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Partnerschaft

30.05.2017

Erst Nachbarn, dann Freunde und Brüder

Eine Laterne für Cossé-le-Vivien mit (von links) Brigitte Dolp ,Christophe Langouet, Julie Daudin-Houssemagne und Johannes Ruf.

Tussenhausen und Cossé-le-Vivien lassen die länderübergreifende Freundschaft hochleben

Freunde finden immer einen Grund, Feste zu feiern – ob Geburtstag, Hochzeit oder Jubiläum. Auf die Partnerschaftsgemeinden Tussenhausen im Unterallgäu und Cossé-le-Vivien im Départment Mayenne in Frankreich treffen alle drei Begebenheiten zu. Am Wochenende feierten sie gemeinsam in der Festhalle in Mattsies den 30. Geburtstag ihrer Partnerschaft, laut dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt „eine politische Liebesehe von Gemeinden“ und das 30-jährige Bestehen ihrer Freundschaft. Sie sind der Überzeugung: „Wo Begegnung ist, wächst Verständnis, wo Verständnis ist, wächst Freundschaft, wo Freundschaft ist, wächst Frieden!“

Bürgermeister Johannes Ruf sagte: „Die Saat dieses Gedankens ist gerade in der Partnerschaft von Cossé-le-Vivien und dem Markt Tussenhausen in reichem Maße aufgegangen, ganz im Sinne vom Rat der Gemeinden und Regionen, der 1950 gegründet wurde.“ Das Ziel war, kommunale Partnerschaften zu initiieren, um einen Anfang in Europa zu schaffen und Versöhnung und Völkerverständigung zu erreichen. So stand auf dem Programm zum Festabend, der „Soirée festive“: „Gestern waren wir Nachbarn, heute sind wir Freunde, morgen werden wir Brüder sein.“ Das brachten auch die beiden Moderatoren zum Ausdruck, Isabella Nieberle in deutscher und Andreas Schuster in französischer Sprache. Alle Reden wurden zweisprachig vorgetragen, denn immerhin waren 73 Franzosen angereist, einer mehr als beim ersten Treffen vor 30 Jahren.

Entsprechend gut war die Stimmung in der Festhalle. Glückwünsche und Grüße von Landrat Hans-Joachim Weirather überbrachte seine Stellvertreterin Marlene Preißinger. Die Partnerschaftstreffen finden alle fünf Jahre im Wechsel der Gemeinden statt. Dafür sorgen die Präsidentinnen der Partnerschaftskomitees, Brigitte Dolp und Julie Daudin-Houssemagne. Die Bürgermeister Johannes Ruf und Christophe Langouét sagten herzlich Danke. Langouét betonte: „30 Jahre bedeuten gleichzeitig Jugend und Reife und sind ein Synonym für Stabilität und Enthusiasmus.“

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Es sei der Wunsch von Alfons Kerler gewesen, der fest geglaubt habe, dass so eine Partnerschaft möglich sein könne und müsse. Er glaube an die Menschen und die notwendigen Treffen mit dem Fremden, mit dem, was man nicht kenne, der anders sei und dazu zwinge, ein wenig auf die Gewohnheiten und Gewissheiten zu verzichten. So hätten die beiden damaligen Bürgermeister Alfons Kerler und Henri Leroyer die Partnerschaft initiiert und getragen, durch die „heute die Deutschen und Franzosen in Tussenhausen beisammen sind um dieses Jubiläum der Brüderlichkeit zu feiern.“ Er äußerte den Wunsch, diese Partnerschaft möge noch lange Zeit Geschichte schreiben: „Auf dass sie für uns und unsere Kinder weiterhin ein Beitrag zu einer friedlichen und freien Welt leistet und zum Zusammenhalt unserer Welt, wie ein Schutzwall gegen die auf uns lauernden Gefahren. Es lebe Deutschland, es lebe Frankreich, es lebe Europa!“

Alfons Kerler sprach in seiner Festrede von den Anfängen dieser länderübergreifenden Freundschaft. Dabei zeigte er bewegende Bilder aus den vergangenen drei Jahrzehnten. „Im kulturellen, sportlichen und wirtschaftlichen Bereich sind vergleichbare Gegebenheiten in beiden Gemeinden vorhanden“, sagte er. „Auch die Bevölkerung weist ähnliche Charakterzüge auf, die eine ehrliche und dauerhafte Freundschaft ermöglichen lassen.“ Der Dank für das Jubiläum sei gleichzeitig ein Bekenntnis zu der gemeinsamen Aufgabe, „die wir für uns und unsere Kinder lösen wollen und sollen, weil wir dies für unsere Zukunft dringend brauchen – den Frieden und Freundschaft unter den Völkern.“ Dies solle man nicht nur der großen Politik überlassen.

Julie Daudin-Houssemagne rief den Menschen im Saal zu: „Lang lebe die Partnerschaft!“ Brigitte Dolp drückte es so aus: „Ist das Herz geöffnet, ist die Sprache kein Hindernis.“ Das bewiesen die herzerfrischenden Einlagen der Schüler der Grundschule Tussenhausen. Sie sangen und spielten nicht nur „Feuerwehr“, sie begrüßten die Gäste fröhlich mit „Bonjour, Bonjour“. Die Minis der Faschingsgesellschaft Mattiessonia zeigten einen rasanten „Bayerischen Tanz“, den viele Gäste beim zweiten Mal mitmachen „mussten“. Eine Gaudi für sich.

Akrobatisch war die Tanzeinlage von „Joy 2 Dance“ aus Zaisertshofen. Der Theaterverein Zaisertshofen mit Willibald Zaunberger (deutscher Radler), Ferdinand Wilhelm (französischer Straßenkehrer) und Hermann Mautz (französischer Polizist) brachte einen Sketch zum Besten, der die Annäherungen zwischen beiden Nationen auf sehr humorvolle Weise darstellte. Sprachschwierigkeiten? I wo! Bei einer deftigen Brotzeit konnte alles geregelt werden. Diese fand unter einer Laterne statt, die sich als Geschenk für die Gäste entpuppte.

Eine künstlerische Darstellung der 30 Jahre mit den Farben der beiden Länder, die sich in der Blütenmitte vermischen, war das Gastgeschenk aus Cossé-le-Vivien. Als die Delegation mit brennenden Kerzen langsam auf die Bühne ging und die Europahymne sang, kam Gänsehautgefühl auf, das sich zum Schluss des offiziellen Festabends durch das gemeinsame Singen der Marseillaise, der deutschen und der europäischen Hymne noch verstärkte.

Für den frischen Übergang zum Feiern sorgte das Mini-Prinzenpaar der Zaisonarria mit seinem Prinzenwalzer. Für erhebende Momente hatte bereits am Donnerstagabend der festliche Gottesdienst mit Pfarrer Richard Dick in der Kirche St. Martin in Tussenhausen gesorgt. Tagesausflüge nach Oberstdorf, in die Breitachklamm und zum Bauernhofmuseum Illerbeuren waren weitere Höhepunkte des Treffens. Hermann Götzfried, der sich von Anfang an für diese Freundschaft einsetzte, überreichte Freundschaftsbanner. Für die umrahmende und unterhaltende Musik sorgte der Musikverein Mattsies.

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