehr stolz auf das Erreichte sagt er: "Man sollte erwägen, den europäischen Rekord in den USA zu fahren, dort gibt es weniger Probleme."

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