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Landsberg

22.06.2017

Überm Kochtopf hat es gefühlte 200 Grad

Ordentlich Dampf gibt es bei Stefanie Weiß, Caroline Maione und Tilo Möckel. Beim Küchenteam des Fischerwirts heißt es in diesen Tagen: Augen zu und durch.n der Küche beim Fischerwirt.
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Ordentlich Dampf gibt es bei Stefanie Weiß, Caroline Maione und Tilo Möckel. Beim Küchenteam des Fischerwirts heißt es in diesen Tagen: Augen zu und durch.n der Küche beim Fischerwirt.
Bild: Sandra Lutzenberger

Ohne Schwimmbad, Sonnencreme und große Hüte geht an diesen heißen Tagen gar nichts. Wie die Landsberger die Hitze halbwegs erträglich machen.

Sie dachte, sie wäre vorsichtig genug gewesen. Jetzt hat sie trotzdem einen Sonnenbrand. Andrea Görlß aus Landsberg geht zurzeit so früh wie möglich mit ihrem Hund raus und hält sich ansonsten lieber im Haus auf, wie die 54-Jährige im Gespräch mit dem LT erzählt. Denn: Es ist heiß, sehr heiß. Die Temperaturen klettern in dieser Woche täglich über die 30-Grad-Marke. Wir hörten uns in der Landsberger Innenstadt um, wie die Menschen nun mit der Hitzewelle umgehen und wie sie sich vor der Sonne schützen.

Andrea Görlß hat – bei aller Vorsicht – einen Fehler gemacht. Beziehungsweise eine Ausnahme. Denn obwohl sie zurzeit tagsüber lieber im Haus bleibt, zog es sie am Wochenende an den Ammersee. „Und auf meiner Bootstour über den See hätte ich mich besser eincremen sollen“, sagt sie schmunzelnd, als wir sie auf ihren Sonnenbrand ansprechen.

Diese Einsicht kann Apothekerin Caroline Schmid nur unterstreichen. Sie hat in der Landsberger Lechapotheke zurzeit täglich mit dem Thema Sonnenschutz zu tun. Zum Tag der Bundeswehr in Penzing beispielsweise stattete sie viele Besucher mit Sonnencreme der Lichtschutzfaktorstärke 50 aus. Schmid sagt: „Ausreichender Sonnenschutz ist sehr wichtig, etliche Menschen unterschätzen die Angriffslust der UV-Strahlen deutlich.“

Starker Sonnenschutz ist das eine, aber was kann man noch tun? Beim Bummel durch Landsberg sieht man überall tief ins Gesicht gezogene Sonnenhüte und Menschen mit möglichst leichter Kleidung. Wer nicht arbeiten muss, kann da wohl nur eines tun, um sich zu erfrischen: ins Wasser springen. Dass sich der Landkreis in der wohl heißesten Woche des Jahres befindet, nimmt auch Jürgen Aicher, Schwimmmeister des Landsberger Inselbads wahr: „Man merkt deutlich, dass mehr los ist als sonst, und auch die Mitarbeiter bekommen die aggressiven UV-Strahlen zu spüren.“ Opfer von Hitzschlägen seien bisher glücklicherweise nicht bekannt. „Dennoch ist zu beobachten, dass vor allem die Sonnenbrandrate bei Kindern ansteigt“, bemerkt Aicher und ergänzt: „Durch unsere Polaroid-Brillen, die wir wegen der Reflexion der UV-Strahlen im Wasser tragen, erkennt man das schon frühzeitig.“

Mit Yoga gegen die Hitze

Der angehenden Fachabiturientin Marie Steidl, 19 Jahre aus Landsberg, macht die Hitze ganz anders zu schaffen: „Die Konzentration schmilzt dabei wortwörtlich dahin“, sagt sie und lacht. „Ich lerne daher am liebsten frühmorgens. Auch eine kalte Dusche, reichlich Wasser und Yoga, besonders Atemübungen wie die Sitali-Übung, helfen gegen die Hitze“, verrät sie.

Wie es ist, in der prallen Sonne zu stehen, weiß Lukas Abstreiter nur zu gut. Am Infostand einer Tierschutzorganisation schützen ihn und seine Kollegen zwar ein Sonnenschirm, dennoch läuft das Wasser nicht nur den kleinen Brunnen am Hellmairplatz hinunter, vor dem sie stehen. „Ich halte mich so viel wie möglich im Schatten auf und darf zum Glück kurze Kleidung bei der Arbeit tragen“, sagt der 20-Jährige.

Davon können Stefanie Weiß, Tilo Möckel und Caroline Maione – das Küchenteam des Fischerwirts in Landsberg – nur träumen. Festes Schuhwerk und lange Hosen sind hier Vorschrift, zumindest zur Mittagszeit. „Abends tragen wir zwar unsere Dirndl“, räumt Erika Kristof, eine Servicekraft, ein, „diese sind aber auch bodenlang und lassen kaum Luft hindurch.“ Bis zu sechs Stunden stehen Stefanie Weiß und ihr Team abends in der Küche. „Augen zu und durch“, meint sie dazu, „hier hat es zwar gefühlte 200 Grad, aber ich starte immer mit dem Gedanken in den Tag, nach der Arbeit in den Lech hüpfen zu können.“

Die Sonne brennt uns auf den Pelz – auf den Hut gekommen sind daher viele Landsberger. „Der Bedarf ist beachtlich gestiegen“, sagt Petra Rösler, Inhaberin des Hutgeschäfts Merkle am Hauptplatz. Vor allem knautschbare Hüte aus Papier oder Stroh seien beliebt. Zum Schutz gegen die Sonne empfiehlt Rösler große Hutkrempen, „besonders für Menschen, die im Freien arbeiten“.

Vielleicht wäre Andrea Görlß mit so einem großen Sonnenhut auch der Sonnenbrand erspart geblieben, den sie sich auf dem Boot eingefangen hat.

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