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Wirtschaft

18.10.2012

Chefs müssen loslassen können

Bei der VBS-Jahrestagung stand das Thema Unternehmensnachfolge im Fokus. Zu den Rednern gehörten (von links) Rüdiger Weiß, Reinhard Büchl, Moderator Rudolf Erhard, Sebastian Priller, Otto Heinz, Markus Blume und Bürgermeister Klaus Holetschek.
Bild: Franz Issing

Wie Betriebe erfolgreich übergeben werden. Wenn der Inhaber 55 Jahre alt ist, muss ein „Notfallplan“ vorliegen. Mittelständler kritisieren Erbrecht und Wertstoffgesetz

Bad Wörishofen Wie geht eine erfolgreiche Betriebsübergabe möglichst geräuschlos über die Bühne, welche Perspektiven haben Junior-Chefs angesichts der anhaltenden Euro-Finanzkrise? Mit diesen Fragen und dem aktuellen Thema „Die nächste Generation in Bayerns Familienunternehmen“ beschäftigten sich die etwa 250 Mitglieder des Verbandes der bayerischen Entsorgungsbetriebe (VBS) bei ihrer Jahrestagung im Steigenberger Hotel Der Sonnenhof. Wohl wissend, dass in Bayern in den nächsten fünf Jahren mehr als 20000 Betriebe einen neuen Chef suchen, suchten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion Wege aus der Krise: Markus Blume (Landtagsabgeordneter), Reinhard Büchl jun. (Büchl Entsorgungswirtschaft), Sebastian Priller (IHK-Vizepräsident) und VBS-Präsident Otto Heinz. Spätestens wenn der Betriebsinhaber 55 Jahre alt ist, muss ein Notfallplan her, sollte die Nachfolge geregelt sein, war einhellige Meinung. Als sinnvoll wurde erachtet, bei solcher Entscheidung einen Berater oder Mediator hinzuzuziehen. Wichtig sei auch, dass Betriebsnachfolger schon früh entscheiden dürfen. „Loslassen können“, mahnte auch Moderator Rudolf Erhard an, bevor heftige Kritik der VBS-Mitglieder am neuen Erbschaftssteuerrecht laut wurde. Es sei eine große Belastung für Mittelständler“, klagten sie.

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Heftige Kritik übte während der Tagung auch VBS-Präsident Otto Heinz – an dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz. Die Branche, größtenteils mittelständische Familienbetriebe, befürchtet, dass sie von der Erfassung der Sekundärrohstoffe weitgehend ausgeschlossen wird. „In Bayern“, ärgerte sich Heinz, „sind uns bereits erstmals bestehende gewerbliche Sammlungen untersagt worden“. Das geplante neue Wertstoffgesetz erläuterte im Detail Ministerialdirigent Thomas Rummler.

So hat das Bundesumweltministerium vor, eine Wertstofftonne einzuführen, um in Zukunft Verkaufsverpackungen und stoffgleiche „Nichtverpackungen“ zu erfassen. VBS-Präsident Heinz begrüßte diese Pläne. „Weil so etwa sieben Kilogramm zusätzliche Wertstoffe pro Einwohner und Jahr getrennt erfasst werden können“. Wichtig ist dem VBS jedoch, dass bei der Vergabe von Aufträgen für das Sammeln und Sortieren der Wertstofftonne faire Wettbewerbsregeln eingehalten werden. Alternativ zur Werkstofftonne billigte der VBS-Präsident auch den Wertstoffhöfen eine Existenzberechtigung zu. Voraussetzung: „Sie müssen entsprechend hohe Erfassungs- und Verwertungsquoten nachweisen“. Bayerns Umweltminister Marcel Huber wies in seiner Festrede auch auf die landesweite Aktion „Handys clever entsorgen“ hin, bei der im Mai und Juni 2012 etwa 70000 Altgeräte gesammelt wurden. Die Rohstoffausbeute war enorm: 17 Kilogramm Silber, 617 Kilogramm Kupfer und 264 Kilogramm Kobalt. (iss)

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