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Bildung

25.06.2016

Abitur und Baccalauréat in Einem

Alexander Meier aus Amberg und seine französische Gastschülerin Sibylle Papot gemeinsam im Unterricht im Buchloer Gymnasium.
Bild: Andreas Schnurrenberger

Austauschschülerin Sibylle Papot ist zu Gast in Amberg. Ihr ehrgeiziger Plan: Sie will sowohl die französische als auch die deutsche Hochschulreife erlangen. Der doppelte Abschluss soll künftig auch bei uns angeboten werden.

Seit acht Wochen geht Austauschschülerin Sibylle Papot in Deutschland zur Schule. Die Neuntklässlerin aus Frankreich macht das sogenannte AbiBac – das deutsch-französische Abitur. Der Name wird aus den Worten Abitur und dem entsprechenden französischen Schulabschluss Baccalauréat gebildet. Die 15-Jährige lebt in dieser Zeit bei der Familie von Alexander Maier in Amberg. Sie ist die erste Schülerin, die im Rahmen dieses Sprachprogramms das Buchloer Gymnasium besucht. Künftig sollen auch die Buchloer Gymnasiasten die Möglichkeit haben, gleichzeitig die deutsche und französische Hochschulreife zu erlangen, berichtet Schulleiter Alexius Batzer.

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Bisher gibt es dieses Angebot in Bayern nur an wenigen Schulen, etwa in München oder Nürnberg. Doch das soll sich laut Schulleiter Batzer ändern. „Wir wollen AbiBac künftig auch in Buchloe anbieten. Dafür sind wir gerade in den Planungen“, berichtet er. Um neben dem deutschen Abitur die französische Hochschulreife zu erlangen, ist in den AbiBac-Klassen auch ein zusätzlicher Fremdsprachenunterricht vorgesehen. Beispielsweise werden nicht nur die Französisch-Stunden, sondern auch der Unterricht in den Fächern Geschichte und Sozialkunde auf französisch abgehalten. Austauschprogramme für die Schüler mit dem Nachbarland gehören ebenfalls dazu.

Genau aus diesem Grund ist Sibylle Papot aus dem westfranzösischen Angers derzeit auch im Ostallgäu. Denn an ihrem Heimatgymnasium wird der doppelte Schulabschluss bereits angeboten. Seit der siebten Klasse – seit drei Jahren also – lernt die 15-Jährige Deutsch als zweite Fremdsprache. „Ich habe zehn Stunden in der Woche Deutschunterricht“, sagt sie gut verständlich und fast aktzentfrei.

Abitur und Baccalauréat in Einem

Als ungewohnt empfindet sie die Unterrichtszeiten in Deutschland. „Der Nachmittag fühlt sich für mich wie Ferien an“, sagt sie. In Frankreich ginge die Schule meist bis zum Abend. Doch auch außerhalb des Klassenzimmers hat sie schon Unterschiede festgestellt. Zum Beispiel bei den Essgewohnheiten. „Hier gibt es immer viel Fleisch. Sogar oft schon zum Frühstück“, erzählt sie und lacht dabei, „abends wird dann aber häufig nur wenig und kalt gegessen.“ Bei ihr zu Hause sei es in der Regel genau umgekehrt.

Im Wertachtal gefällt es ihr sehr gut. „Alle sind sehr gastfreundlich“, sagt die 15-Jährige. Die Schülerin ist bei der Familie ihres derzeitigen Klassenkameraden Alexander Meier in Amberg untergebracht. In dem Ort seien im Vergleich zu ihrer Heimatstadt alle Häuser so nett dekoriert und er liege schön inmitten von Natur. „Wir gehen oft Joggen und Fahrradfahren.“

Zudem habe sie mit ihrer Gastfamilie viel unternommen: „Wir haben Schloss Neuschwanstein besucht, waren im Skyline-Park und auf dem Ammersee beim Segeln.“ Für den 15-jährigen Alexander Meier ist der Umgang mit Gastschülern nichts Neues. „Wir hatten schon öfter Austauschschüler bei uns. Zum Beispiel aus Südafrika“, erzählt er und wird dabei vom Schulgong unterbrochen.

Die Pause ist vorbei und die beiden Schüler müssen zurück ins Klassenzimmer in den Unterricht. Dort kann der Neuntklässler von seiner derzeitigen Mitbewohnerin nur profitieren: Denn als nächstes Fach steht Französisch auf dem Stundenplan.

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