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Unterallgäu

22.11.2019

Dr. Steinbigler, warum ist eine Grippe so gefährlich?

Chefarzt Dr. Peter Steinbigler schreibt nebenbei Kolumnen über gesundes Leben. Seine besten Beiträge sind jetzt in einem Buch erschienen.
Foto: Stoll

Betroffene sollten sich vor allem auskurieren, rät der Mindelheimer Chefarzt Dr. Peter Steinbigler. Welche dramatischen Fälle er schon erlebt hat.

An diesen Notfall erinnert sich Chefarzt Innere Medizin Dr. Peter Steinbigler noch mit Schrecken, so als wäre es erst gestern gewesen. Eine Patientin war mit schweren Symptomen in die Notaufnahme am Kreisklinikum in Mindelheim eingeliefert worden. Sie war so geschwächt, dass sie nur dank einer künstlichen Lunge ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden konnte, dass sie am Leben blieb. Die schwere Erkrankung war Folge einer verschleppten Grippe.

Gottlob geht es hier heute wieder gut dank der raschen Hilfe. Die künstliche Lunge übrigens war extra nach Mindelheim geschafft worden. Ein eigenes solches Gerät gibt es in der Kreisstadt nicht, weil es zu selten benötigt würde.

Jetzt in der kalten Jahreszeit ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder eine Grippewelle grassiert. Gemeint ist nicht die normale Erkältung mit Schnupfen, Husten und kratzigem Hals. Es geht um die hoch infektiöse Virus-Erkrankung Grippe. Der Chefarzt der Inneren Medizin am Mindelheimer Krankenhaus sagt, in den allermeisten Fällen verläuft eine Grippe ohne Folgewirkungen. Allerdings sollten sich Erkrankte unbedingt schonen. „Hier gilt Extrem-Couching“, also eine strikte Bettruhe. So schlagartig eine Grippe einen Betroffenen heimsucht, so lang dauert es am Ende, bis sie wieder auskuriert ist.

Chefarzt Dr. Steinbigler: Grippe-Viren ändern sich regelmäßig

Etwa alle sieben Jahre ändern sich die Grippe-Viren, sodass es dann besonders schwierig ist, den richtigen Impfstoff zu bekommen. Taucht ein neuer Grippe-Typus neu auf, bekommt er einen Namen nach der Herkunft: Honolulu-Grippe, Asien-Grippe oder Spanische Grippe. Letztere wütete übrigens in drei Wellen und war 1918 ausgebrochen. 25 bis 50 Millionen Menschen starben weltweit an den Folgen dieser Grippe.

Drei bis vier Wochen müssen die Betroffenen Geduld haben. Diese Zeit sollten sie sich unbedingt nehmen, sagt Steinbigler. Wen die Grippe niedergeworfen hat, dessen Körper ist so geschwächt, dass auch Bakterien leichtes Spiel haben.

Wer sich nicht schont, muss mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen rechnen. Eine Herz-Muskel-Entzündung wäre eine der schlimmsten Folgen. Bei einer Grippeerkrankung sei immer der Herzmuskel beteiligt. „Es gibt Fälle, in denen es zu einer messbaren Herzschwäche kommt“, sagt der Mediziner. Wasser könne sich in der Lunge stauen.

Auch bei einem EKG, mit dem die elektrische Aktivität des Herzens gemessen wird, lassen sich die Folgen für den Herzmuskel nachweisen. Dauerhafte Narben am Herzen könnten auftreten. Und in extrem seltenen Fällen waren sogar schon Herztransplantationen notwendig.

Ungeduld kann einem bei einer Grippe teuer zu stehen kommen

Besonders gefährdet sind die Ungeduldigen, die sich im Beruf für unersetzbar halten und „Sportler, die meinen, trotz Grippe unbedingt in der Kreisliga Fußball spielen zu müssen“. Sie laufen Gefahr, eine Grippe zu verschleppen.

Überhaupt findet Steinbigler, dass es manche Selbstoptimierer an ihrer Fitness in Schwaben tendenziell eher übertreiben. Da wird eisern und diszipliniert gelaufen, auch wenn man eigentlich ins Bett gehört.

Die Leute sollten eher schauen, dass sie mal zur Ruhe kommen. Und mit einem Augenzwinkern fügt der Arzt an, der aus München stammt: Bei den Oberbayern seien die Risiken anders verteilt. Sie sitzen gemütlich vor ihrem Weißbier mit Schweinshaxe. „Und das ist für die Gesundheit auch nicht gut“.

Um sich das hochinfektiöse Grippe-Virus erst gar nicht einzufangen, spielt Handhygiene eine entscheidende Rolle. Es empfiehlt sich, regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen. In Grippezeiten sollte möglichst auch auf das Händeschütteln verzichtet werden.

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