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Bad Wörishofen

26.07.2020

Corona-Krise: Zuversicht in Bad Wörishofen trotz hoher Einbußen

„Viele Hausaufgaben“ habe ihm die Corona-Krise beschert, sagt Bad Wörishofens neuer Kämmerer Tim Hentrich.
Bild: Franz Issing

Plus Die Pandemie kommt auch in Bad Wörishofens Stadtkasse an – mit schmerzlichen Entwicklungen bei den Einnahmen aus Gewerbesteuer und Einkommenssteuer etwa. Warum der neue Kämmerer trotzdem optimistisch ist.

Die Corona-Krise macht auch der Stadt Bad Wörishofen zu schaffen. Alleine bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer werden wohl 20 Prozent der erwarteten Gelder nicht kommen. Diese Zahl nennt Tim Hentrich, der neue Kämmerer der größten Stadt des Landkreises Unterallgäu. Dabei hatte seine Vorgängerin Beate Ullrich die erwarteten Einnahmen schon im Frühjahr nach unten korrigiert.

Zur Erinnerung: Im Vorjahr nahm Bad Wörishofen die Rekordsumme von 11 Millionen Euro ein. Heuer hatte man mit 8,5 Millionen gerechnet, Ullrich korrigierte diesen Wert nach Gesprächen mit Unternehmern auf 7,5 Millionen Euro. Aber auch das wird nicht erreicht. Zuletzt war von 6,5 Millionen Euro die Rede.

Bei der Einkommenssteuer macht sich die Krise ebenfalls bemerkbar

Hentrich rechnet für 2020 zudem mit Einkommenssteuer-Ausfällen in Höhe von 650.000 Euro, die es zu kompensieren gilt. „Dies einzufädeln, ist eine meiner vielen Hausaufgaben“, bemerkt er. Die Corona-Krise macht dem 36-Jährigen große Sorgen. „Nicht nur wegen der zu erwartenden Steuerausfälle, schon eher weil die finanzielle Situation in dem mit einem Volumen von 44,7 Millionen Euro veranschlagten Haushalt der Stadt die Einnahmen wie auch Ausgaben unkalkulierbar macht“, fürchtet er und nennt Gründe: „Da fallen unabwendbare Kosten und Aufgaben, wie zum Beispiel für Hygienemaßnahmen an“.

Der Kämmerer sagt aber auch: „Im Vergleich mit anderen bayerischen Kommunen sieht es für Wörishofen gar nicht so schlecht aus“. Schließlich habe man beizeiten vorgesorgt und bei den zunächst im Haushalt angedachten Einnahmen in Höhe von 8,5 Millionen Euro bereits Einbußen von einer Million Euro eingeplant. „Da die Bundesregierung für Bayern Ausgleichszahlungen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro angekündigt hat, von denen auch Wörishofen profitiert, kommen wir mit einem blauen Auge davon, bleibt uns ein Minus erspart“, ist sich der Kämmerer sicher.

Das sagt der neue Kämmerer Bad Wörishofens zur Mehrwertsteuersenkung

Apropos Etat 2020, für den das Landratsamt bereits Genehmigung erteilt hat. Die Auflagen der Aufsichtsbehörde sind mit denen des Vorjahres identisch. Bis Ende September muss die Stadt einen Zwischenbericht vorlegen. „In Corona-Zeiten nur logisch“, findet der Chef der städtischen Finanzverwaltung, der auch nicht verleugnet, dass die Senkung der Mehrwertsteuer durch die Bundesregierung eine „ungeheure Belastung“ mit sich bringt und für ihn auch der Strukturwandel in der Gesellschaft mit all seinen Auswirkungen auf Wohnungsmarkt und Einzelhandel eine große Herausforderung ist.

Seine berufliche Zukunft bei der Stadt Bad Wörishofen sieht Hentrich aber durchaus rosig. „Allein schon wegen des hier geltenden Gewerbesteuer-Hebesatzes von 240 Prozent“, wie er sagt. Der neue Kämmerer sieht sich als partnerschaftlicher Dienstleister für Unternehmer und Bürger, der mit offenen Karten spielt. „Bei mir gibt es keine Hintertürchen, niemand wird über den Tisch gezogen, Objektivität und Unvoreingenommenheit sind mir sehr wichtig“, versichert er. Der 36-Jährige tritt die Nachfolge von Beate Ullrich an, die nahezu 15 Jahre über die Finanzen der Kneippstadt wachte und als Bürgermeisterin nach Wolfertschwenden wechselte. Hentrich ist Diplom-Finanzwirt und zog 2009 aus beruflichen Gründen von Sachsen-Anhalt nach Bayern. Beim Finanzamt München war Hentrich zunächst als Betriebsprüfer für gemeinnützige Unternehmen und Einrichtungen der öffentlichen Hand tätig.

Mit Anzug und Gummistiefeln im den Kuhställen unterwegs

Anno 2013 wechselte er dann zur Steuerbehörde in Memmingen, wo er die Steuererklärungen von Land- und Gastwirten wie auch von Vereinen genau unter die Lupe nahm und auch für das personelle Risiko-Management zuständig war. Schmunzelnd erinnert sich Hentrich an die Zeit, als er bei Landwirten im Anzug und mit Gummistiefeln Kuhställe, deren technische Einrichtungen und Angaben zur Milchproduktion überprüfte. Und noch eine lustige Anekdote aus seinem früheren Berufsleben gibt er zum Besten. In München prüfte er die Unterlagen eines angesehenen italienischen Gastwirtes – der ihn dann plötzlich als Mann für seine Tochter ins Spiel brachte. Hentrich lehnte das Angebot dankend ab, er ist glücklich liiert.

Hentrich wohnt in Erisried, ist verheiratet, hat vier Kinder, engagiert sich im kirchlichen Leben der Pfarrei und ist stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender in Stetten. Im März wurde er von der Stadt Bad Wörishofen als stellvertretender Kämmerer eingestellt, nun leitet er die Abteilung. Außerdem ist Hentrich für die Wirtschaftsförderung zuständig.

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