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Bad Wörishofen

07.06.2019

Bad Wörishofen soll „Scheuklappen“ bauen

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Anlieger und Autofahrer halten die „Boscha-Kreuzung“ bei Stockheim (unten) nach wie vor für zu gefährlich und fordern immer wieder den Bau eines Kreisverkehrs. Dafür wäre der Landkreis zuständig, doch Landrat Weirather erteilt dem eine Absage und empfiehlt der Stadt Bad Wörishofen stattdessen „dringend“ den Bau von Sichtschutzzäunen. Wie das aussehen könnte, kann man an der Wanzl-Kreuzung bei Kirchheim (oben) besichtigen.
Bild: Melanie Lippl

Plus Der Landrat empfiehlt Bad Wörishofen „dringend“ den Bau von Sichtschutzzäunen an der Boscha-Kreuzung, die für den Polizeichef eine Gefahrenstelle darstellt.

Ist die so genannte „Boscha-Kreuzung“ bei Stockheim nun eine „Gefahrenstelle“, wie Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier die Kreuzung der Wertachtalstraße von Irsingen in Richtung Frankenhofen mit der Kreisstraße MN 29 benannte? Gegenüber der Mindelheimer Zeitung listete Maier minutiös die Unfälle der vergangenen Jahre auf (wir berichteten). Oder sind die dort vorgenommenen Sicherungsmaßnahmen erfolgreich, wie dies Landrat Hans-Joachim Weirather mit Blick auf die Unfallzahlen feststellt? In einem Schreiben an Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka empfiehlt der Landrat der Stadt dennoch „dringend die Errichtung von Schutzzäunen“. Dafür sei aber die Stadt und nicht der Landkreis zuständig.

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Insgesamt elf Mal hat es laut Polizeichef Maier in den vergangenen fünf Jahren auf der Boscha-Kreuzung gekracht. Es gab Verletzte und meist hohen Sachschaden. Spektakulär war der Unfall am 11. Februar 2015, als ein Autofahrer mit einem Schulbus kollidierte.

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„Das ist schon eine sehr gefährliche Kreuzung“, bestätigt Polizeichef Thomas Maier, der aber auch an anderen Kreuzungen ähnliche Unfallzahlen beobachtet und daher nicht von einem „Unfallschwerpunkt“ sprechen wollte.

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Im Stadtrat von Bad Wörishofen war in der Sitzung Anfang Mai wieder einmal über die Beschwerden von Anliegern und Autofahrern aus Stockheim diskutiert worden. Diese „unendliche Geschichte“ sorgte bei CSU-Stadtrat Konrad Hölzle damals für Verärgerung. Er kritisierte die „nach wie vor ungelöste Situation“ an dieser Stelle. Hölzle nannte auch die Querrillen, die vor gut zwei Jahren – nach einer Serie von Unfällen – in den Asphalt gefräst wurden, um die heran sausenden Autofahrer auf die Stop-Stelle aufmerksam zu machen.

„Gebracht hat das gar nichts“, bestätigte auch ein Vertreter der Stadtverwaltung bei der Sitzung auf Nachfrage. Deshalb sollen diese Fräsrillen demnächst auch wieder aufgefüllt werden, hieß es. Bei den Autofahrern habe sich sowieso längst herum gesprochen, dass man die Querrillen am besten mit einer höheren Geschwindigkeit überfahren solle: „Dann macht es im Auto weniger Lärm und rumpelt nicht“, sagt eine Stockheimer Anwohnerin.

Der Wunsch nach einem Kreisverkehr in Bad Wörishofen

Warum denn an dieser Stelle nicht endlich ein Kreisverkehr gebaut werde, um die Gefahrenstelle wirklich nachhaltig zu entschärfen, wollte FW-Stadtrat Thomas Vögele damals wissen: „Muss denn erst wieder etwas Schlimmes passieren?“, wetterte Vögele und setzte noch eins drauf: „Wahrscheinlich reagieren die Behörden erst, wenn ein Todesopfer zu beklagen ist“.

Auch Polizeichef Thomas Maier sah an der Boscha-Kreuzung „kaum eine wirksamere Maßnahme als den Bau eines Kreisverkehrs: Dann wäre hier Ruhe“.

Nun kam das Thema erneut auf die Tagesordnung, diesmal im Bauausschuss – und die Stockheimer können ihre Hoffnungen auf einen Kreisverkehr an dieser Stelle erst einmal zurückschrauben. In einem Schreiben an Bürgermeister Paul Gruschka machte Landrat Hans-Joachim Weirather deutlich, dass die vom Landratsamt eingeleiteten Maßnahmen den erhofften Erfolg gezeigt hätten: „Erfreulicherweise zeigte sich bei der letzten Unfallauswertung, dass sich diese Maßnahmen bewährt haben; an besagter Kreuzung gibt es seitdem keine Unfallhäufung mehr“, schreibt Weirather an Gruschka.

Aus Sicht von Landrat Weirather sei die genannte Kreuzung als Gefahrenstelle zwar bekannt, deshalb seien dort vor rund vier Jahren verschiedene Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Die Unterallgäuer Unfallkommission und Vertreter der Stadt Bad Wörishofen seien sich darüber einig gewesen, die Geschwindigkeit auf 70 km/h zu begrenzen, große Hinweisschilder mit der Aufschrift „STOP 100 m“ aufzustellen und Querfräsungen in die Fahrbahn der untergeordneten Gemeindeverbindungsstraße einzubringen, um die Autofahrer auch akustisch auf die Kreuzung aufmerksam zu machen.

Der von der Unfallkommission seinerzeit zudem für dringend notwendig gehaltene beidseitige Sichtschutzzaun östlich der Ortsverbindungsstraße Irsingen-Stockheim im Annäherungsbereich zur Kreisstraße MN 29, für dessen Errichtung die Stadt zuständig ist, sei laut Weirather aber „leider noch nicht realisiert“ worden.

Über solche sogenannte „Scheuklappen“ – Holzzäune, die den Blick auf die Kreisstraße erschweren – war laut Polizeichef Maier in der Vergangenheit schon mehrfach nachgedacht worden. Dies wurde jedoch auch wieder verworfen, da sich dadurch eine Art „Tunnelblick“ für Autofahrer ergeben und damit das Gegenteil erreicht werden könnte.

„Das ist nicht richtig“, widerspricht der Landrat

Weirather widerspricht energisch: „Das ist nicht richtig!“, so der Behördenchef. Vielmehr habe sich die Unfallkommission laut Weirather „eindeutig dafür ausgesprochen, diese Sichtschutzzäune anzubringen, nicht zuletzt, weil sich solche Maßnahmen auch an anderer Stelle bewährt haben“. Solche „Scheuklappen“ würden laut Weirather dem „Anfahrenden das Gefühl der Übersicht in die Querstraße nehmen und ihn zum Anhalten an der Kreuzung zwingen“. Von einem entstehenden „Tunnelblick“ könne also hier nicht die Rede sein.

Weirather empfiehlt in seinem Schreiben an Gruschka daher „dringend die Errichtung solcher Schutzzäune“: Ich halte es für wichtig, dass die Vorschläge der Unfallkommission, die sich durchwegs aus Fachleuten zusammensetzt, umgesetzt werden und auch persönlich bin ich überzeugt davon, dass mit dieser Maßnahme für eine zusätzliche Sicherheit an besagtem Kreuzungsbereich gesorgt werden kann“, schreibt Weirather. „Meine dringende Empfehlung wäre daher, dass die Stadt solche Sichtschutzzäune errichten lässt“.

Weitergehende bauliche Maßnahmen an dieser Kreuzung, die laut Weirather „übrigens über einen gut ausgebauten Standard mit Linksabbiegespuren und Fahrbahnteilern in den einmündenden Straßen verfügt, halte ich aufgrund der bereits durchgeführten und noch möglichen Sicherheitsvorkehrungen sowie der Beurteilung der Unfallkommission für nicht prioritär“. Sollte die Unfallkommission in Zukunft zu einer anderen Bewertung kommen, werde der Landkreis sicher tätig werden, so Weirather.

Für ihn und seine „Mitarbeiter von der Straßenverkehrsbehörde und der Tiefbauverwaltung“ genieße die „Sicherheit unserer Kreisstraßen oberste Priorität und unser Anliegen ist es, Unfallschwerpunkte zu entschärfen oder zu beseitigen“, so Weirather. Dies gelte „selbstverständlich auch für den Kreuzungsbereich der MN 29/Wertachtalstraße“.

Was Bad Wörishofens Bürgermeister Gruschka für die beste Lösung hält

Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka (FW) hatte den Brief in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses verlesen. Bernhard Oberstaller vom Bauamt berichtete, dass ehemalige Schneefangzäune zum Einsatz kommen sollen. „Wir können diese Zäune aber nicht aufstellen, weil wir den Platz gar nicht haben; da sind wir auf die Grundstückseigentümer angewiesen“, schilderte er das Problem. „Ich halte nach wie vor ein Gespräch mit Landrat Weirather für nötig“, sagte Gruschka. „Ich bin über die Lösung Sichtschutz nicht glücklich.“ Dafür erntete er Zustimmung von Grünen-Fraktionssprecherin Doris Hofer. „Vielen Dank, dass Sie diese Zäune verhindern wollen“, sagte sie. Bürgermeister Gruschka ließ den Ausschuss wissen, dass er einen Kreisverkehr „für die beste Lösung“ halte. Für so ein Projekt „hätten wir durchaus die Zustimmung von Grundstückseignern“, berichtete er. (mit m.he)

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