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Dießen

29.06.2017

Nicht nur Renke, sondern auch Gans?

Hat die Gänseplage am Ammersee wie hier in Utting zugenommen? Die Fischer sehen dies so und fordern wieder vom See aus jagen zu dürfen wie einst. Tradition ist wichtig, zum Fischerjahrtag marschierten sie mit restaurierter Fahne. Die Fischerei hat am See auch Zukunft: Vorsitzender Bernhard Ernst gratulierte Andreas Ernst, der jetzt Fischereimeister ist.
Bild: Stephanie Millonig

Die Genossenschaft bemüht sich erneut um die Jagd auf dem Ammersee. Es gehen wieder Renken über 200 Gramm ins Netz.

Die Renken wachsen wieder, und hinsichtlich der Jagd am Ammersee, die die Fischer gerne wieder übernehmen würden, soll es zumindest Gespräche geben: Der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Ammersee, Dr. Bernhard Ernst, zog beim traditionellen Fischerjahrtag Peter und Paul eine insgesamt positive Bilanz. Vor allem der Brotfisch am Ammersee wächst wieder. Ernst führt dies auf mehrere kleine Hochwasserereignisse im vergangenen Jahr zurück.

So sei man im August 2016 von den 32-Millimeter-Netzen auf die 35-Millimeter-Netze übergegangen. Das heißt, es wurden größere Fische aus dem See geholt, „über 200-Gramm-Renken“. 34 Tonnen Fisch, so hoch lag der Ertrag 2016, was für Ernst aktuell erfreulich ist. Er wies aber auch darauf hin, dass dies nicht mal 50 Prozent des Durchschnittsertrags sei, ziehe man die vergangenen 50 Jahre als Vergleich heran. Im Durchschnitt esse der Deutsche 1,5 Kilogramm Fisch, die Ammerseefischer könnten also rund 23000 Menschen versorgen. Dies entspricht laut Ernst den Einwohnern rund um den Ammersee, „und entspricht so auch der Forderung nach regionaler Versorgung“.

Wie heuer der Renkenertrag sein wird kann Ernst noch nicht sagen, obwohl auch einige Fischer im Juni schon die 35-Millimeter-Netze ausgebracht hätten. „Ich hab’s diese Woche getan und qualitativ gute Fische gefangen“, sagt er. Derzeit fände man die Renken jedoch vor Schondorf und für den Genossenschaftsvorsitzenden ist es kein gutes Zeichen, wenn die Tiere zwei Drittel des Sees nicht nutzten. „Wir bräuchten Niederschläge, dass von der Ammer ein Schub kommt.“ Die Trübung des Wassers stoppe das Wachstum der Blaualgen.

Der Fischereifachberater des Bezirks, Dr. Bernhard Gum, bestätigte mit statistischen Zahlen aus den Versuchfängen die Erfahrungen von Bernhard Ernst, dass 2016 und bis jetzt größere Renken im See zu finden sind. Bei dem Treffen ging es jedoch nicht nur um aktuelle Fangquoten, sondern auch um das Kulturgut Fischerei: Die Genossenschaft hat ihre Fahne von 1901 wieder herrichten lassen und Restaurator Christian Mack erläuterte die einzelnen Schritte.

Die Jagd auf dem See gehört für Bernhard Ernst auch zu dem Kulturgut Fischerei. Schon 1550 habe es Bestimmungen zur Vogeljagd durch die Fischer gegeben, so Ernst. Vor 2008 hatten die Fischer die Jagd inne, dann wurde sie an externe Jäger verpachtet und nun steht eine Neuverpachtung an. Die Fischer bemühen sich darum, sind aber nicht einverstanden mit den Vorgaben aus München: Knackpunkt wie schon 2008 sind Ruhezonen auf dem See. Für Ernst läuft dies darauf hinaus, dass der See nur vom Ufer aus bejagt werden kann. Und man könne keine 47 Quadratkilometer große Fläche nur vom Ufer aus bejagen – „der See wird dann faktisch nicht bejagt“.

Nach Ernsts Einschätzung belief sich der Abschuss von Gänsen, Enten und Möwen in den vergangenen Jahren auf höchstens zehn Prozent dessen, was die Ammerseefischer vor 2008 an Abschuss hatten. Für ihn ist eine erfolgreiche Jagd auf Wassergeflügel wichtig, um Schaden von Fischbestand und Fanggeräten und vom Schilf abzuhalten, aber auch aus hygienischen Gründen. Er sieht die zunehmende Problematik, dass Gänse Strandbäder verkoten oder auch das Aufkommen der Enten-Bilharziose als Folge der schwächeren Bejagung in der jüngsten Zeit. Bilharziose ist eine Parasitenerkrankung bei Wassergeflügel, bei der der Mensch manchmal als falscher Zwischenwirt befallen wird. Der Befall ist nicht gefährlich, sorgt aber bei Badenden für stark juckenden Ausschlag. Die Fischer beklagen auch, dass mit ihnen nicht gesprochen worden sei, sondern die Vorgaben als nicht verhandelbar vorgelegt worden seien. Kommende Woche soll es nun doch Gespräche geben: Bernhard Ernst, Herrschings Bürgermeister Chrisitan Schiller sowie Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer fahren nach München.

Wenn die Jagd wieder an die Fischer geht, gibt es sieben Mitglieder der Fischereigenossenschaft, die auch Jäger sind. Insgesamt hat die seit über 350 Jahren existierende Vereinigung 33 Mitglieder mit 23 aktiven Fischereirechten. Und es geht weiter bei den Ammerseefischern: Laut Bernhard Ernst gibt es einen Auszubildenden und mit Anreas Ernst aus Schondorf eine neuen Fischereimeister.

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