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Landsberg

19.06.2019

Wie die Polizei in Landsberg eine Diebin schnappte

Vor dem Amtsgericht in Landsberg ist gegen eine mutmaßliche Diebin und ihren Mann verhandelt worden. Wie ihr die Polizei auf die Schliche kam und was sie selbst dazu sagte.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Reinigungskraft ließ Schmuck und Bargeld mitgehen. Mit der Polizei hatte sie nicht gerechnet.

Die Polizei hat einer vermeintlichen Diebin eine Falle gestellt, und so eine 43-jährige Reinigungskraft auf frischer Tat ertappt. Der Sinn stand ihr nach Schmuck und Bargeld, wie bei der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Landsberg dargestellt wurde. Die ihr zur Last gelegten drei Diebstähle räumte sie nicht ein. Und auch ihr 55-jähriger Ehemann verneinte, sich als Hehler betätigt und in vier Fällen Diebesgut bei einer Ankaufsstelle für Gold in Landsberg zu Geld gemacht zu haben.

Wertvolle Brillant- und Goldringe gehörten zur Beute

Angaben zur Sache oder gar ein Geständnis blieben beide schuldig: „Ihr gutes Recht“, wie Richter Michael Eberle sagte. Geschädigt wurden zwei Familien in zwei Häusern in Landsberg. Der entstandene Beuteschaden ist, so der Vorsitzende, auf 8480 Euro geschätzt worden. Dazu gehören wertvolle Brillant- und Goldringe, Armbänder, Amuletts, und 330 Euro Bargeld. Besonders wertvoll dabei: Eine Kaiser-Franz-Joseph-Gedenkmünze, von einer Goldschmiedin als Brosche mit vier Brillanten gefasst, mit einem geschätzten Wert von 4000 Euro, sowie eine König-Ludwig-Gedenkmünze.

Die Geschädigten trugen den materiellen Schaden in der Beweisaufnahme mit großer Fassung. Richtig geärgert haben sie sich über den ideellen Schaden, wie in der Verhandlung deutlich wurde. Eine 23-jährige und eine 69-jährige Frau sagten aus, dass Erbstücke darunter seien, die sie nicht wiedersehen würden, da sie in einer Goldverwertungsgesellschaft (GVG) in Baden-Württemberg bereits eingeschmolzen wurden.

Wie die Polizei in Landsberg eine Diebin schnappte

Geschäftsmann erkannte seinen Schmuck

Einiger Schmuck lag übrigens in der Verhandlung auf dem Tisch vor dem Richter. Darunter waren ein paar Exemplare, die mit Sicherheit aus den Diebstählen der beschuldigten Frau stammen. Sie wurden von einem bestohlenen Geschäftsmann wiedererkannt.

Doch wie war die Polizei der 43-Jährigen, die bislang keine Vorstrafe hatte, auf die Schliche gekommen? Zwischen Ende März und 20. Juni 2018 soll in beiden Häusern aus unerfindlichen Gründen das eine oder andere Schmuckstück gefehlt haben. Aber auch Geldscheine, die zu einem Vereinsvermögen gehörten, waren plötzlich verschwunden.

Hier setzte die Polizei, die von den Eigentümern zu Hilfe gerufen worden war, den Hebel an: Sie fotografierte Schmuck und Scheine, lockte hiermit die Frau in eine Falle – dies mit Erfolg. Als sie das nächsteMal in einem der Häuser ihre Arbeit beendet hatte, standen die Beamten schon parat, und kontrollierten ihre Handtasche. Der Abgleich mit den im Bild festgehaltenen Geldscheinen stimmte überein. Zudem entdeckten die Beamten Schmuck und ein Vertrag, ein Papier über die Veräußerung von Gold, ans Tageslicht.

Eine Kollegin soll es gewesen sein

Die Frau gab den Diebstahl aber nicht zu, sondern argumentierte, dass ihr eine Kollegin die „Fundsachen“ in die Handtasche gelegt habe. Diese Aussage nahm ihr niemand ab: Weder der Richter noch die Polizei und schon gar nicht die besagte Mitarbeiterin, die nur kurz mit ihr geputzt hatte. Auffälligkeiten spielten den ermittelnden Beamten auch in die Karten: So sollen der Termin der Reinigung – alle 14 Tage, das insgesamt etwa sieben Mal – und das „Verscherbeln“ des Schmucks immer rasch hintereinander erfolgt sein: Stets am nächsten Tag. Dies mindestens vier Mal.

Deswegen wurde der Ehemann wegen Hehlerei in vier Fällen zur Verantwortung gezogen. Beide Angeklagte hätten das ihnen entgegengebrachte Vertrauen schmählich missbraucht, hielten ihnen der Vorsitzende und Staatsanwältin Melanie Ostermeier vor. Die Vertreterin der Anklage hätte Mann und Frau ins Gefängnis geschickt, ohne Bewährung. Richter Eberle entschied sich jedoch für neun Monate mit Bewährung bei ihm, und für zwölf Monate mit Bewährung bei ihr.

Mit eine Bewährungsstraße davongekommen

Verbunden ist damit die Auflage, dass die Frau den Wertersatz in Höhe von fast 8500 Euro nach Möglichkeit wieder gutmachen soll. Deshalb kommt nun monatlich eine Rate von 100 Euro auf sie zu. Darüber hinaus wurde der Frau auferlegt, 200 Stunden Sozialarbeit abzuleisten. Der Wertersatz bei ihrem Mann wurde auf 1220 Euro beziffert. Den soll er in vier Monaten begleichen. Und zusätzlich werden bei ihm als Strafe 1500 Euro, dies in monatlichen Raten von 150 Euro, an eine Stiftung fällig. Rechtsanwältin Dr. Silke Ackermann sprach bei ihrer Mandantin von zwei vollendeten und einem versuchten Diebstahl. Sie plädierte für zwölf Monate mit Bewährung.

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