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Augsburg

19.04.2019

Prozess nach Beachparty: Wollte sie oder wollte sie nicht?

Beim Amtsgericht in Augsburg muss sich ein junger Mann aus dem Landkreis wegen Vergewaltigung verantworten.
Bild: Ulrich Wagner

Wurde eine junge Frau nach einer Beachparty im Landkreis Landsberg vergewaltigt? Das Gericht in Augsburg will mehr über die Spuren wissen.

Was stimmt, wer lügt? Hat sie sich so lange widersetzt, bis sie schließlich vergewaltigt worden ist? Oder kam es, wie er behauptet, zu einvernehmlichem Sex? Diese Frage hat jetzt das Augsburger Amtsgericht im Nachgang einer Beachparty im nördlichen Landkreis Landsberg zu klären.

Es war Anfang Juli 2018. Gemeinsam mit zwei Freundinnen ging dort auch die Geschädigte, eine heute 25-Jährige, zum Feiern. Während ihre Freundinnen anderweitig beschäftigt waren, saß die damalige Schülerin eine Weile allein auf einer Bierbank, wo sie der Angeklagte entdeckte. Der heute 27-Jährige holte zwei Bier, setzte sich zu ihr, man begann zu reden. Es folgten Händchenhalten und Küsse, dann fragte man sich nach den Namen.

Angebot abgelehnt

Und es folgte das Angebot von ihm an sie, mit ihr zu schlafen. Sie habe abgelehnt, so die Geschädigte und Nebenklägerin gegenüber Richterin Ulrike Ebel-Scheufele und den beiden Schöffen. Da er anbot, sie nach der Party heim zu fahren, setzte sich die Frau zu ihm ins Auto. Schon nach kurzer Fahrt hielt der 27-Jährige aber bei seiner Wohnung im nördlichen Landkreis an, er müsse auf Toilette. An diesem Punkt gehen die Aussage der Frau (und die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft) sowie die Schilderung des Mannes auseinander. Nach seiner Version seien beide hinauf in seine Wohnung im ersten Stock gegangen. Man habe sich geküsst, dann habe sie sich aufs Bett gelegt und man habe einvernehmlich miteinander Sex gehabt.

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Sie hingegen sagte vor Gericht aus, sie sei von dem Mann aus dem Auto in die Garageneinfahrt gezerrt worden. Dort habe er sie zu Boden gedrückt. Er habe ihr und sich die Hosen heruntergezogen und zu ihr gesagt, „das dauert nicht lang, das ist nicht schlimm.“ Sie habe protestiert, habe wegkriechen wollen, aber er habe nicht losgelassen und sich an ihr vergangen. Anschließend sei sie von ihm zurück ins Auto gezerrt worden. Die Nachbarin des Angeklagten sagte aus, sie habe rein gar nichts von den Vorkommnissen in jener Nacht gehört.

Gespräch aufgezeichnet

Nach der Version des Angeklagten sei er ihr nach dem Sex und einem Toilettengang hinunter in den Hof gefolgt. Er habe sie zu seinem Auto gebracht und sie nach Hause gefahren, es war wohl nach 4 Uhr morgens. Die gesamte Fahrt über hatte der Angeklagte im Auto sein Handy als Rekorder mitlaufen lassen und die Gespräche auf der Heimfahrt aufgezeichnet. Diese Aufnahme wurde vom Gericht angehört, sie gab eine weitgehend normale Konversation der beiden über eher Alltägliches wieder.

Als die 25-Jährige ausstieg, habe er „Servus“ gesagt und sei danach wieder nach Hause gefahren. Die verstörte Frau wurde von Passanten auf einer Treppe sitzend angetroffen, man lieh ihr ein Handy, sodass sie telefonieren konnte. Als sie von ihrem Vater abgeholt wurde, habe er bald bemerkt, dass mit seiner Tochter etwas nicht stimme, sagte der 51-jährige Zeuge. Schnell habe er den Verdacht auf eine Vergewaltigung erhärtet gesehen, so der Vater vor dem Gericht. Also brachte er seine Tochter ins Krankenhaus und rief die Polizei.

Tatverdächtiger in Untersuchungshaft

Auf eine Vergewaltigung deutende Verletzungen seien bei der Frau nicht gefunden worden, ihr Blutalkoholwert betrug rund 1,7 Promille, berichteten Polizisten dem Gericht. Weil sich die Frau an die Örtlichkeit erinnern konnte, fand die Polizei den tatverdächtigen 27-Jährigen. Er wurde verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Spurensicherung machte sich an die Arbeit. Dabei, so ein Kriminalbeamter, konnte man in der Wohnung des Angeklagten keine Spuren der Frau finden, weder auf der Bettwäsche noch (beispielsweise Haare) neben dem Bett. Man habe aber DNA-Spuren von ihr in der Garage sicherstellen können.

Insgesamt neun Zeugen vernahm das Gericht am ersten Prozesstag, neben der Geschädigten, ihrem Vater und der besten Freundin vor allem Polizisten und Kriminalbeamte. Schließlich waren sich das Gericht, Staatsanwältin Birgit Milzarek und Verteidiger Michael Bauer einig, dass man noch zwei Gutachter vom Landeskriminalamt wegen Faser- und DNA-Spuren direkt als Zeugen anhören möchte. Dafür wird der Prozess am Freitag, 26. April, um 10 Uhr fortgesetzt.

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