Newsticker

Corona: 90 Prozent der Deutschen lehnen Demos gegen Corona-Maßnahmen ab
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Wahlkampf: Heftige Kritik an der Landsberger Mitte

Landsberg

29.01.2020

Wahlkampf: Heftige Kritik an der Landsberger Mitte

Die Wahlkampfbroschüre der Landsberger Mitte sorgt für Kritik.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die Landsberger Mitte zitiert in einer Wahlbroschüre Henry Ford. Der galt als Antisemit.

Der US-Amerikaner Henry Ford gründete 1903 nicht nur den Automobilhersteller Ford Motor Company und perfektionierte die Fließbandarbeit in seinem Unternehmen, er publizierte auch antisemitische Schriften und ist daher bis heute politisch umstritten. Ob die Landsberger Mitte daran gedacht hat, als sie für ihre Wahlkampfbroschüre ein Zitat des 1947 verstorbenen Unternehmers verwendet hat? Der Landsberger Raffael Sonnenschein spricht von einer Achtlosigkeit und bittet die Landsberger Mitte, sich „von diesem Brandstifter zu distanzieren“.

Die Wahlkampfwerbung der Landsberger Mitte lag in den vergangenen Tagen in vielen Briefkästen in Landsberg. Darin werden die Kandidaten der Gruppierung für den Stadtrat und die für sie wichtigen Themen vorgestellt. In der Broschüre findet sich auch folgendes Zitat von Henry Ford: „Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.“ Und daran nimmt Raffael Sonnenschein Anstoß.

Nähe zu den Nationalsozialisten

„Dass im Jahr 2020 Kommunalpolitiker in der ehemaligen ’Stadt der Jugend’ Henry Ford zitieren, der nachweislich den Reichsjugendführer Baldur von Schirach inspirierte und von Adolf Hitler in seinem Buch ’Mein Kampf’ (1. Auflage) als einziger ’ehrlicher’ Amerikaner zitiert wurde“, lasse ihn nur noch schaudern, schreibt Raffael Sonnenschein in einem offenen Brief. Aber: „Es liegt mir fern, den Politikern der Stadtratsfraktion persönlich Antisemitismus zu unterstellen.“ Die Nähe zu den Nationalsozialisten belegt auch die Tatsache, dass Henry Ford im Juli 1938 mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches ausgezeichnet wurde. Ford war der erste Amerikaner, dem diese Auszeichnung zuteilwurde.

Wahlkampf: Heftige Kritik an der Landsberger Mitte

Bedauern bei der Landsberger Mitte

Gegenüber unserer Zeitung äußert sich Hans-Jürgen Schulmeister für den Vorstand der Landsberger Mitte zu den Vorwürfen. Eine Arbeitsgruppe der Landsberger Mitte habe zu Jahresbeginn den Spruch ausgewählt. „Dabei war uns, wie auch den meisten heute lebenden Personen, Ford als Automarken-Gründer und sozialer, visionärer Unternehmer bekannt.“ Die Landsberger Mitte habe mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass Henry Ford in seinem späteren Leben als Herausgeber offenbar politisch nicht korrekt handelte.

„Dies ändert jedoch nichts an der Wahrheit der diversen klugen Zitate, die ihm als Automobil-Pionier zugeschrieben wurden und werden“, so Schulmeister in einer schriftlichen Stellungnahme. Ungeachtet dessen, wer diesen Satz als Erster gesagt haben möge, wolle die Landsberger Mitte weiterhin das neue Jahr nicht als Bremse, sondern als Motor benutzen – für Landsberg und seine Bürger.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

30.01.2020

Ich verstehe nicht, was diese Form des "Nitpicking" jetzt soll, in einem Land, wo jeder zehnte PKW ein Ford ist, wo Ford auf Platz vier der meistverkauften Autos steht. Auf Platz eins ist übrigens - mit doppelt so vielen Fahrzeugen - die Marke Volkswagen, deren Name direkt auf Adolf Hitler zurück geht. Vielleicht können sich die Kritiker mal zusammen setzen und ein Buch herausgeben mit Wörtern und Zitaten, die ein "sauberer" Deutscher noch benützen darf. Ich frage mich nur, welchen Nutzen so eine Sprachpolizei haben soll und wie das förderlich bei der Lösung der anstehenden Probleme sein kann.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren