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Initiative

07.11.2016

Sie retten Lebensmittel

Franziska Brass.
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Franziska Brass.
Bild: Lena Zeller

Eva-Maria Zotter und Franziska Brass engagieren sich bei Foodsharing. Jetzt wollen sie Mitstreiter gewinnen.

Die Gurke im Kühlschrank sieht nicht mehr einwandfrei aus. Also ab damit in den Biomüll. War ja nicht teuer. Diese Gleichgültigkeit macht Eva-Maria Zotter und Franziska Brass fassungslos. Sie wollen Lebensmittel retten und engagieren sich beim Foodsharing. Über die gleichnamige Internetseite organisieren sich Lebensmittelretter, auch Foodsaver genannt, in ganz Deutschland. Ihnen geht es nicht darum zu tauschen, sondern den Überschuss umzuverteilen. Zotter und Brass wollen Foodsharing auch im Landkreis bekannt machen und haben am 19. November einen Stand am Landsberger Hauptplatz organisiert.

Das Prinzip von Foodsharing ist einfach. Alles, was übrig und nicht verdorben ist, wird auf der Internetseite von Lebensmittelteilern angeboten und kann dann von Lebensmittelrettern abgeholt werden. Unter den Rettern gibt es auch noch botschafter, die kleinere Betriebe ansprechen und die Abholung organisieren. Dabei sehen sie sich nicht als Konkurrenz zu den Tafeln. Die sammeln vorrangig für Bedürftige, Foodsharing will dagegen allen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit überschüssigen Lebensmitteln zu versorgen.

Eva-Maria Zotter hat vor etwa einem Jahr als Foodsaver in München angefangen. Sie wohnt in Schondorf und arbeitet in der Landeshauptstadt. Mittlerweile koordiniert sie für zwei Betriebe die Abholungen. Jetzt will sie als Botschafterin auch im Landkreis über das Projekt informieren und möglichst viele Mitstreiter finden. Franziska Brass ist eine davon. Die 25-Jährige stammt aus Apfeldorf und studiert in Freiburg Heilpädagogik. „Dort bin ich das erste Mal damit in Kontakt gekommen und einfach nur begeistert von diesem System“, sagt sie. Es sei einfach unglaublich, wie viele Lebensmittel dort ohne Foodsharing in die Tonne wandern würden. Sie hofft, auch etliche im Landkreis für die Sache begeistern zu können.

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Die Verschwendung von Lebensmitteln ist in Deutschland ein ernstes Problem. Knapp elf Millionen Tonnen verzehrbare Lebensmittel landen Jahr für Jahr im Abfall, der Hauptteil davon zu Hause. Wie die Universität Stuttgart herausgefunden hat, fallen durchschnittlich pro Person rund 80 Kilogramm im Jahr an. Die Bundesregierung will diese Menge bis 2030 halbieren. In Bayern hat Landwirtschaftsminister Helmut Brunner dafür eigens die Initiative „Wir retten Lebensmittel“ ins Leben gerufen.

Initiativen wie Foodsharing sollen dabei helfen, das Ziel der Bundesregierung zu erreichen. Doch die Lebensmittelretter haben es nicht leicht. In Berlin, wo die Lebensmittel in Kühlschränke, so genannte Fairteilern, gelegt werden, damit sich Nachbarn bedienen können, wurde die Lebensmittelaufsicht auf das Prozedere aufmerksam. Die Kühlschränke seien schmutzig und es komme zu grundlegenden Lebensmittelverstößen, bemängelten die Behörden. Eva-Maria Zotter kennt solche Probleme nicht. In München sei sie unter anderem für die Sauberkeit der Kühlschränke verantwortlich. Es gebe daher regelmäßige Putzdienste. Ansonsten handle jeder Foodsaver eigenverantwortlich. Wenn er der Ansicht ist, das Lebensmittel nicht mehr genießbar sind, dann sollten sie auch entsorgt werden.

Wie kann man die Foodsharing mitmachen. Dreh- und Angelpunkt ist die Internetplattform. Dort muss man sich registrieren, sagen Zotter und Brass. Nur so kann man als Privatperson Essenskörbe anbieten und abholen. Wer sich darüber hinaus als Foodsaver engagieren möchte, müsse sich eingehend mit den Verhaltensrichtlinien befassen und ein Quiz bestehen. Dann folge die Praxis. Bei drei Einführungsabholungen mit erfahrenen Foodsavern könne der Neuling seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen.

Eva-Maria Zotter und Franziska Brass wollen jetzt in Landsberg und Umgebung eine Untergruppe von Foodsavern ins Leben rufen. Ähnliche Gruppen gibt es bereits in Buchloe, Kempten oder Augsburg. „Wir brauchen an die 20 Personen um starten zu können“, sagt Zotter. Mit einem Infostand auf dem Wochenmarkt am Landsberger Hauptplatz wollen sie am Samstag, 19. November, von 9 bis 13 Uhr informieren und Fragen beantworten. Der Slogan von Foodsharing, „teile Lebensmittel anstatt sie wegzuwerfen“, wird an diesem Tag dann wohl öfter zu hören sein.

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