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Volkstrauertag

15.11.2020

Junger Soldat aus Apfeltrach: Das bedeutet der Volkstrauertag für mich

Feierliches Gedenken am Ehrenmal der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. Als Mitglied der Ehrenwache hat auch unser Autor Dominik König an dieser zentralen bayerischen Veranstaltung zum Volkstrauertag schon mehrfach teilgenommen.
Bild: Eduard Wagner

Plus Viele Menschen - gerade junge Leute - können mit dem Volkstrauertag am heutigen 15. November nicht mehr viel anfangen. Was denkt ein junger Soldat aus Apfeltrach darüber?

Dominik König (25) aus Apfeltrach ist Offizier der Luftwaffe und absolviert derzeit ein Pressepraktikum in der Lokalredaktion der Mindelheimer Zeitung. Er beschreibt seine Erfahrungen mit dem Volkstrauertag aus Sicht eines jungen Soldaten.

Wie viele junge Menschen hatte auch ich anfangs wenig Berührungspunkte mit dem Volkstrauertag. Vielen anderen meiner Generation wird es ähnlich ergehen. Es gibt immer weniger Augenzeugen, die die schrecklichen Geschehnisse der beiden Weltkriege miterleben mussten. Die Vergangenheit rückt in die Ferne, soll und darf aber keineswegs an Bedeutung verlieren.

Mein erster Berührungspunkt mit dem Volkstrauertag liegt mittlerweile schon einige Jahre zurück. Es war im Herbst 2015, als ich gemeinsam mit anderen Offizieranwärtern die Offizierschule der Luftwaffe besuchte und den Ehrenzug an einer Gedenkveranstaltung am Fürstenfeldbrucker Luftwaffenehrenmal stellte. Erinnert wird bei der Gedenkfeier, die traditionell am Vortag des Volkstrauertages stattfindet, an die Toten der beiden Weltkriege und Opfer der Luftfahrt, die ihr Leben für den Frieden gelassen haben.

Der Formaldienst der Bundeswehr ist nicht meine Welt

Gemeinsam mit meinen damaligen Hörsaalkameraden übten wir bereits mehrere Wochen zuvor die militärischen Formalitäten. Doch da muss ich ehrlich sein: Meine Welt war der Formaldienst nicht, da dieser vor allem vom strikten Ausführen der Kommandos geprägt und dementsprechend wenig abwechslungsreich war. Allerdings stellt der Ehrenzug bei Gedenkfeiern – wie am Luftwaffenehrenmal – einen wichtigen militärischen Bestandteil dar und ist somit unerlässlich.

Das Bild der zahlreichen Soldaten, die sich im sogenannten großen Dienstanzug mit Helm, Mantel und Stiefeln gekleidet, am Tag des Gedenkens versammelten, ist keines, das man täglich sieht. Es war eine spezielle Stimmung die dort herrschte. Vor allem, wenn man stillstehend in der Ehrenformation an der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung teilnahm.

Es ist dabei ganz normal, dass nach einer gewissen Zeit der Fokus zunehmend auf die Füße und den Rücken wandert. Durch das Stillstehen sind diese Körperteile besonders beansprucht. Trotzdem gilt es konzentriert zu bleiben: Man möchte natürlich keines der Kommandos verpassen. Jegliche Bewegung, die falsch oder zu spät ausgeführt wird, würde aus der einheitlichen Formation herausstechen.

Darauf konzentrierte ich mich bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Während der Gedenkfeier war ich deshalb vor allem darauf konzentriert, meine eigene Aufgabe richtig auszuführen. Im Nachhinein veranlasste mich die Veranstaltung dennoch zum Nachdenken. Für mich war es die eigene Erfahrung, durch die ich einen persönlichen Bezug zum Volkstrauertag herstellen konnte. Diese prägte auch meine heutige Sichtweise darauf.

In einem Land zu leben, das seit 75 Jahren von Frieden geprägt ist, ist wahrlich nicht selbstverständlich. Meine Generation nimmt eine solch lange Friedenszeit manchmal ohne Zweifel hin. Anders unsere Groß- und Urgroßeltern: Sie mussten damit umgehen, dass zahlreiche ihrer Familienmitglieder und Freunde nicht mehr von den Fronten der Weltkriege zurückkehrten. Die Ereignisse während der vergangenen Woche in Wien haben auf erschütternde Art und Weise gezeigt, wie nah und aktuell Terror und Trauer sein können.

Schließlich wird am Volkstrauertag auch der Opfer von Gewaltherrschaft und Terror gedacht und an den Frieden erinnert. Dieser Tag der Trauer und Solidarität ist heute nicht weniger aktuell.

Dominik König aus Apfeltrach ist Offizier der Luftwaffe und absolviert derzeit ein Pressepraktikum in der Lokalredaktion der Mindelheimer Zeitung. Er beschreibt seine Erfahrungen mit dem Volkstrauertag aus Sicht eines jungen Soldaten.
Bild: Melanie Lippl

Warum der Volkstrauertag immer noch aktuell ist

Aus meiner Sicht als Soldat kommt dem Volkstrauertag noch immer eine bedeutende Rolle zu. Das soldatische Berufsbild wird entscheidend durch die Ereignisse der Vergangenheit geprägt. Deshalb werden bereits an der Offizierschule der Luftwaffe sperrig klingende Lehrfächer wie historische und politische Bildung oder Innere Führung unterrichtet. Dass die Interessen vieler Soldaten eher im Bereich des Sports oder der Geländeausbildung liegen, bringt dieser Beruf mit sich. Doch absolvieren muss sie jeder, sogar eine Hausarbeit zu einem bedeutenden historischen Thema verfassen. Die Erfahrungen aus den beiden Weltkriegen veranlassten die Bundeswehr bereits bei ihrer Gründung, ihre jungen Soldaten in solchen Fächern zu unterrichten.

Der Einsatz für Frieden in der Gegenwart und Zukunft sowie Umgang mit der Vergangenheit sind Aspekte, die im Volkstrauertag vereint werden. Der Volkstrauertag leistet somit einen wichtigen Beitrag für das Gedenken und gegen das Vergessen. Dass ein Leben in Frieden nicht selbstverständlich ist, zeigen die Ereignisse der vergangenen Wochen in Paris, Nizza und Wien deutlich.

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