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Theaterleidenschaft

23.03.2015

Mörder, Kommissar, Landrat

Landrat Thomas Eichinger bei der Jakobsbühne im Landheim Schondorf: Er spielt den Kommissar Charles Baudin
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Landrat Thomas Eichinger bei der Jakobsbühne im Landheim Schondorf: Er spielt den Kommissar Charles Baudin
Bild: Thorsten Jordan

Landrat Thomas Eichinger steht gerne auf der Bühne. Fachgebiet: Krimi

Der Landsberger Landrat schafft es spielend, sich im Kreistag Gehör zu verschaffen. Denn er hat eine ganz besondere Gabe: Seine Stimme ist ruhig, unaufdringlich, aber so kraftvoll, dass man sofort zuhört, wenn er etwas sagt. Mit dieser Stimme könnte man nicht nur Politiker sein, sondern auch Schauspieler, und Thomas Eichinger verbindet beides. Sein Beruf ist Politiker, seine Leidenschaft gehört dem Theaterspielen.

Seit 1999 ist er auf der Theaterbühne zu sehen. „Angefangen hat alles bei den Aufführungen für das Kirchenfest in Schondorf, seitdem hat mich das Theaterfieber gepackt.“ Unter der Regie von Alex Dorow, Landtagsabgeordneter der CSU, macht er fast alle zwei Jahre ein Projekt. „Wir haben uns auf Krimis spezialisiert, das macht richtig Spaß und ist auch für Laien möglich zu spielen.“ Für ihn ist das Theater ein Ausgleich zur Politik. „Natürlich kostet das auch viel Zeit“, sagt der 40-Jährige, „aber ich kann dann doch nicht der Verlockung widerstehen, wenn mir eine tolle Rolle angeboten wird.“

Bei der Schondorfer Jakobsbühne ist er sehr gerne. „Wir haben eine gute Kameradschaft, es macht Spaß, jeder wird gleich behandelt, egal, ob er Landrat, Landtagsabgeordneter, Mitarbeiter beim Landratsamt oder was auch immer ist.“

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Früher habe er allerdings gar nicht gerne auf der Bühne gestanden. „Hätte man mir als Jugendlicher erzählt, ich muss Theater spielen, wäre ich schreiend weggelaufen.“ Doch heute sei er ein echter Theaterfan. Er habe kaum Lampenfieber, improvisiere gerne: „Allerdings ist das eher in der Politik gefragt, als auf der Theaterbühne“. Bislang habe er keine negativen Erfahrungen gemacht. „Ich werde oft von Landsbergern angesprochen, wenn ich gerade spiele, danach gerät das eher wieder in Vergessenheit. Aber die Kommentare sind sehr positiv, den Menschen gefällt das.“

Derzeit habe er im aktuellen Stück die Rolle des Kommissars „Aber ich habe auch schon mal den Mörder gespielt. Das war fordernd und sehr anstrengend.“ Bei dieser Inszenierung hab er die ganze Zeit so tun müssen, als sei er unschuldig, erst zum Schluss kam auf, wer der wahre Täter ist, das greife dann schon mal ins Leben über und sei psychisch sehr belastend. „Eine tolle Rolle“, sagt Eichinger. Auch in „8 Millionäre“ gibt es eine Überraschung zum Schluss. „Aber es ist in den acht Millionären eher eine kleiner Rolle, das ist auch meiner Tätigkeit als Landrat geschuldet“, erklärt Eichinger.

Kurz vor der Premiere sei er, wie so viele andere im Landkreis, krank geworden. „Die Grippe, keine leichte Geschichte, aber man muss ja spielen, das ist man den Kollegen schuldig.“

Seine Theatergruppe, die Schondorfer Jakobsbühne, ist eine Spielgruppe von „Theater Schondorf“ und hat sich durch die Inszenierungen von Alex Dorow inzwischen einen Namen gemacht als kleine, aber feine Kriminalbühne. Nur alle zwei Jahre führt die Gruppe um den ehemaligen Nachrichtensprecher und jetzigen Landtagsabgeordneten Alex Dorow ein Kriminalstück auf und besetzt damit eine Lücke in der ansonsten reichen Kulturszene rund um den Ammersee. Das Stück ist eine Kriminalkomödie, bei der bei aller Spannung auch ausgiebig gelacht werden darf.

„Wir bemühen uns, innerhalb der Krimiliteratur nicht ständig ein und dasselbe Genre zu bedienen – und nach zwei spannungsgeladenen Klassikern war es diesmal einfach Zeit für eine Krimikomödie“ sagt Regisseur Alex Dorow zur diesjährigen Produktion.

Ein halbes Jahr vor den Aufführungen beginnen die Proben für die Inszenierungen. „Wir treffen uns einmal wöchentlich, kurz vor den Vorstellungen wird dann meist ein ganzes Wochenende geprobt. Meine Frau ist davon unterschiedlich begeistert, aber sie kommt auch oft zu den Proben, um zuzuschauen.“ Heuer sei sie etwas seltener da gewesen. „Unserem zweijährigen Sohn ist bei den Proben zu laut. Ihm fehlt noch das Verständnis für die Theaterleidenschaft des Vaters.“

Eine Traumrolle, die hat der amtierende Landrat auch: Einmal den Faust zu spielen. „Damit hatten wir bei der Jakobsbühne schon mal begonnen, haben aber abgebrochen. Das ist für ein Laientheater einfach zu schwierig“, sagt Eichinger. Allerdings sei es eine Rolle, die ihn fasziniere und ein schönes Stück. „Wer weiß, vielleicht packen wir das ja noch mal an.“

Im Moment habe man aber durch die kriminalistischen Stücke eine Marktlücke entdeckt. „Das können wir mit unseren Schauspielern gut besetzen und das passt auch gut zu uns. Ich denke, auch die aktuelle Inszenierung ist gut gelungen und wir freuen uns schon alle, auch im Stadttheater in Landsberg auftreten zu dürfen“, sagt Eichinger.

Zu sehen ist „8 Millionäre“ am Mittwoch, 25. März, ab 20 Uhr im Stadttheater Landsberg und am Samstag, 18., (19.30 Uhr) und Sonntag, 19. April, (17 Uhr) im Wohnstift Augustinum. Kartenvorverkauf für Landsberg: Reisebüro Vivell oder unter der Telefonnummer 01728328649.

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