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Bad Wörishofen

01.08.2020

Es war einmal ein Weihnachtsmärchen...

Damals noch miteinander: Siegfried Unsin (links) und Stefan Welzel, der als 2. Bürgermeister vor einem Jahr den „Blütenzauber“ in der Innenstadt eröffnete.

Plus Siegfried Unsin als selbst ernannter Organisator von Märchenwald, Osterhof und Blütenzauber ist sauer, weil ihm die Stadt die finanzielle Unterstützung für seine vielfältigen Aktionen verweigert. Jetzt will er hinschmeißen.

Siegfried Unsin ist sauer – auf den Stadtrat Bad Wörishofen und hier speziell auf die Mitglieder des Tourismusausschusses. Und auch auf Bürgermeister Stefan Welzel, auf den er – anders als auf Welzels Vorgänger Paul Gruschka – bis vor Kurzem noch große Stücke hielt. Grund für Unsins Ärger: Die zwölf Mitglieder des Ausschusses für Kur, Tourismus und Wirtschaft haben ihm seinen Wunsch auf finanzieller Unterstützung verweigert. Mit dem Geld hätte Unsin nach eigener Aussage gerade mal die Unkosten für die zahlreichen Attraktionen decken können, die er seit Jahren in der Bad Wörishofer Innenstadt organisiert.

Vom Winterwald bis zum Blütenzauber in der Bad Wörishofer Innenstadt

Vom Weihnachtsmärchen-Winterwald bis zur Osterhasen-Schule samt Osterhasen-Praktikum, Osterhof und Osterküken bis hin zum Blütenzauber reicht die Palette an meist farbenfrohen Attraktionen, die immer wieder ein interessiertes Publikum nach Bad Wörishofen locken. Vom Erfolg seiner Initiativen ist der rührige Goldschmiedemeister überzeugt: Die Innenstadt werde belebt und den Kunden, Besuchern und Kurgästen werde dadurch ein Mehrwert geboten.

Lesen Sie dazu auch: Die Kurstadt Bad Wörishofen braucht mehr Unsins

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Schon in den vergangenen Jahren hat Siegfried Unsin daher mehrfach bei der Stadt angeklopft und hatte um finanzielle Unterstützung gebeten. Weil ihm die von ihm erhofften Zuschüsse aber nicht in der gewünschten Höhe ausbezahlt wurden, kam es zuletzt auch bei der Eröffnung des Märchenwaldes im vergangenen Dezember zum Eklat: Nach massiver Kritik des Märchenwald-Erfinders Siegfried Unsin warf der damals noch amtierende Bad Wörishofer Bürgermeister Paul Gruschka (FW) Unsin „unerfreuliches Wahlkampfspektakel“ vor und sah sein eigenes sowie das Ansehen von Kämmerin Beate Ullrich beschädigt. Bedauerlich sei, dass die „schöne Idee des Weihnachtsmärchenwaldes von solchen Vorkommnissen überschattet“ werde, so Gruschka damals in einer Presseerklärung.

Noch gemeinsam eröffneten der damalige Bürgermeister Paul Gruschka und Siegfried Unsinn im Juni des vergangenen Jahres mit weiteren Gästen den Blütenzauber am Denkmalplatz. Schon beim Winterzauber im Dezember war es dann vorbei mit der Einigkeit.

Der Zoff zwischen Unsin und Gruschka ließ danach auch im Stadtrat die Wellen hochschlagen: für die CSU-Stadtratsfraktion habe Bürgermeister Gruschka „dem Neutralitäts- und Sachlichkeitsgebot“ nicht ausreichend Genüge getan, so der damalige 2. Bürgermeister Stefan Welzel. Statt eines öffentlichen Streits zwischen Bürgermeister Gruschka und Siegfried Unsin sollte man seitens der Stadt zielführende und zukunftsfähige Lösungen der Kooperation von Kommune und Unternehmern finden, forderte damals die CSU. Es sei „schade, dass offenbar auch hier fehlende Entscheidungen und Koordinierungen Grund für Missverständnisse und Zuspitzungen sind“, hieß es damals.

Aus dem Streit zwischen Unsin und dem damaligen Rathauschef Gruschka ist inzwischen auch ein Streit mit dessen Nachfolger Stefan Welzel geworden. Denn inzwischen ist Unsin sauer auf Welzel, weil der ihm nicht die erhoffte Unterstützung habe zukommen lassen und die Mitglieder des Tourismusausschusses nicht ausreichend habe überzeugen können.

Dem Stadtratsausschuss lag bei seiner jüngsten Sitzung eine Kostenaufstellung vor, die Stadträtin Alexandra Wiedemann zusammengestellt hatte. Die neugewählte FDP-Rätin ist selbst nicht Mitglied des Ausschusses, der nichtöffentlich tagte. Nach einem Gespräch mit Siegfried Unsin gebe es aus ihrer Sicht mehrere Möglichkeiten, sich mit Unsin zu seinem Engagement und Einsatz bzw. Arbeits- und Material-Leistungen zu einigen.

Der zuständige Stadtratsausschuss in Bad Wöriishofen traf seine Entscheidung in geheimer Sitzung

Für den Märchen-Winterwald machte Wiedemann den Vorschlag, die Objekthäuschen anzumieten oder durch eine einmalige Zahlung gleich zu kaufen. Im jährlichen Mietpreis von insgesamt 5300 Euro sei dann sei dann die Lagerung enthalten. Beim Kaufpreis listete Wiedemann für „Haus 1“ 10.000 Euro, für das „Kleine Haus“ 3300 Euro und für das „Neue Haus“ 15.000 Euro auf. Wiedemann weiter: „Beim Blütenzauber möchte Unsin von der Stadt Bad Wörishofen für die Lagerung, seinen Arbeitseinsatz und die Objekte eine jährliche Miete von 1500 Euro.“ Für Osterhasen-Praktikum, Osterhasen-Schule, Osterhof und Osterküken summiere sich die Forderung für Lagerung, Arbeitseinsatz und die Organisation der Objekte auf eine jährliche Miete von 6000 Euro, so heißt es in der Kostenaufstellung von Alexandra Wiedemann, die der MZ vorliegt.

Bild: Franz Issing

Nach zehn Jahren Anmietung könne die Stadt Bad Wörishofen „für einen geringen noch zu verhandelnden Pauschalbetrag die Objekte direkt von Herrn Unsin ablösen/erwerben, schreibt Wiedemann weiter. „Es wäre sicherlich sinnvoll sich in dieser Richtung mit Herrn Unsin zu unterhalten“, ist die FDP-Stadträtin überzeugt. Vielleicht sei es ja „auf dem kleinen Dienstweg möglich, hier eine für beiden Seiten gute Lösung zu finden“. Die professionelle Vermarktung und Werbung für diese Veranstaltungen solle aber von Seiten der Stadt erfolgen. Dafür wolle sie sich „gerne einsetzen“, so Alexandra Wiedemann.

Über die Diskussion im Tourismusausschuss ist jedoch nichts zu erfahren, da der Ausschuss hinter verschlossenen Türen tagte. Wie Sitzungsteilnehmer aber berichteten, soll sich vor allem der abgewählte Bürgermeister und jetzige FW-Stadtrat Paul Gruschka vehement gegen eine Bezuschussung ausgesprochen haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es aber nicht. Auf eine entsprechende Anfrage verwies Gruschka auf seine Schweigepflicht, da die Sitzung ja nichtöffentlich war. Am Ende hat sich der Ausschuss mehrheitlich gegen einen Zuschuss an Josef Unsin ausgesprochen.

Auf Anfrage der MZ bestätigte Bürgermeister Stefan Welzel, dass sich der Ausschuss für Kur, Tourismus und Wirtschaft „mit dem Angebot von Herrn Unsin hinsichtlich der zukünftigen Kooperation im Rahmen seiner Aktivitäten an Ostern, dem Advent und dem Blütenzauber“ befasst habe.

Eine Miet- oder Ankauflösung der Exponate und Hütten habe der Ausschuss in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich abgelehnt, so Welzel: „Die von mir und Frau Nocker im Vorfeld mit Herrn Unsin dazu geführten Gespräche haben wir fortgesetzt“.

Der Kur- und Tourismusbetrieb arbeite weiter an einer Kooperationslösung im bisherigen Umfang. Dazu sei es wünschenswert, dass sich die Unternehmer der Innenstadt auch mit beteiligen. „Ich halte es für sehr wichtig, dass wir eine attraktive Innenstadt haben, die zum Besuch und dort Verweilen einlädt“, so Welzel. Soweit finanziell und tatsächlich möglich, werde die Stadt auch weiterhin mit den Aktiven Einzelhändlern, der örtlichen Tourismusbranche und weiteren engagierten Unternehmen im engen Schulterschluss zusammenarbeiten. Natürlich werde sich die Stadt auch weiter mit Herrn Unsin austauschen, betont Welzel, schränkt aber ein„Ich habe aber auch Verständnis dafür, wenn Herr Unsin den Umfang seiner Aktivitäten nun zunächst einmal überdenkt.“

Aus Sicht der „Aktiven Einzelhändler Bad Wörishofen“ sei es zwar zu bedauern, wenn die Attraktionen von Siegfried Unsin tatsächlich nicht mehr stattfinden sollten, so der 2. Vorsitzende Peter Kranz: „Die Ideen von Herrn Unsin sind super“ und brächten durchaus auch mehr Leben in die Innenstadt, wie das positive Feedback vieler Kunden auch immer wieder gezeigt habe. Für die Ablehnung der geforderten Summe durch den Stadtrat habe er aber durchaus Verständnis, betonte Kranz auf Anfrage. Schließlich könnten öffentliche Gelder nicht einfach so ohne das entsprechende Prozedere wie eine öffentliche Ausschreibung verteilt werden.

Für Siegfried Unsin steht fest: Wenn die Stadt ihm keine finanzielle Unterstützung zugesteht, dann will er hinschmeißen und seine gesamten Attraktionen nicht mehr in Bad Wörishofen aufstellen. Er kritisiert in diesem Zusammenhang aber nicht nur die Stadträte, sondern auch die Mehrheit der Einzelhändler in bad Wörishofen.

Auch von dieser Seite sei ihm in der Vergangenheit nicht die erwünschte Unterstützung zuteil geworden – und damit meine er viel weniger eine finanzielle Beteiligung, sondern vielmehr die tatkräftige Unterstützung seiner Kollegen bei Organisation und Durchführung. Das sei schon mit der Grund dafür gewesen, weshalb er vor Jahren aus dem Einzelhandelsverband ausgetreten sei, so Unsin.

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