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07.11.2011

Hände weg vom deutschen Gold!

Es war und ist ein schwerer Fehler, die Rettung des Euro um jeden Preis anzukündigen

Es war und ist eben ein schwerer Fehler, die Rettung des Euro um nahezu jeden Preis anzukündigen und jeden Gedanken an einen Euro-Abschied Griechenlands zu verwerfen.

Die Bundesregierung versucht, den Vorgang herunterzuspielen. Aber der Angriff auf die Währungsreserven der Bundesbank hat stattgefunden und ist auf dem Gipfel der 20 führenden Wirtschaftsnationen offenbar weniger am Widerstand der Kanzlerin als am Veto des tapferen Bundesbankpräsidenten Weidmann gescheitert. Da die Phantasie der Rettungseuropäer hinsichtlich der Schöpfung von frischem, auf Pump herbeigezauberten Geld offenbar keine Grenzen mehr kennt und die Krise der Währungsunion sich weiter zuspitzt, wird die nächste Attacke folgen und der internationale Druck auf Deutschland wachsen, nun auch die unabhängige Bundesbank in den Dienst der Euro-Rettung zu stellen.

Wer will schon die Hand dafür ins Feuer legen, dass Angela Merkel auch beim nächsten Mal Nein sagt und auf den immer einsamer werdenden Geldwert-Verfechter Weidmann hört? Die Regierung hat ja bereits viele jener „roten Linien“ überschritten, die sie zuvor als unverhandelbar abgesteckt hatte. Wenn Merkel dem Druck aus Paris, Washington und Brüssel nachgibt, dann geht es tatsächlich ans Eingemachte. Im ersten Zugriff würden die Währungsreserven (rund 50 Milliarden) verpfändet. Da erfahrungsgemäß auf einen Dammbruch stets der nächste folgt, wäre dann auch der Weg frei für die Hebung des 130-Milliarden-Euro-Goldschatzes der Bundesbank.

Kommt es dazu, steht das schon heute mit gigantischen Summen für die Schulden anderer haftende Deutschland nicht nur mit weiteren vielen Milliarden Euro im Feuer. Ein europäischer Zugriff auf die hart erarbeiteten, von der Bundesbank treuhänderisch verwalteten Goldreserven wäre ja auch Signal dafür, dass Deutschland im Kampf um den Euro kein Risiko mehr scheut und sich buchstäblich mit Haut und Haaren in die Bresche wirft – sogar auf die Gefahr hin, am Ende selbst heillos überfordert zu sein. Der Goldschatz der Bundesbank ist jene eiserne Reserve, die den Deutschen seit langem als Indiz ihres ökonomischen Erfolgs und als Schutzschild gegen die Inflation gilt. Wird er angezapft, dürfte die Geduld der Bevölkerung im Hinblick auf die waghalsigen Euro-Rettungsmanöver im Nu erschöpft sein. Spätestens beim Gold kommt jene psychologische Wirkung ins Spiel, die sich mit den abenteuerlichen Techniken der wundersamen Geldvermehrung und mithilfe der dramatischen Euro-Rettungsrhetorik nicht mehr überspielen lässt. Hier ist dann endgültig der Punkt erreicht, an dem die grundsätzliche Bereitschaft zur Hilfe für die Schuldensünder in puren Verdruss über die schleichende Umwandlung der Euro-Zone in eine Haftungs- und Schuldengemeinschaft umschlägt.

Das gilt umso mehr, als der Vertragsbruch inzwischen Normalität geworden ist. Ob Stabilitätskriterien, unabhängige Zentralbank oder Verbot der Haftungsübernahme: Alles ist über Bord geworfen worden, ohne dass auch nur die Eindämmung der Krise gelungen und das Vertrauen der Anleger zurückgekehrt wäre. Und was ist von einer Politik zu halten, die zwei Wochen nach der trickreichen Aufblähung des Rettungsfonds auf eine Billion Euro schon wieder nach einem neuen, noch riskanteren Instrument greift und die Staatsfinanzierung durch Gelddrucken gezielt betreibt? Es war und ist eben ein schwerer Fehler, die Rettung des Euro um nahezu jeden Preis anzukündigen und jeden Gedanken an einen Euro-Abschied Griechenlands zu verwerfen.

Die Wurzel des Übels ist maßlose Verschuldung in Verbindung mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Solange die Beseitigung dieser Missstände nicht glaubwürdig angegangen wird, gleicht die ewige Retterei einem Kampf gegen Windmühlenflügel.

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