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Mobilfunk

16.02.2017

Funkmast: Bürgerprotest zeigt Wirkung

Wer hier unterschreibt der macht klar, dass er keinen Funkmast in der Ramminger Dorfmitte will. Wer diese Unterschriftenaktion initiiert hat ist indes ebenso unklar wie die Frage, ob und wann diese Listen mit angeblich mehr als 500 Unterschriften übergeben werden sollen.
Bild: Alf Geiger

Bergehalle in der Dorfmitte kommt als Standort nicht mehr infrage. Gemeinde will ein Risiko-Gutachten in Auftrag zu geben. Warum Bürgermeister Schwele vor der Sitzung am Freitag nicht gut auf die Telekom zu sprechen ist

Die Suche nach einem Standort für einen Funkmast der Telekom auf dem Gemeindegebiet von Rammingen treibt die Bürger weiter um: Eine Unterschriftenaktion läuft, die Listen liegen in den Geschäften aus. Angeblich sollen schon mehr als 500 Unterschriften zusammen gekommen sein.

Auf den Unterschriftenlisten werden die Sorgen der Initiatoren zusammengefasst. Folgende Gesundheitsrisiken seien nicht auszuschließen, steht dort: erhöhtes Krebsrisiko, allgemeines Unwohlsein und Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom bei Kindern, Hautausschläge und unerklärbare Schmerzzustände, Depressionen und Demenz sowie verstärkte Kopfschmerzen. Die Verfasser der Unterschriftenlisten berufen sich dabei auf „eine Gruppe führender Wissenschaftler“, die den „Bio Initiative Report 2012“ erstellt haben und darin „ausdrücklich vor der gesundheitsgefährdenden Belastung durch Mobilfunk warnen.“

Wer also unterschreibt, unterschreibt auch das folgende Statement, das auf der Liste fett gedruckt ist: „Da mir insbesondere auch die Gesundheit unserer Kinder am Herzen liegt (...) spreche ich mich ausdrücklich gegen die Errichtung einer solchen Anlage innerhalb des bewohnten Gebiets in unserem Ort aus. Stattdessen werde ein Alternativ-Standort außerhalb des Ortes befürwortet, sodass „sich die Wohngebiete nicht mehr im Strahlungsnahfeld der Antennenanlage befinden“, heißt es dort.

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Wer diese Aktion jedoch initiiert und das Flugblatt verfasst hat, bleibt im Dunkeln: Auf den Listen ist kein Verantwortlicher angegeben. Und unklar ist auch, ob und wann die gesammelten Unterschriften an die Verantwortlichen im Ramminger Rathaus übergeben werden sollen. Bürgermeister Anton Schwele wusste jedenfalls bis gestern noch nicht, ob eine Übergabe vor der kommenden Sitzung des Gemeinderates am Freitag um 20 Uhr stattfinden soll.

Der Protest im Dorf hat aber bereits Wirkung gezeigt: Der ursprünglich geplante Standort des Funkmastes auf einer landwirtschaftlichen Bergehalle mitten im Ortskern von Oberrammingen, nur wenige Schritte von der Kapelle „Unsere liebe Frau“ entfernt, ist schon wieder vom Tisch. Die Eigentümerfamilie habe, offenbar als Reaktion auf den wachsenden öffentlichen Druck, abgewunken und werde die Halle jetzt nicht mehr zur Verfügung stellen, bestätigte Bürgermeister Schwele auf Anfrage der MZ.

Wie berichtet, hatte eine entsprechende Anfrage im Ramminger Rat hohe Wellen geschlagen: von möglichen Gesundheitsgefahren war schon in der Sitzung die Rede, die durch die Strahlenbelastung des 25 Meter hohen Funkmasts mit acht Antnnen entstehen könnten. Gegenüber der Mindelheimer Zeitung hatte Telekom-Sprecher Markus Jodl dies jedoch ins Reich der Fantasie verwiesen: Dafür gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis. Auch im Ramminger Rat selbst hatte Hans Schindele vor „Angstmacherei“ gewarnt. Jodl bestätigte dies: Aufgrund der modernen Technik sei ein Funkmast heutzutage in der Lage, die Sendeleistung selbstständig soweit zu reduzieren, dass optimaler Empfang und Datentransfer gewährt werden kann, aber keine gesundheitsschädlichen Emissionen zu befürchten sind. Eine „in sich ruhende Intelligenz“ sorge bei solchen Funkmasten dafür, dass sich die Bevölkerung keine Sorgen machen müsse, versichert der Telekom-Sprecher. Sollten die Ramminger aber einen anderen Standort statt dem auf der Bergehalle in unmittelbarer Nähe zur Kapelle „Unsere liebe Frau“ in der Dorfmitte bevorzugen, dann ist das aus Sicht von Jodl auch „überhaupt kein Problem“ – nur weiter entfernt als im Umgriff von 300 Metern dürfe der Alternativ-Standort dann auch nicht liegen, betont er, denn: „Der Mast muss dort stehen, wo die Nutzer sind“.

So ganz will Rammingens Bürgermeister die Versprechungen der Telekom aber nicht mehr glauben, macht Bürgermeister Schwele deutlich. Ihn habe gewundert, dass in Wiedergeltingen von der Telekom eine Funkzelle außerhalb des Wohngebietes vorgeschlagen wurde (MZ berichtete). Warum, so Schwele, müsse es dann in Rammingen ein Standort mitten im Dorf sein?

In der Freitagssitzung soll ein Telekommitarbeiter den Räten Rede und Antwort stehen, dann will man entscheiden, ob ein Gutachten in Auftrag gegeben werden soll, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen eines Funkmastes zu klären und einen optimalen Standort zu suchen. Dass dies die Gemeinde einiges kosten könnte, nimmt Schwele in Kauf: „Dann wissen wir wenigstens von unabhängiger Stelle, was die Leute zu erwarten haben.“ Er ließ durchblicken, dass er die Angaben der Telekom durchaus kritisch sieht.

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