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Kreis Landsberg

27.10.2015

Wie Integration gelingen kann

Organisiert von der Initiative „LandsbergLäuft“ durften gestern rund 90 Flüchtlinge im Landsberger Sportzentrum aufs Eis. Dabei nahmen viele die Hilfsmittel der Laufschule des HC Landsberg in Anspruch.
Bild: Julian Leitenstorfer

Flüchtlinge gingen gestern aufs Eis. Sie sollen sich zugehörig fühlen, sagen die Organisatoren.

Sie stehen noch sehr wacklig auf den Kufen. Von Schlittschuhlaufen kann noch keine Rede sein, es ist eher Schlittschuhgehen und immer wieder gibt es einen Sturz. Doch das ist egal. Die Kinder, jungen Frauen und Männer, die sich gestern in der Landsberger Eishalle erstmals aufs Eis gewagt haben, haben ihren Spaß. Sie lachen und strahlen. Die Initiative „LandsbergLäuft“ hat diese eineinhalb Stunden auf dem Eis für Flüchtlinge organisiert. Es ist ein Nachmittag, der das Interesse der Asylsuchenden an unserer Gesellschaft wecken soll. Eineinhalb Stunden Integration.

Doch wie steht es um die Integration der Flüchtlinge im Landkreis? Ehrenamtlich wird viel Arbeit geleistet, das erklären Kommunalpolitiker immer wieder. Der Kreisverband des Roten Kreuzes nennt 400 bis 450 Frauen und Männer, die sich aktuell engagieren – meist in der Betreuung. Das Erlernen der deutschen Sprache wird allgemein als Schlüssel zu einer gelungenen Integration gesehen. Sprachkurse, die mit einem Zertifikat abgeschlossen werden, gibt es noch zu wenig. Das sagt nicht nur Andreas Lehner, der Geschäftsführer des Roten Kreuzes.

Seit diesem Wochenende gelten neue Asylgesetze. Sie beinhalten auch bessere Integrationskurse für Flüchtlinge. Diese bestehen bislang aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs. Asylsuchende sollen die Sprache lernen, aber auch wie sie Anträge ausfüllen müssen und Wissenswertes über Geschichte, Kultur und Rechtsordnung in Deutschland. Wie der Staat den Landkreis bei den Integrationskursen unterstützen möchte, wissen die Mitarbeiter im Landratsamt noch nicht. „Wir warten auf den endgültigen Gesetzestext“, sagt Pressesprecher Wolfgang Müller. Notwendig wäre mehr finanzielle Hilfe bei Deutsch-, Integrations- und Alphabetisierungskursen, die von Bildungsträgern wie der Volkshochschule durchgeführt werden.

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Deutschunterricht bieten auch die Mitglieder der Initiative LandsbergLäuft an. Sie sind stark nachgefragt, sagt Organisator Raffael Sonnenschein. Innerhalb von nur acht Wochen sei es gelungen, über 75 engagierte Integrationshelfer zu gewinnen. Einige von ihnen waren gesten im Eisstadion dabei. Neben einigen Eishockeyspielern und Eiskunstläuferinnen des HC Landsberg begleiteten sie die Flüchtlinge übers Eis. Nicht nur der stellvertretende Landrätin Ulla Kurz, die ein Grußwort sprach, gefiefl die Aktion, an der 90 Asylsuchende und fast 50 ehrenamtliche Helfer teilnehmen.

Die Zugehörigkeit der Flüchtlinge vom ersten Tag an fördern, dieses Ziel hat Raffael Sonnenschein vor Augen. Dies könne mit einem kreativen und abwechslungsreichen Integrationsangebot sowie regelmäßiger Bildung und Beschäftigung gelingen. Als nächstes Etappenziel nennt er einen offenen „Hörsaal für Flüchtlinge“. Sonnenschein hält es für erstrebenswert, neben dem Unterricht, der derzeit teilweise in Kleingruppen sowie in einigen Klassen dezentral stattfindet, auch einen zentralen Ort des Kulturaustausches und der Begegnung zu schaffen. Wo dies angeboten werden kann, darüber könne gemeinsam mit Politik, Verwaltungen und Rotem Kreuz nachgedacht werden. „Wir brauchen einen runden Tisch.“

Das Ehrenamt stärken und fördern, ist für BRK-Geschäftsführer Andreas Lehner mit Blick auf die wachsenden Flüchtlingszahlen, wichtiger denn je. Wohl und Wehe in Sachen Integration hänge von den Ehrenamtlichen ab. Doch den freiwilligen Helfern muss seiner Meinung nach auch professionelles Personal zur Seite gestellt werden.

Im Landratsamt wurde noch nicht konkret über die Pläne der Initiative LandsbergLäuft gesprochen. Die Mitarbeiter des Sachgebiets Asyl sind laut Wolfgang Müller derzeit damit beschäftigt, Daten an das Bayerische Innenministerium zu liefern. Denn mit den neuen Asylgesetzen soll auch die Abschiebung von Asylsuchenden erleichtert werden. Innenminister Joachim Herrmann hat Landräte und Oberbürgermeister darum gebeten, die Ausländerbehörden mit Nachdruck dazu anzuhalten, abgelehnte ausreisepflichtige Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten vorrangig zu melden. Darüber hinaus hat er eine Liste aller übrigen Ausländer angefordert, die ausreisen müssen.

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