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Wertachtal

29.11.2019

Beim Flexibus ist immer noch viel Luft nach oben

Die Bürgermeister der Wertachtalgemeinden trafen sich mit Flexibus-Anbieter Josef Brandtner (4. von links) zum „Flexibus-Gipfel“ , fachlich beraten und unterstützt von Christine Heim (3. von links) vom zuständigen Sachgebiet des Landratsamtes und dem ÖPNV-Beauftragten Helmut Höld (3. von rechts).
Bild: Reinhard Stegen

Die Gemeinden im Osten des Unterallgäus wünschen sich eine bessere Anbindung vor allem Richtung Buchloe und Bad Wörishofen

Die große Zahl der Teilnehmer war schon ein Gradmesser für die Relevanz des Themas, wenn auch Bürgermeister Norbert Führer – in aller Bescheidenheit – nicht von einem „Mobilitätsgipfel“ sprechen wollte. Auch sei die Veranstaltung auf Initiative aller beteiligten Kommunen zustande gekommen.

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Die Verantwortlichen der betroffenen Gemeinden setzten sich an einen Tisch: Ein „Flexibus-Gipfel“ für das Wertachtal

Josef Brandner Busunternehmer und nach eigener Aussage Betreiber der „Mobility on Demand“-Dienstleistung warb in seinem Vortrag eloquent für das Pilotprojekt, das sich in Krumbach und den umliegenden Ortsteilen bestens bewährt habe. Das Konzept sieht relativ flexible Fahrgelegenheiten in den großen Lücken ÖPNV-Fahrpläne auf dem flachen Land vor und richtet sich damit vorwiegend an - meist ältere - Menschen ohne Auto und Behinderte.

Beim Flexibus ist immer noch viel Luft nach oben

Eine Besonderheit stellt die wabenförmige Untergliederung der Region dar. Innerhalb dieser Waben bietet das Flexibus-Angebot ein engmaschiges Netz an Haltepunkten, die nach telefonischer Anforderung oder Buchung über das Internet mit etwa 30-minütiger Toleranz angefahren werden. Der Fahrpreis sei mit aktuell 2,20 Euro auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich.

Nicht erst aufgrund der Krumbacher Erfahrungen sei klar, dass ein solches Angebot nicht rein marktwirtschaftlich zu finanzieren ist, so Brandtner.

Nachdem Förderungen des Freistaats und des Landkreises zur Verfügung stehen, würden die Gemeinden mit moderaten jährlichen Zuzahlungen, je nach Einwohnerzahl, von rund 2500 und 12000 Euro dem Pilotprojekt für Türkheim, Rammingen, Ettringen, Wiedergeltingen und Amberg zum Start verhelfen. Der ÖPNV-Beauftragte des Landratsamtes Helmut Höld bezifferte das geschätzte Defizit auf 177.000 Euro jährlich insgesamt.

Wie es sich so anfühlt, mit dem Flexibus unterwegs zu sein: Unterwegs mit dem Bus-Taxi namens Flexibus

Auch wenn die Gemeindevertreter dem Mobilitätsvorstoß grundsätzlich sehr gewogen schienen, wurde doch auch deutlich Kritik geäußert. So stellt Wiedergeltingens Gemeinderat Bernd Stapfner infrage, ob es bei dem mehr als dünnen Fahrplan einen ÖPNV in Wiedergeltingen überhaupt gebe. Manche Zweitautos würden im Ort nur angeschafft, weil es eben keine Busverbindung zum nahen Bahnhof in Buchloe gebe, der allerdings im benachbarten Landkreis liege.

Es sei zu bezweifeln, ob das Flexibus-Angebot dem Bedarf nach einer funktionierenden Anbindung an die Stadt Buchloe mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und auch der ärztlichen Versorgung gerecht werden könne. Die Menschen aus Wiedergeltingen wollten eben doch weniger nach Türkheim oder Ettringen fahren.

Als Manko wurde auch empfunden, dass die neu gefasste „Wabe“ Bad Wörishofen nicht mit einschließt, was schmerzlich vor allem für Rammingen sei. Gudrun Kissinger-Schneider aus Türkheim zeigte sich enttäuscht, dass das vorgesehene Beförderungsangebot zwischen A und B bereits in den frühen Abendstunden ende und damit keine Nutzungsmöglichkeit biete etwa für Treffen mit Freunden oder den Besuch von Veranstaltungen.

Bemängelt wurde auch, dass das Ganze eine Insellösung sei ohne direkte Verknüpfung von vorhandenen Bus- und Bahnverbindungen. Josef Brandner hielt dem entgegen, dass das Projekt ein erster Schritt sei. Je nach Akzeptanz und Nachfrage sei das Angebot selbstverständlich ausbaufähig.

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