Newsticker

Gesundheitsminister Spahn rechnet mit ersten Corona-Impfungen noch in diesem Jahr
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. 100 Tage als Bürgermeisterin und "an allen Ecken und Enden gefordert"

Kirchheim

16.08.2020

100 Tage als Bürgermeisterin und "an allen Ecken und Enden gefordert"

Sichtlich viel Freude hat Susanne Fischer an ihrem neuen Job als Kirchheimer Bürgermeisterin.
Bild: Lippl

Plus Die neue Kirchheimer Bürgermeisterin füllt ihr neues Amt sichtlich mit Freude aus. Wir sprachen mit ihr über einen denkwürdigen Notartermin, das richtige Zeitmanagement und eine Probe-Hochzeit mit der Sekretärin.

Den ersten Notartermin als Bürgermeisterin wird Susanne Fischer nicht mehr vergessen. Gleich drei Verträge waren zu unterschreiben: von ihr. Im Namen der Gemeinde. Mit allen Rechten und Pflichten. In Momenten wie diesen wird der neuen Kirchheimer Rathauschefin wieder die Bedeutung ihres Amtes bewusst – und ihre Aufgabe: Dinge objektiv zu betrachten und zum Wohle „ihrer“ Bürger zu entscheiden. „Wir sind Dienstleister“, sagt Susanne Fischer über sich und ihr Team. „Das muss man sich immer vor Augen halten.“ Vor gut 100 Tagen hat sie die Amtsgeschäfte von ihrem Vorgänger Hermann Lochbronner übernommen – und ihre Augen strahlen, wenn sie über diese erste Zeit als Bürgermeisterin spricht.

„Total spannend“ sei diese Aufgabe. Viele Dinge seien bereits angestoßen oder begonnen worden, die gelte es nun, mit Leben zu befüllen. „Ich bin an allen Ecken und Enden gefordert.“

Es gibt in Kirchheim große Projekte wie den Adler-Umbau oder ein neues Gewerbegebiet

Die Planungen zum Umbau des Gasthofs zum Adler zum Bürger- und Kulturzentrum nehmen gerade viel Zeit in Anspruch, sagt sie, aber auch Projekte wie die Schulsanierung, die Kindergartenerweiterung, das schnelle Internet, das neue Wohngebiet zwischen Kirchheim und Derndorf oder das Gewerbegebiet, das gegenüber der Firma Wanzl entstehen soll. Wie langwierig die Abläufe bei solchen Angelegenheiten sind, sei ihr erst jetzt richtig klar geworden, sagt Susanne Fischer. Unterlagen auslegen, Einwände und Träger öffentlicher Belange hören, Beschlüsse fassen: Es kann dauern, bis sich auf einem Grundstück wirklich Gewerbe ansiedeln kann. „Aber das ist Demokratie“, sagt die Bürgermeisterin – und die hält sie auch für wichtig und richtig.

Doch manchmal machen ihr die Vorschriften und Regelungen auch einen Strich durch die Rechnung: An Silvester hätte sie gern eine Lichtershow für die Bürger veranstaltet, ganz entspannt und ungezwungen, ein bisschen wie beim Mondlicht Open Air in Mindelheim, wo jeder etwas mitbringt, schwärmt Susanne Fischer. Aber: „Dann stell ich fest: So einfach ist das gar nicht.“ Sicherheitskonzept, Hygieneauflagen und dann die Verantwortung, die beim Veranstalter liegt, erschweren es, solche Ideen schnell in die Tat umzusetzen. „Das ist ein bisschen schade“, sagt sie – aber man merkt, dass sie das Projekt noch nicht aufgegeben hat. Dass sie an verschiedenen Themen gleichzeitig arbeite, kenne sie bereits aus ihrem alten Beruf, sagt die ehemalige Marketingleiterin. „Nur früher habe ich gewusst, um was es geht“, sagt sie und lacht herzlich. „Da hat mir ein Stichwort gereicht.“ Derzeit müsse sie noch viel nachfragen und Hintergründe erfahren. Aber sowohl ihr Team im Rathaus als auch die Mitarbeiter im Landratsamt seien sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Und auch die Kombination aus erfahrenen und neuen Mitgliedern im Gemeinderat sei gut, urteilt Susanne Fischer: „Wir sind sehr motiviert!“

Corona hat den Start als Bürgermeisterin in Kirchheim erschwert

Corona hat ihr den Start im Amt ein bisschen erschwert. Sie wäre gern früher zu Vereinen, Geschäftsleuten oder in die Schulen und Kindergärten gegangen, sagt die neue Bürgermeisterin. Bei der ersten Probe nach dem Lockdown hat sie den örtlichen Musikvereinen einen Überraschungsbesuch abgestattet – und wurde dort dann selbst überrascht: mit einem nachträglichen Geburtstagsständchen.

Vier Paare hat sie als Bürgermeisterin schon getraut. Weil die eigentlich geplante Bürgermeister-Schulung wegen der Corona-Pandemie ausgefallen war, ließ sie sich die Abläufe zuvor vom Standesbeamten im Rathaus erklären. Und weil Praxis und Theorie dann doch noch mal zwei unterschiedliche Dinge sind, übten Susanne Fischer und ihre ebenfalls neue Amtskollegin aus Eppishausen, Susanne Nieberle, die Trauzeremonie sicherheitshalber bei einer „Probe-Hochzeit“ mit der Sekretärin. Es darf ja nicht sein, dass eine „echte“ Ehe nur wegen eines Formfehlers ungültig wäre.

Susanne Fischer liebt es, unter Menschen zu sein - das hilft ihr auch als Kirchheimer Bürgermeisterin

Bereits bei ihrer Vorstellung sagte Susanne Fischer über sich, ein geselliger Mensch zu sein. Das ist so geblieben: Der Umgang mit den Menschen falle ihr sehr leicht, sagt sie. „Das Zeitmanagement und die Organisation habe ich noch nicht ganz im Griff.“ Noch fehlen ihr die geordneten Bahnen und die Routine – weshalb die Abende oder das Wochenende für die Arbeit genutzt werden und die Freizeit auch mal hinten anstehen muss. Demnächst wird Susanne Fischer aber nach Kirchheim ziehen, dann fällt die Pendelei weg „und es wird ein bisschen entspannter“, hofft sie.

Schon jetzt ist es anders, wenn sie durch Kirchheim geht oder fährt. „Die Leute winken viel und strahlen mich an“, sagt sie. „Sie brauchen manchmal was oder wissen was.“ Seit sie sich für das Bürgermeisteramt beworben hat, sieht sie bewusster hin, was um sie herum ist. „Vorher läuft man einfach vorbei und jetzt ist das ein potenzielles Projekt“, sagt die 56-Jährige und lacht. Sie achte auch auf Kleinigkeiten, etwa in Kirchheim einzukaufen und zu tanken und mache sich mehr Gedanken über den Ort. „Man schaut mehr hinter die Kulissen.“

Hier erfahren Sie mehr über Kirchheims Politik und Susanne Fischer:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren