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Nahverkehr

01.10.2018

Der Osten fühlt sich beim Flexibus abgehängt

„Die Politiker aus Kreis und Land sind hier gefordert.“Stop an der Grenze zum Ostallgäu für den Flexibus des Landkreises Unterallgäu? Für Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer widerspräche dies den tatsächlichen „Lebenswirklichkeiten“. Führer fordert Nachbesserungen beim Konzept. <b>Foto: alf</b>
Bild: alf

Heute startet im Raum Kirchheim der Flexibus im Landkreis. Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer sieht Defizite im Konzept und fordert, dass künftig auch das Mittelzentrum Buchloe angefahren wird

Wiedergeltingen Gerade mal 1000 Meter Luftlinie trennen die Gemeinde Wiedergeltingen mit dem Ortsteil Galgen vom Ortsrand der Stadt Buchloe. Dass es hier enge Verknüpfungen gibt, versteht sich von selbst: Zur Arbeit, zum Arzt, zur Bank, zum Bahnhof, zur Freizeitgestaltung – wer im Osten des Landkreises Unterallgäu lebt, der orientiert sich automatisch auch zum Mittelzentrum Buchloe im nahen Landkreis Ostallgäu.

Für Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer ist und bleibt es daher ein Unding, dass bei der Einführung des Flexibusses durch den Landkreis Unterallgäu dieser „Lebenswirklichkeit“ nicht Rechnung getragen werde. Von Beginn an kämpfte Führer und sein Bürgermeisterkollege Peter Kneipp aus Amberg auf Landkreisebene dafür, dass der Flexibus auch nach Buchloe fahren kann – bislang leider vergeblich, wie Führer bedauert.

Doch er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben und will weiter dafür kämpfen, dass der neue Flexibus nicht an der Landkreisgrenze kehrt machen muss: „Ein Flexibus, der in unserem Ortsteil Galgen sozusagen an der Landkreisgrenze umdreht und die im Ostallgäu liegende Stadt Buchloe nicht mit anbindet, ist keine Lösung für die Gemeinde Wiedergeltingen“, so die Aussage des Bürgermeisters.

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Der Ortsteil Galgen der Gemeinde Wiedergeltingen liegt Luftlinie nur gut 1000 Meter vom Ortsrand der Stadt Buchloe entfernt. Dennoch gibt es derzeit noch keine Lösung, wie die Bürger mit dem landkreisweiten Flexibus diese Entfernung überbrücken können.

Für Bürgermeister Norbert Führer ist das ein Dorn im Auge: „Die Hauptverkehrsströme in unserer Gemeinde bewegen sich in Richtung Buchloe. Das gilt sowohl für die Berufspendler, die mit der Bahn nach München oder Augsburg zur Arbeit fahren als auch für Fahrten zum Einkaufen oder zum Arzt. Hier sind die Politiker aus Kreis und Land gefordert“, sagt Führer.

Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, hat sich Führer in einem Schreiben sowohl an den Landrat als auch an führende Politiker auf Landesebene gewandt. „Generell ist die Idee des Flexibusses durchaus zu begrüßen“, so der Wiedergeltinger Rathauschef, „aber die Randgemeinden des Landkreises dürfen hierbei aufgrund eines fehlenden landkreisüberschreitenden Konzeptes nicht abgehängt werden.“

Bürgermeister Norbert Führer hofft, dass in zeitnahen Gesprächen zwischen den Beteiligten konstruktive Lösungsansätze zur Erweiterung der Flexibusknoten auch über die Landkreisgrenzen hinaus gefunden werden können.

„Grundsätzlich“ hält auch Ambergs Bürgermeister Peter Kneipp den Flexibus für „eine gute Sache“. Ob der Bedarf aber wirklich gegeben ist, sieht Kneipp skeptisch. „Die Wabe des Flexibussystems im östlichen Landkreis endet bislang an der Landkreisgrenze zum Ostallgäu. Die Amberger etwa tendieren zur Hälfte nach Türkheim und zur Hälfte nach Buchloe (Einkaufen, Ärzte usw.). Möglicherweise ist der Anteil in Richtung Buchloe sogar höher wegen höherer Arztdichte, Krankenhaus und Bahnhof“, so Kneipp.

Eine Schwäche sieht Kneipp darin, dass Buchloe vom Flexibus nicht angefahren werde. Und bei Einführung des Flexibusses im östlichen Landkreis entfalle dann auch das Rufbussystem der Linie 910. Kneipp: „Wir sind dann wieder auf einige wenige Linienbusse nach Buchloe beschränkt. Diese dienen in erster Linie der Schülerbeförderung.“

Auch Ettringens Bürgermeister Robert Sturm hält wie berichtet die Anbindung aus den Gemeinden Türkheim, Ettringen, Amberg oder Wiedergeltingen für „noch verbesserungsfähig“. „Ich hoffe, dass weitere Knoten zügig gebildet werden. Unserer wäre Türkheim/Markt Wald Ettringen bzw. die Wertachachse“, so Sturm.

„Eine Verbindung zur Stadt Bad Wörishofen“ wäre aus Sicht von Türkheims Bürgermeister Christian Kähler „wichtig“, der die Diskussion der Gemeinden im östlichen Bereich des Landkreises und den Wunsch, Buchloe mit anzubinden, daher auch „verstehen kann“ (MZ berichtete).

Der Raum Kirchheim, Pfaffenhausen, Salgen, Oberrieden, und Eppishausen geht am heutigen 1. Oktober an den Start. Die Firma BBS Brandner Bus Schwaben Verkehrs GmbH wird dann mit Kleinbussen, die Platz für bis zu acht Fahrgäste bieten, Menschen von 6 bis 19 Uhr auf Anforderung befördern. Auch ein bis zwei Rollstuhlplätze sind in den Bussen vorhanden. An den Wochenenden geht es morgens um 7 Uhr los und endet am Abend um 18 Uhr. Es gibt keinen festen Fahrplan, sondern ein Rufsystem. Im Raum Mindelheim und Dirlewang wird es 209 Haltestellen geben.

Für den Flexibus wurde ein Wabensystem entwickelt. Ein oder zwei Orte bilden eine Wabe. Wer mehrere solchen Waben durchfahren will, um etwa von Eppishausen nach Pfaffenhausen befördert zu werden, muss mehr bezahlen, als wenn er nur eine kürzere Fahrstrecke wählt. Der Preis beginnt bei 2,20 Euro für eine einfache Fahrt innerhalb einer solchen Wabe. Neun Euro kostet es, wenn acht Gebiete durchfahren werden. Es gibt auch Sechserfahrkarten.

Der Flexibus versteht sich als Ergänzung zu den bestehenden Angeboten. Die Schiene deckt die Strecke in Ost-West-Richtung und nach Norden ab. Daneben gibt es die Buslinien, etwa zwischen Türkheim und Bad Wörishofen oder zwischen Mindelheim und Kaufbeuren oder zwischen Mindelheim und Krumbach. Dort verkehren die Busse im Stundentakt, allerdings nicht abends und an den Wochenenden.

Dieses neue Angebot ist dem Landkreis und den beteiligten Gemeinden einiges wert: Je nachdem, wie viele Fahrgäste das neue Angebot nutzen, sind das für den Knoten Kirchheim-Pfaffenhausen mit den Orten Breitenbrunn, Eppishausen, Oberrieden und Salgen laut den Prognosen von Josef Brandner von der Flexibus KG aus Krumbach zwischen 100000 und 140000 Euro im Jahr.

Für den neuen Knoten Mindelheim mit den Orten Apfeltrach, Dirlewang, Kammlach und Unteregg sind es laut Manuel Steber vom Busunternehmen Steber voraussichtlich zwischen 130000 und 170000 Euro im Jahr.

Für Landrat Hans-Joachim Weirather beginnt am 1. Oktober mit dem Start des Flexibusses gar eine „neue Ära im öffentlichen Personen-Nahverkehr des Landkreises“.

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