1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ärger um Oberauerbacher Hausdach beschäftigt Stadtrat

Mindelheim

10.09.2019

Ärger um Oberauerbacher Hausdach beschäftigt Stadtrat

Copy%20of%20IMG_1825.tif
2 Bilder
Baugebiet Oberauerbach im September 2019: Das Landratsamt hat das anthratzitfarbene Dach bei einer Baukontrolle als Verstoß gegen den Bebauungsplan gebrandmarkt. Ob das Dach neu mit roten Dachziegeln eingedeckt werden muss, damit befasst sich der Stadtrat am 23. September.

Ein Hausbesitzer in Oberauerbach bei Mindelheim hat Ärger, weil er sein Wohnhaus mit anthrazitfarbenen Dachplatten eingedeckt hat.

Über kaum etwas gehen die Meinungen mehr auseinander als über Architektur, zumal wenn sie modern ist. Während die einen sich an Flachdächern erfreuen, lehnen sie andere um so heftiger ab, weil sie dem traditionellen schwäbischen Baustil nicht entsprechen. Während die einen palastartigen Häusern im Stile des Weißen Hauses nacheifern, lieben es andere bescheidener. Gestritten wird aber auch um vermeintliche Details wie die Farbe von Dächern. Nachdem im Vorjahr das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde einen Fall aus Nassenbeuren vors Verwaltungsgericht gebracht hat, bahnen sich nun weitere Fälle an.

Ein Hausbesitzer aus Nassenbeuren musste sein Dach umfärben

Der Bauherr in Nassenbeuren hatte 2018 den Prozess verloren und musste die Dachfarbe seines Hauses nachfärben lassen. Der aktuelle Fall in Oberauerbach ähnelt dem aus Nassenbeuren auf den ersten Blick. Auch in Mindelau ist ein Haus mit dunkler Abdeckung ins Visier der Baukontrolleure geraten. Das Haus in Oberauerbach war vor sieben Jahren errichtet worden als erstes in der Straße. Die Dachplatten sind anthrazitfarben.

Jahrelang hat das niemanden gestört, bis bei einer Kontrolle durch das Landratsamt der Verstoß gegen die Farbvorgabe ermittelt wurde. Im Frühjahr 2019 hat der Eigentümer des Hauses ein Schreiben vom Landratsamt erhalten, verbunden mit der Aufforderung, den Makel zu beheben. Ähnliche Schreiben gingen auch an zwei weitere Eigentümer.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Diesen Montag stand das Thema im Bauausschuss der Stadt zur Beratung und Entscheidung an, ob nicht doch eine nachträgliche Befreiung von der Vorgabe im Bebauungsplan möglich ist. Rund 25 Zuhörer waren extra deshalb in den großen Sitzungssaal gekommen. Der Tagesordnungspunkt wurde allerdings kurzfristig abgesetzt. Bürgermeister Stephan Winter sagte, aus den Reihen der Stadträte sei der Wunsch gekommen, das Thema wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung nicht im Bauausschuss zu besprechen, sondern im Stadtrat. In der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung war nach MZ-Informationen noch gestanden, die Befreiung nicht zu erteilen. Das hätte für den Bauherrn bedeutet, sein Dach austauschen zu müssen. Diese Vorlage wurde aber bereits am Montagnachmittag wieder aus dem Ratsinformationssystem gelöscht.

Den meisten Stadträten ist der Fall spürbar unangenehm

Nun befasst sich der Stadtrat auf einer eigens angesetzten Sitzung am Montag, 23. September mit dem Fall. Die für diesen Tag geplante Sitzung des Jugend-, Sozial- und Kulturausschusses wurde abgesagt. Beginn der Beratungen ist um 18.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Die meisten Stadträte sehen sich in einer schwierigen Position. Eigentlich sind sie der Meinung, dass es nicht der Rede wert ist, ob ein Dach dunkel oder rot gefärbte Ziegel trägt. Die Rechtslage und der verlorene Rechtsstreit von Nassenbeuren machen den Fall aber so kompliziert.

Das Landratsamt teilte mit, dass die Planungshoheit grundsätzlich bei der Stadt Mindelheim liegt. Das Landratsamt kümmere sich als Bauaufsichtsbehörde darum, einen Bebauungsplan rechtlich durchzusetzen. In diesem Fall entspreche die Farbe der Dacheindeckung nicht dem Bebauungsplan der Stadt. Deshalb wurde der Bauherr angeschrieben und gebeten, die Dacheindeckung zu ändern. Schließlich habe er in seinem Antrag entsprechend den Vorgaben des Bebauungsplans ein rotes Dach angegeben, das dann auch genehmigt wurde. Derzeit liegt der Stadt ein Antrag auf Befreiung von den entsprechenden Festsetzungen des Bebauungsplans vor.

Landrat Hans-Joachim Weirather ist alles andere als glücklich über den Fall. Ein Bebauungsplan ist eine gemeindliche Satzung. „Sie ist rechtlich verbindlich.“ Daran gebe es keinen Zweifel. Die Stadt Mindelheim habe kein gesteigertes Interesse, hier tätig zu werden. Aber vor dem Gesetz seien alle gleich. Wie der Gordische Knoten durchtrennt werden kann, da hat Weirather noch keine Antwort parat.

Den Kommentar unseres Autors lesen Sie hier:

Warum muss ein Hausdach unbedingt rot sein?

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

12.09.2019

In ihrem Artikel schreiben Sie der Bauherr würde angeschrieben und gebeten die Dacheindeckung zu ändern. Zumindest für den Fall meines Bekannten aus Mindelau kann von / gebeten/ keine Rede sein. Das mir bekannte Schreiben ist eher ein in Gutsherrenmanier verfasstes Manifest das jeder Freundlichkeit entbehrt und in seinem Verwaltungsrechtlichen Gehalt wie man dem Bürger gegenüber Auftritt zumindest fragwürdig erscheint. Ich Maße mir diese Meinung an da ich selbst Dipl. Verwaltungswirt bin und somit ein wenig Einblick in die Materie habe. In der Sache ist es natürlich richtig das eine gemeindliche Satzung hier der Bebaungsplan umzusetzen ist allerdings erscheint mir eine Neueindeckung wegen einer falschen Dachfarbe und einer genau so teuren Umspritzung eine völlig überzogene Maßnahme angesichts dessen das es im Landkreis Unterallgaü und dem Gemeindegebiet Mindelheim zahllose Dächer gibt die nicht wie angestrebt mit roten Dachziegeln eingedeckt sind. Meiner bescheidenen Meinung nach würde es bei solch untergeordneten Verstössen längst reichen eine kleinere Ordungsstrafe im dreistelligen Bereich zu verhängen und es dabei bewenden zu lassen. Warum hier mit so drakonischen Strafen wie einer neuen Dacheindeckung von Amts wegen gedroht wird ist für mich nicht nachvolziehbar. Das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren bzw. Freistellungsverfahren wurde für den Bürger und Bauherren eingeführt hier wird es jedoch als Argumentation herangezogen um alle Verantwortung auf den Bauherren abzuladen und Ihn als alleinig Schuldigen darzustellen. Dies entspricht sicher nicht dem Gesetzgeberischen Willen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren