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01.07.2010

Die Stadt steigt auf die Bremse

Mindelheim Für die einen sind sie die Zukunft schlechthin, weil sie ein wichtiger Baustein für umweltfreundliche Energiegewinnung sein können. Für andere sind sie vor allem eine Verschandelung der Allgäuer Hügellandschaft. Die Rede ist von Photovoltaikanlagen auf Acker- und Wiesenflächen, mit deren Hilfe umweltfreundlicher Strom erzeugt werden kann. Der Stadtrat von Mindelheim ist jetzt erst einmal ordentlich auf die Bremse getreten. Mit 14 gegen sieben Stimmen lehnte er vier Vorhaben südlich und nördlich der A96 bei der Ausfahrt Mindelheim ab.

Vor wenigen Wochen war bereits eine Anfrage der Ulmer Joos Energie Consulting GmbH eingegangen. Damals ließ der Stadtrat zwar mehrheitlich Sympathie erkennen, bei Mindelau eine solche Anlage zuzulassen. Jetzt lehnte er aber ab.

Zwischenzeitlich war auch die Allgäu Energie AG auf den Plan getreten. Auf der Gemarkung Gernstall sollte ebenfalls auf mehreren Hektar aus Sonnenergie Strom gewonnen werden. Auch dazu kommt es nun nicht.

Klare Ablehnung übermittelten die Ortssprecher. Erwin Bufler aus Gernstall sagte, die Flächen gehörten fünf Eigentümern. "Keiner ist bereit zu verpachten." Es handele sich um landwirtschaftlich besonders wertvolle Böden. Die Bauern fürchteten, dass sie keine Ersatzflächen bekommen könnten. "Wir sind dagegen. Das ist eine Verschandelung der Allgäuer Landschaft."

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Landwirte in Heimenegg empört

Georg Ritter sagte, dass die zehn Landwirte in Heimenegg empört seien, dass überhaupt in Erwägung gezogen werde, solche Anlagen zu genehmigen. Es trage nicht zum Frieden bei, wenn Bauern und Energieerzeuger gegeneinander ausgespielt würden. Hubert Klaus sagte, auf Mindelauer Flur seien solche Anlagen nicht gewünscht. Die Flächen seien für den Kiesabbau vorgesehen. So solle es bleiben.

Für die CSU erklärte Christoph Walter, er gebe viel auf die Meinung der Ortssprecher und der Bevölkerung. Richtung Memmingen an der Autobahn könne er sich Freiflächenanlagen vorstellen. Vorrang sollten aber Dächer von Gewerbebetrieben haben.

Ingrid Friedrich ( SPD) meinte, der Kiesabbbau bei Mindelau sollte Vorrang haben. "Sonst reißen wir woanders wieder Löcher auf." Nördlich der Autobahn westlich und östlich der Bundesstraße könnte sich die SPD eine Freianlange vorstellen.

Hans-Georg Wawra (Freie) betonte zwar, die energieautarke Stadt sei Ziel. Aber die gewachsenen Strukturen der Landwirtschaft müssten geschützt, gehegt und gepflegt werden. Milchbauern könnten die Leidtragenden sein. Dächer sollten erste Priorität haben.

Hannelore Lutzenberger (BG) sieht in solchen Freiflächenanlagen keinen Vorteil für Mindelheim. Die mögliche Erweiterung eines Gewerbegebietes verbaue man sich, die Landschaft werde verbaut. "Die Dächer müssen genügen."

Klare Befürworter von Sonnenergie sind Rosina Rottmann-Börner (ödp) und Josef Doll (Grüne). Eigentumsverhältnisse könnten sich ändern, sagte Rottmann-Börner. Doll meinte, Freiflächenanlagen seien ein geringes Übel vor dem Hintergrund, dass fossile Energieträger sehr teuer werden. (jsto)

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