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Adventsserie

14.12.2016

Da waren es plötzlich drei

Agathe Schmidberger und Aloisia Brückle kennen sich schon sehr lange: „Über 40 Jahre schon“, schätzen die beiden Damen, die sich regelmäßig gegenseitig besuchen.
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Agathe Schmidberger und Aloisia Brückle kennen sich schon sehr lange: „Über 40 Jahre schon“, schätzen die beiden Damen, die sich regelmäßig gegenseitig besuchen.
Bild: Manuela Frieß

Eine Hausnummer 14 zu finden, ist schwieriger als gedacht. Bis man auf die Schmidbergers trifft, die von ihrer großen Leidenschaft erzählen.

Hausnummern gibt es doch unendlich viele. Eine Nummer 14 zu finden, sollte also im Bereich des Möglichen liegen. Aber weit gefehlt. Auf einem noch nicht bebauten Platz im Neubaugebiet herrscht gähnende Leere. Ein aufgelassener Hof verströmt Verfall und Einsamkeit und bei einer anderen Nummer 14 macht einfach niemand auf. Egal wieviel geklopft und geklingelt wird und obwohl das Auto vor der Tür steht.

Wie gut, dass es in Breitenbrunn Agathe Schmidberger gibt: Die Hausnummer fotografieren? „Kein Problem“, sagt sie. Aber auch was erzählen? Das weiß sie noch nicht so genau, sie lebe jetzt zwar schon über 50 Jahre hier, aber ihr falle ja gar nichts ein, meint sie. Jedenfalls lädt sie herzlich auf ein Glas selbst gemachten Traubensaft in ihre gute Stube ein, in der bereits ihre beste Freundin Aloisia sitzt.

Schon als Kind faszinierten ihn die Traktoren des Opas

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Aloisia Brückle kenne sie schon seit über 40 Jahren, sie haben sich über ihren Mann Karl kennengelernt, der auch für die Freundin aus Bedernau oftmals eine große Hilfe war. „Karl Schmidberger war immer der Mann für alles, der konnte mit Holz umgehen, mit Metall und auch mit elektrischen Sachen“, weiß die Frau aus Bedernau. Und nachdem ihr eigener Mann schon vor 40 Jahren starb, kümmerte er sich auch im Nachbardorf manchmal um dringende Reparaturen in Haus und Garten. Und nach der Geschichte um die Suche nach der Hausnummer 14 fällt ihr auf: „Da kann ja auch niemand aufmachen, ich bin ja hier!“ Und das Auto stehe deshalb dort, weil sie ja – wie so oft – gelaufen sei, erklärt sie und lacht herzlich über den kuriosen Zufall.

In der Zwischenzeit kommt auch Agathe Schmidbergers Enkel Christian hinzu, der sich in Breitenbrunn wie zu Hause fühlt. Schon als kleiner Bub ging er bei Oma und Opa ein und aus, und seine Lieblingsbeschäftigung dort? „Dem Opa bei den alten Bulldogs helfen“, verrät er. Denn Opa Karli war zwar gelernter Landwirt, aber seine große Liebe galt alten Maschinen. Dadurch hat sich in der Scheune der Schmidbergers mittlerweile ein ganzer Fuhrpark angesammelt, denn die Leidenschaft für Oldtimertraktoren und Ähnliches hat sich auch auf Sohn Gerhard und den Enkel ausgeweitet. Neben Eicher, Porsche oder Ford, Christian Schmidbergers Lieblingsstück: ein orangefarbener Allgeier Baujahr 50. Nicht nur, weil er top in Schuss ist, sondern auch, weil er mit 37 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit zu den schnelleren Modellen zählt und man so nicht stundenlang zu den Oldtimer-Treffen fahren muss. Ganz einfach!

Mit dem Oldtimer nach Ungarn

Mit den Oldtimer-Freunden Zaisertshofen gehen Christian Schmidberger und Vater Gerhard gerne mal auf Treffen in der Umgebung. Genügend Auswahl an Fahrzeugen haben sie ja und in den letzten Tagen sind sogar noch drei weitere hinzugekommen. „Die muss man aber noch auf Vordermann bringen“, erklärt Gerhard Schmidberger, der schätzt, dass man in jeden der Traktoren locker um die drei Monate Arbeit investieren muss. Dass sein Sohn Metallbauer im Bereich Konstruktionstechnik ist, kommt da sehr gelegen.

Seit dreieinhalb Jahren lebt Karl Schmidberger nicht mehr, seine alten Maschinen jedoch werden von der Familie weiterhin gut gehegt und gepflegt. Enkel Christian erzählt außerdem vom fast vierwöchigen Ausflug des Großvaters mit einem seiner Oldtimer-Traktoren nach Ungarn: „Dafür hat er sich 2001 so etwas wie einen Schäferwagen gebaut, mit Sitzecke, kleiner Küche und Schlafgelegenheit.“ Und auf dem Schild hinten am Wagen stand sein Lieblingsspruch: „Land ui Zeit!“

Ein weiser Rat, denn nachdem die Familie noch ein wenig mehr erzählt hat, kommt Oma Agathe auf einmal in den Sinn: „Mir fällt gerade ein, dass mein Sohn Gerhard auch in einem Haus mit der Nummer 14 wohnt, zwar in Babenhausen, aber auch eine 14!“

Da waren es plötzlich schon drei Leute mit der gleichen Hausnummer. Das kommt also dabei raus, wenn man sich Zeit lässt.

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