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Westerholz

04.12.2016

Windkraft: Scheuring ist raus

Solch romantische Aufnahmen gelingen mitunter im Westerholz zwischen Scheuring und Kaufering. Die Pläne, dort eine Windkraftanlage zu errichten, fanden im Scheuringer Gemeinderat keine Untersützung.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Gemeinderat sieht keine Notwendigkeit für eine solche Anlage. Der Wald soll der Naherholung dienen.

Die Gemeinde Scheuring wird sich nicht an der Planung ihrer Nachbargemeinden Weil und Kaufering beteiligen, wonach im Westerholz eine Windkraftanlage errichtet werden soll. Dieser vom Gemeinderat mit 12:1 Stimmen beschlossenen Ablehnung ging ein Sachvortrag von Bürgermeister Manfred Menhard voraus.

In der Diskussion meldeten sich die Ratsmitglieder zu Wort. Tenor: Die Errichtung von Windkraftanlagen (WKA) wäre „ein Verlust dieses Waldes und für die Naherholungssuchenden eine Katastrophe“. „WKA sind in unserer Region mangels Wind nicht die richtige Form regenerativer Energiegewinnung und deshalb total unsinnig.“ „Das Westerholz ist für den Naturschutz sehr wichtig. Er ist ein Refugium für die Vogelwelt, das durch den Bau von Windrädern total zerstört würde.“ Gemeinderat Konrad Maisterl mahnte jedoch: „Die Marktgemeinde Kaufering wird die Planung trotz einer Ablehnung Scheurings weiterverfolgen“, sodass Scheuring finanziell leer ausgehe. Und bezogen auf den von Menhard genannten Flächenverlust argumentierte Maisterl: „Die rund 120 mal 60 Meter große Fläche pro Windrad wächst wieder zu. Ich sehe darin kein Problem. Wir sollten uns deshalb daran beteiligen.“ Worum es dem Scheuringer Rathauschef vor allem geht, hatte er vor der Diskussion deutlich gemacht: „Für die Gemeinde Scheuring stellt sich die Frage, ob die regenerative Energieform Windkraft erforderlich ist und deshalb eine gemeinsame Konzentrationsfläche mit den Gemeinden Weil und Kaufering ausgewiesen werden sollte.“ Der Markt Kaufering werde das Thema sicher weiterverfolgen. Für Scheuring gebe es keinen dringenden Handlungsbedarf. „Denn das bedeutet für das im Westerholz vorgesehene Gebiet einen weiteren Flächenverlust von Wald.“ Zudem sei das Westerholz „die größte zusammenhängende Waldfläche, die der Bevölkerung zur Naherholung dient“.

Als Begründung fügte Menhard hinzu: „Die Gemeinde Scheuring hat 1977 dem Bau der Wasserkraftwerke am Lech zugestimmt, um ihren Beitrag zur regenerativen Energiegewinnung zu leisten.“ Dafür seien zugunsten der Staustufe 19 „für hundert Hektar Wasserfläche und an der Staustufe 20 am Zollhaus für weitere 48 Hektar Wasserfläche“ ein enormer Flächenverbrauch notwendig geworden. „Allein 5,3 Hektar vom Gemeindewald.“ Weiter sagte Menhard: „An beiden Kraftwerken werden jährlich 120 Millionen Kilowatt Strom erzeugt und ins Netz eingespeist.“ Zusätzlich habe die Gemeinde im Jahr 2010 einen Bebauungsplan für zwölf Hektar für Freiflächenfotovoltaik-Anlagen aufgestellt und damit auch im Ort eine alternative Energieerzeugung möglich gemacht. In anderen Gemeinden des Landkreises seien hingegen solche Freiflächenanlagen abgelehnt worden, während der Gemeinderat Scheuring diesem Vorhaben zugestimmt habe, „weil wir auch in dieser Richtung etwas tun wollten.

Die eingespeiste Energie der Scheuringer Fotovoltaik-Anlagen auf Dach- und Freiflächen betrage pro Jahr insgesamt 7,3 Millionen Kilowattstunden (kW/h), während die Gemeinde 2015 aber nur rund 4,5 kW/h verbrauche. Daraus folgerte Menhard: „Wenn man also der jährlich erzeugte Menge Strom von insgesamt 127 Millionen Kilowatt den tatsächlichen Verbrauch von 4,5 Millionen Kilowatt gegenüber stellt, ergibt sich ein Überschuss von knapp 122 Millionen Kilowatt, der ins öffentliche Netz eingespart wird.“ Damit habe die Gemeinde Scheuring ihren Beitrag zur Energiewende „mehr als erfüllt“. Deshalb sehe er als Bürgermeister der Gemeinde „keine Notwendigkeit, derzeit eine Windkraftanlage im Westerholz zu errichten“.

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