Newsticker

Die Linke sagt ihren Parteitag wegen Corona ab
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Brandstifter zündet Haus an - Opfer leiden noch ein Jahr später

Mindelheim

18.05.2015

Brandstifter zündet Haus an - Opfer leiden noch ein Jahr später

Nach Abbruch des Hauses an der Landsberger Straße deutet Eigentümer Johann Nepomuk Hofmann auf das Gelände, auf dem das Gebäude einst stand.
Bild: Johann Stoll

An Pfingsten 2014 hatte ein 22-Jähriger ein Haus angezündet. Vor Gericht ist der Fall geklärt. Die Opfer fühlen sich dennoch weitgehend sich selbst überlassen.

Pfingstsonntag, 8. Juni 2014. Ein 22-Jähriger zündelt in volltrunkenem Zustand zu nachtschlafender Zeit an der Landsberger Straße in Mindelheim. Kartonagen brennen, eine Kettenreaktion setzt sich in Gang. Am Ende sind zwei Autos und ein Carport abgefackelt. Die Feuerwehr kann mit einem Großeinsatz zwar das Schlimmste verhindern. Am Ende ist dennoch ein Mietshaus unbewohnbar geworden. Zum Feuer kam der Wasserschaden. Es ist das Elternhaus von Johann Nepomuk Hofmann.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Gasflaschen explodiert wären, die in einem nahe gelegenen Schuppen lagerten. Drei Mietparteien lebten in dem Haus. Neben zwei Einzelpersonen war auch eine dreiköpfige Familie darunter. Zu dem Gelände gehört auch eine Autowerkstatt, Pepes Garage.

Der Fall ist heuer Anfang April strafrechtlich aufgearbeitet worden. Das Schöffengericht am Amtsgericht Memmingen verurteilte den Täter wegen schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung (wir berichteten).

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mit einem Gerichtsurteil ist der Fall noch nicht abgeschlossen

Damit ist der Fall aber keineswegs abgeschlossen. Johann Nepomuk Hofmann als Hauptgeschädigter darf sehen, wie er an sein Geld kommt. Der 62-Jährige lebt bei Tübingen vor den Toren Stuttgarts. Seit Monaten beschäftigen ihn die Folgen des Brandes. Immer wieder muss er nach Mindelheim kommen.

Am Anfang ging es vor allem darum, wie den Mietern geholfen werden kann. Noch in der Tatnacht hatte die Stadt Mindelheim Mieter im Hotel Stern untergebracht. „Dafür bin ich Bürgermeister Stephan Winter sehr dankbar“, sagt Hofmann. Auch bei der Vermittlung von Wohnraum habe die Stadt geholfen.

Danach stand die Frage im Raum, was mit der Brandruine geschehen soll. Ein Abriss war unvermeidlich. Zu groß waren die Schäden. Allein dafür und die fachgerechte Entsorgung der Trümmer musste Hofmann 90 000 Euro bezahlen. Insgesamt hat ihn das Feuer bereits 110 000 Euro gekostet. Vor diesem Hintergrund war rasch klar, dass es zu keinem Wiederaufbau kommen wird. Hofmann hat die Fläche an die Wohnungsbaugenossenschaft verkauft. Wichtig war ihm dabei, dass der Betreiber der Autowerkstatt noch mindestens zwei Jahre in dem Gebäude bleiben kann. „Er ist Anfang 60. Ein Neuanfang hätte sich für ihn nicht mehr gelohnt“. Diese Zusage habe die Wohnbau gemacht. Was dort später genau hinkommt, stehe noch nicht fest. Hofmann wünscht sich einen Bau, der sich städtebaulich gut einfügt.

Hofmann schätzt allein den Sachschaden auf 600.000 Euro

Der Betreiber des Anglerparadieses führt sein Geschäft an einem anderen Standort in Mindelheim weiter. Weiter geht es auch mit dem Coskun-Markt. Dessen Betreiber hat den Laden inzwischen gekauft. Johann Nepomuk Hofmann hat die Erfahrung machen müssen, dass es schwierig es sein kann, seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Die Brandschutzversicherung müsste einspringen. Sie wird das wohl auch tun. Bleibt nur die Frage, in welcher Höhe sie die Schäden ersetzt. Eine Wohnung zum Beispiel sei vor fünf Jahren komplett saniert worden. Sein Eindruck bisher: Die Versicherung will möglichst günstig davon kommen.

Bis zu drei Jahre nach der Tat kann Hofmann auch versuchen, den Schaden vom Täter einzutreiben. Dafür muss er einen Zivilprozess führen. Ob der Täter aber je gerade stehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Johann Nepomuk Hofmann macht sich da wenig Illusionen. Offenbar ist der heute 23-Jährige nicht vermögend und geht einer eher schlecht bezahlten Arbeit nach. Eine Privatinsolvenz lässt ihn die Schulden binnen sieben Jahren in jedem Fall loswerden. Auf über 600 000 Euro schätzt Hofmann allein den Sachschaden, der an den Gebäuden entstanden ist. „Als Hausbesitzer schaut man in die Röhre“, ärgert er sich. Aber es ist auch nicht irgendein Gebäude, das hier ein Raub der Flammen wurde. Für ihn ist mit der Straftat des 22-Jährigen auch ein Stück seiner eigenen Familiengeschichte zerstört worden. Mit Pferden und Ochsen hatte sein Urgroßvater eine Spedition in Mindelheim aufgebaut. Dort, wo es gebrannt hat, war zuletzt die Spedition Hofmann untergebracht, die zuerst in der Bad Wörishofer Straße ihren Firmensitz hatte. Hofmann besaß einen der ersten Lastwagen in Mindelheim. Anfang der 80er Jahre war daraus eine Autowerkstatt geworden. Wo heute Pepes Garage untergebracht ist, hat Hofmann vor 40 Jahren noch gelebt.

Johann Nepomuk Hofmann hat auch knapp ein Jahr nach der schweren Brandstiftung alle Hände voll zu tun. Seine 87-jährige Mutter kann er damit nicht mehr belasten. Die Opferperspektive, findet Hofmann, sei vor Gericht zu wenig berücksichtigt worden. Der materielle Schaden ist das eine, die psychischen Folgen für die Mieter das andere. Das sei zu wenig in die Waagschale geworfen worden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren