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Gasteigervilla

31.03.2015

Nicht nur die Blumenmalerin

Eine Landschaft aus dem Alpenvorland, gemalt von Anna Sophie Gasteiger wohl zwischen 1910 und 1915.
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Eine Landschaft aus dem Alpenvorland, gemalt von Anna Sophie Gasteiger wohl zwischen 1910 und 1915.
Bild: Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung

Sonderausstellung zeigt in diesem Jahr, wie sich Anna Sophie Gasteiger zwischen 1894 und 1918 in Kunstgewerbe und Malerei etabliert hat

Auch nach 20 Jahren bietet der Nachlass des Künstlerehepaars Gasteiger in Holzhausen immer noch neues bislang ungesehenes Anschauungsmaterial. Wenn am Ostersonntag, 5. April, die Museumssaison 2015 beginnt, zeigt die kleine Sonderausstellung im Atelier des Künstlerhauses, dass Anna Sophie Gasteiger (1877-1954) nicht nur die Blumenmalerin war, als die sie vor allem populär wurde. In ihrer Frühphase als Künstlerin war sie auch kunstgewerblich tätig. Außerdem wird ihre Entwicklung als Malerin zwischen 1894 bis 1918 dargestellt. Museumsreferent Dr. Thorsten Marr schilderte am Dienstag beim traditionellen Pressegespräch zur Saisoneröffnung den Werdegang der jungen Künstlerin.

Geboren wurde die Blumenmalerin als Anna Sophie Meyer in Lübeck. Ihre Familie besaß dort einen Holzindustriebetrieb. Die Familiensituation erinnert ein wenig an die der Manns oder der Buddenbrooks: Anna Sophies Vater starb vergleichsweise früh, dann übernahm zuerst die Mutter und dann Anna Sophies Bruder das Unternehmen, das nach dessen ebenfalls frühen Tod 1918 verkauft wurde. Ein Jahr nach dem Tod des Vaters heiratete Anna Sophie Meyer 1898 den Bildhauer Mathias Gasteiger (1871- 1934). Den hatte sie in der Malerschule auf Schloss Deutenhofen bei Dachau kennengelernt, die Gasteiger zusammen mit dem Maler Julius Exter führte. Die beiden Künstler zerstritten sich jedoch bald: Exter ging an den Chiemsee und die Gasteigers für ein halbes Jahr nach Paris. Nach ihrer Rückkehr, berichtet Marr, standen die jungen Eheleute ziemlich mittellos da, Schloss Deutenhofen wurde 1901 versteigert.

Allerdings ging es wirtschaftlich rasch bergauf: 1902 ließ sich Mathias Gasteiger mit Atelier und Ausstellungsraum in der Dantestraße am damals neuen Westfriedhof in München nieder und hatte mit Grabsteinen bald kommerziellen Erfolg. Bereits 1902 kauften die Gasteigers das Grundstück in Holzhausen, auf dem ab 1908 gebaut wurde – wobei wohl auch das Meyersche Vermögen auch einen Beitrag leistete: „Ich vermute, dass auch die Familie aus Lübeck geholfen haben muss, es gibt aber keine Unterlagen dazu“, erklärt Marr. Dass man aber auch auf das Fortkommen der Tochter geschaut hat, zeigen Briefe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Anna Sophie Gasteiger war damals dann schon eine etablierte Malerin; in einem Brief ermuntert ihre mit einem schlesischen Gutsbesitzer verheiratete Schwester sie nur weiter viel Gemälde zu produzieren, solange das Geschäft gut geht.

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Anna Sophie Gasteiger hatte bereits als Teenager zu malen begonnen. Die diesjährige Ausstellung in der Gasteigervilla erzählt diese Zeit nach und zeigt unter anderem eine 1894 gemalte Innenansicht einer Lübecker Kirche. Wahrscheinlich habe sich die junge Frau damit auch bei Kunstgewerbeschulen und privaten Malschulen beworben. Solche Institutionen stellten damals die einzige Möglichkeit für Frauen dar, sich künstlerisch ausbilden zu lassen, denn in der Akademie der Bildenden Künste waren Frauen erst ab 1918 zugelassen.

Für Künstlerinnen, erzählt Marr weiter, gab es nur zwei berufliche Perspektiven: Entweder als Kunstlehrerin oder als Kunstgewerblerin. Anna Sophie Gasteiger wählte die zweite Möglichkeit und fertigte Entwürfe für die Gestaltung von Fliesen, Tapeten und Heimtextilien, wie in der Ausstellung Fliesen der Sächsischen Ofen- und Schamottewarenfabrik E. Teichert, Meißen um 1900 zeigen. Skizzenbücher veranschaulichen, wie Blumen- und Pflanzendarstellungen zu den jugendstiltypischen Rapporten zusammengefügt wurden.

In den nachfolgenden Jahren widmete sich Anna Sophie Gasteiger aber verstärkt der Malerei, lernte die Mitglieder der „Scholle“ kennen und ließ sich von deren Malstil inspirieren. Ihr Pinselstrich wurde sicherer und die Farbintensität nahm zu, wie etwa der 1915 gemalte „Forellenteich“ zeigt, der den früheren naturalistischen Darstellungen von Landschaften im Alpenvorland mit klaren Linien und Konturen entrückt ist hin zum Farbexperiment.

Am Ende der Bilderreihe ist die kleine Ausstellung dann beim typisch Gasteigerschen Sujet angelangt, etwa in dem 1919 gefertigten Gemälde „Jasmin und Holzpuppe“.

Ansonsten erwartet den Besucher von Gasteigervilla und Landschaftspark wieder viel Blumenpracht. Kokardenblume, Sonnenhut und Montbretie wurden nachgepflanzt, berichtet Johann Hensel von der Ammersee-Verwaltung. Am schönsten blüht es laut Hensel übrigens im Mai, wenn die Zeit der zarten Frühlingsblüten ist, und im August, wenn sich die hochsommerliche Farbenpracht entfaltet.

Über 1400 Besucher zählte die Villa im vergangenen Jahr, 200 mehr als im Jahr zuvor. Das sind jeden Sonntag durchschnittlich 50 bis 60 Gäste. Zurückgefahren wird in diesem Jahr das Hochzeitsgeschäft. Weil eine Uttinger Standesbeamtin in Elternzeit ist, sind heuer nur 51 Trauungstermine vergeben worden. Für Uttinger Heiratswillige könnte aber noch der eine oder andere Termin vereinbart werden, deutete Standesbeamtin Claudia Maisterl an.

Öffnungszeiten Das Künstlerhaus ist vom 5. April bis 25. Oktober sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der das Jugendstil-Anwesen umgebende Landschaftspark ist ganzjährig zugänglich.

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