1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Wie zwei Landsberger mit der Vespa die Welt eroberten

Landsberg

27.05.2017

Wie zwei Landsberger mit der Vespa die Welt eroberten

Copy%20of%20_JOR3554.tif
3 Bilder
Sie machten ihren Jugendtraum wahr: Ralf Jodl und Alexander Barth leben und arbeiten im Industriegebiet. Dort gibt es viele Dinge, die das Herz der Rollerfreunde höherschlagen lassen.
Bild: Thorsten Jordan

Ralf Jodl und Alexander Barth haben mit ihrem Hobby eine Marktlücke geschlossen. Heute sind die beiden leidenschaftlichen Rollerfahrer mit dem SIP Scootershop dick im Geschäft.

Überall Vespas: Ob im Laden, in den Büros oder neben dem schwungvollen Beton-Logo des SIP Scootershops – der Leitgedanke des Fachhändlers aus dem Landsberger Industriegebiet ist klar erkennbar. Sogar im Lager stößt man hin und wieder auf einen herrenlosen Vertreter des italienischen Motorrollers. Die Geschäftsführer Ralf Jodl und Alexander Barth liefern für alle Vespafreunde das nötige Equipment. Und das Geschäft läuft hervorragend.

Doch so war es nicht immer. Mit 16 Jahren, als Schüler des Domikus-Zimmermann-Gymnasiums, trafen sich die beiden Landsberger oft auf dem Parkplatz der Schule. Als Fahrer des Vespamodells PX verstanden sich Barth und Jodl von vornherein prächtig. „Für uns ist das Vespafahren zu einem unvergleichbaren Freiheitsgefühl geworden“, erinnert sich Ralf Jodl. „Wir wollten wissen, was man noch alles rausholen kann, und haben damals ständig dran rumgeschraubt.“ Zu dieser Zeit konnten die beiden allerdings nur auf einen Rollershop in Augsburg zurückgreifen. „Einen richtigen Markt für Vespateile gab es damals nicht wirklich“, so Jodl.

Alles begann in der Garage der Eltern

Als sie auf die Idee kamen, eine eigene Sitzbank aus Glasfaser anzufertigen, fand diese unter Bekannten schnell Anklang. Sie stellte in dieser Form eine komplette Neuerung dar. Mehrere Einzelteile folgten in Kleinstserie, bis die beiden 1994 ihr eigenes Unternehmen gründeten. „Scooter Innovation Parts“ sollte es heißen und in Alexander Barths Elternhaus stationiert sein. „Als wir die Imkersachen von Alex’ Vater nicht weiter zu Seite rücken konnten, mussten wir dann in den Keller meiner Eltern umziehen“, berichtet Jodl. Dort begannen die Leute bereits, Schlange zu stehen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Regelmäßige Italienfahrten, Besuche bei den Herstellern und Werbung in Fachzeitschriften machten Vespafreunde aus aller Welt auf die Jungunternehmer aus Landsberg aufmerksam. „Viele Teile werden vereinzelt irgendwo in Italien hergestellt. Dort ist es wichtig, einen persönlichen Kontakt aufzubauen“, erklärt Jodl. Die kleine Firma, mit dem einzigartigen Sortiment, wuchs auf diese Weise stetig an und schnell wurde auch der Keller zu klein. 1996 zogen die beiden mit erweiterter Preisliste und der Unterstützung zweier Freunde in den Mannschaftsspeisesaal der ehemaligen Ritter-von-Leeb-Kaserne. Für zwei Mark pro Quadratmeter bot Landsbergs damals neueste Gewerbefläche zwar keine Heizung, dafür aber eine seltene Chance für junge Start-Ups. Viele Landsberger Unternehmen seien einst dort ansässig gewesen, so Jodl, wie beispielsweise die Heiz- und Kühlsystemfirma Viessmann, die heute lustigerweise wieder direkter Nachbar von SIP ist.

Der Mitarbeiterstamm wuchs schnell

„Wir wurden damals noch oft belächelt“, sagt Alexander Barth. „Besonders Verwandten konnte ich immer nur schwer erklären, was ich eigentlich mache. Ich sagte dann, ich sei Einkäufer.“ Barth studierte Bauingenieurswesen und Jodl Volkswirtschaft. Die gemeinsame Firma verloren sie nie aus dem Blick. 1999 erweiterten sie ihre Räumlichkeiten auf fast das komplette Gebäude. Als es im Jahr 2002 auf Beschluss der Stadt abgerissen werden sollte, standen Barth und Jodl vor einem Problem. Die Firma hatte sich bereits stark ausgebreitet und ein passendes Grundstück zu finden, war nicht leicht. Aus den zwölf Mitarbeitern, mit denen sie im Zuge dessen in die Graf-Zeppelin-Straße im Landsberger Industriegebiet zogen, wurden im Laufe der Jahre fast 90.

Neben der Ware, die SIP von etwa 500 Lieferanten aus aller Welt bekommt, werden etwa 1700 individuelle Einzelteile selbst hergestellt. Heute ist SIP noch immer im Industriegebiet ansässig, allerdings seit 2016 in der Marie-Curie-Straße 4, neben dem Sportplatz des TSV Landsberg.

Das neue, modern gestaltete Logistikgebäude im Vintage-Look ist nicht nur optisch ansprechend, sondern bietet inzwischen auch dem Hunger die Stirn. Betrieben von den Machern der „Trattoria Italiana“ in der Münchener Straße wurde das Café „Siperia“ eröffnet, das Kunden, Bekannte und Mitarbeiter zur Entspannung nutzen können. Der Shop mit lässigem Style bietet alles, was das Herz eines Motorrollerliebhabers höherschlagen lässt: von Vespa-Merchandise über Nummernschilder zum größten Sortiment an offenen Helmen in Deutschland, wie die Betreiber sagen, für die aber nicht nur der Profit zählt.

Der soziale Aspekt ist den Firmengründern wichtig

„Uns ist der Mensch wichtiger als das Geschäft. Wir beschäftigen unter anderem viele junge Mitarbeiter, alleinerziehende Mütter und Menschen mit Behinderung“, sagt Ralf Jodl. „Vor etwa zehn Jahren merkten wir, dass es für uns und die Firma sehr gut läuft. Und wir wollten gerne etwas für diejenigen tun, denen es weniger gut geht.“ Damals entschied sich das Unternehmen zur Gründung der sogenannten „SIP-Aid“. Jährlich spendet das Unternehmen einen bestimmten Teil seiner Einnahmen an verschiedene Hilfsorganisationen wie das SOS-Kinderdorf und Arche Deutschland. „Wir legen Wert darauf, den sozialen Aspekt nicht außer Acht zu lassen. Ein bisschen sehen wir uns hier als Familie“, so die SIP-Chefs.

Pro Tag gehen 1000 Pakete raus

Die entspannte Atmosphäre, die in dem Unternehmen herrscht, macht dies deutlich. Ob in den modernen Büros mit eigener Kantine, im Shop, vor dem Laden, im eigenen Gebetsraum oder im Lager – genervt scheint hier niemand zu sein. Seit dem Jahr 2000 ist die SIP Scootershop GmbH anerkannter IHK-Ausbildungsbetrieb und bildete 2007 sogar die bayernweit beste Auszubildende im Beruf „Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau“ aus. Täglich verschickt die Firma an die 1000 Pakete in alle Welt, die durchschnittlich 16 aus einem Sortiment von insgesamt etwa 40.000 Artikeln enthalten. Die Komissionierung im Lager findet komplett papierlos statt. Inzwischen gibt es ein eigenes Call-Center sowie ein firmeneigenes Kundenmagazin mit dem Namen „Curve“.

„Ich bin total glücklich mit meiner Entscheidung“, antwortet Jodl auf die Frage, ob er sich auch einen anderen Beruf hätte vorstellen können. „Ich denke, bei Alex ist es ähnlich. Obwohl der Job manchmal viel Zeit kostet, ist es das, was wir machen wollen.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
FS_AZ_B-GES_IWE_227218139.jpg
Landsberg

Auto-Aktion: Klasse Sache

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden