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Natur

31.03.2015

Biberbauten sorgen für Ärger

Am Waldsee sind mehrere Biber aktiv. Ihre Bauten stauen den Zulauf auf und sorgen dafür, dass angrenzende Waldflächen überflutet werden. Ähnlich ist die Situation auch am Biotop bei der Bewegungsinsel, wo ebenfalls Waldstücke unter Wasser stehen.
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Am Waldsee sind mehrere Biber aktiv. Ihre Bauten stauen den Zulauf auf und sorgen dafür, dass angrenzende Waldflächen überflutet werden. Ähnlich ist die Situation auch am Biotop bei der Bewegungsinsel, wo ebenfalls Waldstücke unter Wasser stehen.
Bild: Stapfer

In Bad Wörishofen sind die streng geschützten Tiere mittlerweile an vielen Orten heimisch, auch im Kurpark. Das stellt Bürger und Stadt vor besondere Herausforderungen

Die Biber fühlen sich in Bad Wörishofen pudelwohl. Die Population steigt weiter an – sehr zur Freude der Naturschützer, aber auch zum Ärger mancher Bürger. Winfried Stapfer hält den Zustand am Waldsee für nicht mehr länger tragbar. Der See ist Eigentum der Familie Stapfer. Stadtratsmitglied Winfried Schreiber sieht ebenfalls ein Problem. Die Biber würden „am Waldsee wüten“, sagte er. Die Biber haben sich im Zulauf des Waldsees angesiedelt – aber nicht nur dort. Josef Kunder, ebenfalls Stadtratsmitglied, spricht von einem Problem im Kurpark.

Stapfer berichtet von zwei bis drei Tieren. Seit einem Jahr würden sie bereits den Zulauf zum Waldsee mit Bauwerken blockieren, mit der Folge, dass angrenzende Grundstücke überflutet werden. Die Biber setzten ganze Waldflächen unter Wasser, die Bäume würden absterben. Stadtgärtnernermeister Andreas Honner bestätigt das Problem und nennt noch andere Brennpunkte. Das Biotop bei der Bewegungsinsel westlich des Waldsees werde ebenfalls regelmäßig aufgestaut, der angrenzende Wald überflutet. Auch im Kurpark, im Sonnenbüchlsee, am Frankenhofener Stausee der Wertach, bei der Therme, im Eisbachbiotop bei Schlingen und im Studtweidbach hätten sich Biber angesiedelt.

Die Folgen sind immer die gleichen: gefällte Bäume und aufgestaute Gewässer, die über die Ufer treten. Das Eisbachbiotop müsse beispieslweise regelmäßig von Biberbauten befreit werden, sagt Honner. Das Gelände dient nämlich als Regenrückhaltebecken. Auch im Freibad wollte sich ein Biber bereits ansiedeln, berichtet Werner Würstle, im Nichtschwimmerbecken habe das Tier bereits Vorbereitungen zum Einzug getroffen. Der Geschäftsleiter des Rathauses war früher Leiter der Unteren Naturschutzbehörde und ist außerdem Jäger. Die Geschichte des Bibers im Unterallgäu kennt er bestens.

Vor einigen Jahren noch habe man Biber in Problembereichen gefangen und an andere europäische Länder weitergereicht, berichtet Würstle. „Die haben die Biber mit Kusshand genommen, um sie anzusiedeln.“ Heute wolle aber auch keiner der Nachbarn die Tiere mehr haben. Auch wenn jüngst wieder Rufe nach Abschuss oder Einfangen laut werden: „So einfach geht das nicht“, sagt Würstle. „Für ein Biotop beispielsweise bekommt man niemals eine Abschuss- oder Fanggenehmigung“, sagt auch Honner. Dies sei nur möglich, wenn unmittelbare Gefahr durch die Bauten der Tiere ausgehe. So habe die Stadt für den Biber im Freibad eine Abschussgenehmigung erwirkt. Bislang erfreut sich das Tier aber bester Gesundheit. Für den Kurpark liege eine Abfanggenehmigung vor. Gefangen wurde allerdings bislang nichts. „Biber sind sehr schlaue Tiere“, sagt Honner. „Wir können nur versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten.“ Im Biotop an der Bewegungsinsel habe man nach Rücksprache mit dem Landratsamt mit geschlitzten Rohren experimentiert. Der erste Versuch schlug allerdings fehl, Rohre und Biberdamm wurden weggespült. Nun folgt ein weiterer Versuch. Die speziellen Rohre können Biber zwar zustopfen, durch die Schlitze fließe aber weiterhin Wasser ab.

Diese Maßnahme kommt auch im Zulauf zum Waldsee zum Einsatz, berichtet Honner. „Ob das etwas bringt, ist fraglich“, sagt dazu Winfried Stapfer. „Wir sind nun gezwungen, alle vier bis fünf Tage den Biberbau mit zwei Leuten zu beseitigen um die Nachbargrundstücke nicht unter Wasser zu setzen“, berichtet er. Das sei „eine Zumutung“, zumal er von keiner Seite Unterstützung erfahre. Natürlich stehe der Biber unter strengem Schutz. Doch dass „keine Aussicht auf Besserung besteht“, könne auch nicht sein. Die Stadt hat im vergangenen Jahr rund 20000 Euro für die Folgen der Biberschäden ausgegeben, sagt Andreas Honner. Diese Summe werde heuer wohl nicht mehr ausreichen.

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