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Bad Wörishofen

03.12.2019

Kneippianum: Wegweisende Entscheidung gefällt

Das Kneippianum Bad Wörishofen liegt auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück direkt am Kurpark von Bad Wörishofen.
Bild: Bernd Feil MIS/Archiv

Plus Die Stiftung Kneipps steht seit einem Jahr leer. Bürgermeister Paul Gruschka hat eine überraschende Nachricht parat.

Pfarrer Sebastian Kneipp selbst hatte einst das Kneippianum begründet. Es war eine seiner drei Stiftungen. Seit einem Jahr steht das frühere Vier-Sterne-Hotel leer. Ein Investor steht in den Startlöchern - doch seit Montagabend ist klar, dass es keinen Startschuss geben wird.

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Der Bauausschuss des Stadtrates von Bad Wörishofen hat es bei zwei Gegenstimmen abgelehnt, die nötige Ausnahme von den Regeln des Bebauungsplans West I E zu erteilen. Es handelt sich um ein Sondergebiet für Kur und Erholung. Mit dem Beschluss folgten die Ausschussmitglieder der Empfehlung der Stadtverwaltung.

Bernhard Oberstaller vom Bauamt hatte zuvor aufgezeigt, wie der Westen der Kneippstadt strukturiert ist. Große Kurbetriebe seien dort noch dominierend, Bad Wörishofens Westen sei „tatsächlich noch ein Kur- und Erholungsgebiet und sollte als solches erhalten bleiben“, sagte Oberstaller. Wohnen kann nach den Festsetzungen des Bebauungsplanes dort nur ausnahmsweise genehmigt werden, dann nämlich, wenn es städtebaulich vereinbar sei. Das sieht Oberstaller hier nicht. Er empfahl, die Ausnahme nicht zu erteilten.

Kneippianum: Wegweisende Entscheidung gefällt

Sie wäre nötig gewesen, weil der Investor auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal in weiten Teilen betreutes Wohnen unterbringen will.

So will der Investor das hufeisenförmige Kneippianum nutzen

Das Kneippianum ist hufeisenförmig angeordnet, es gibt einen Westflügel, einen Mittelbau und einen Ostflügel. Im vierten Stock des Mittelbaus sollen Personalwohnungen entstehen, im Westflügel betreutes Wohnen. Im dritten Stock des Ostflügels ist eine ambulant betreute Pflege vorgesehen, im Mittelbau und Westflügel betreutes Wohnen. Im zweiten Geschoß des Ostflügels soll es ambulant betreute Pflege geben, im Mittelbau Gemeinschaftsbereiche und betreutes Wohnen, im Westflügel betreutes Wohnen. Im ersten Stock des Ostflügels ist ein Restaurant vorgesehen, im Mittelbau eine Praxis und Gemeinschaftsräume, im Westflügel bleibt die Kapelle, zudem gibt es betreutes Wohnen. Im Westflügel der Verwaltung mit Kapelle sollen Behandlungsräume und Schwimmbad angeboten werden. Das Erdgeschoß im Ostflügel enthält die Küche, im Mittelbau sollen Praxis, ambulanter Dienst, ein Café, Kosmetik und der Empfang unterkommen. Im Untergeschoß des Westflügels ist auf Teilbereichen ein Fitnesscenter geplant, in Mittel- und Ostflügel Nebenräume.

Wer der potenzielle Investor ist und um welche Summen es geht, lesen Sie hier:

Wie das neue Kneippianum aussehen soll

Angaben zu Flächen habe man auch auf Nachfrage nicht erhalten, berichtete Oberstaller. Ebenso gebe es keine Angaben über eine geplante Aufteilung des betreuten Wohnens nach dem Wohnungseigentumsgesetz. Man habe erfahren, dass für die vorgesehenen Nutzungen eigenständige Mietverträge mit Partnern abgeschlossen werden sollen. Zudem habe man der Stadt mitgeteilt, dass ein weiterer Leerstand des Gebäudekomplexes für den Erhalt der Gebäudesubstanz nicht förderlich sei, so Oberstaller. Es gehe der Antragsstellerin darum, die Meinung des Stadtrates zu erfahren. Derzeit liege nur ein Grobkonzept vor, Details gebe es noch nicht.

Bürgermeister Paul Gruschka (FW) erinnerte an die Bemühungen der Stadt, nachdem die Schließung bekannt wurde. Man habe zügig potenzielle Investoren wie etwa die Johanniter an die Barmherzigen Brüder vermittelt, denen das Kneippianum gehört. Darunter seien auch Interessenten für einen Betrieb des Areals als Klinik gewesen. „Das war unser Favorit“, sagte Gruschka. Man sei mit diesen Interessenten immer noch im Gespräch, er könne deshalb keine Namen nennen. Zudem habe ihn mittlerweile „eine Flut an Briefen mit Ideen“ zur Nachnutzung des Kneippianums erreicht, berichtete der Bürgermeister. Dafür sei er dankbar, er habe alles an die Barmherzigen Brüder zur Prüfung geleitet. „Wir wollen gemeinsam Lösungen anstreben“, sagte Gruschka. Er erinnerte daran, dass das Kneippianum zwischen 2010 und 2017 im Schnitt jährlich Verluste im siebenstelligen Bereich gemacht habe und dass hohe Investitionen nötig seien.

Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit

Der Orden habe signalisiert, sich auf das Sebastianeum konzentrieren zu wollen, die letzte noch aktive Stiftung Kneipps. Der Orden sehe sich in der Verantwortung Kneipps, sagte Gruschka.

Er berichtete auch, dass eine Prüfung ergeben habe, dass die Idee einer psychosomatischen Klinik in dem Gebäude nicht umsetzbar sei. Gleiches gelte für einen Hotelbetrieb. Etwa 50 Investoren seien geprüft worden, sagte Gruschka.

Dann gab er bekannt, dass es seit dem 27. November Neues gebe. Ein Investor könne sich vorstellen, das Kneippianum als Reha-Zentrum oder Klinik zu nutzen, sagte er. „Das scheint möglich.“ Gruschka stellte die Frage in den Raum, ob man nun die Voranfrage ablehnen oder „in die zweite Reihe stellen“ solle.

Baureferent Wilfried Schreiber (FW) betonte, man sei in „erster Linie Pfarrer Kneipp verpflichtet.“ Psychosomatik wäre „da ein Thema“, findet Schreiber. Man solle den Fokus in diese Richtung lenken, selbst auf das Risiko hin , dass „sich das noch länger hinzieht“. Eine Klinik würde neue Betten und damit Übernachtungen bringen, zudem Arbeitsplätze. Besonders wichtig sei es nun, den Stiftungsauftrag zu prüfen. Man müsse wissen, wie es überhaupt weitergehen kann.

Zweiter Bürgermeister und CSU-Fraktionssprecher Stefan Welzel sagte, es gehe hier nicht um eine klassische Umnutzung, sondern um eine markante Stelle mit zentraler Bedeutung. Er danke der Verwaltung, dass auch sie die Pläne kritisch sehe. „Hier steht auch der Name mit im Feuer“, sagte Welzel. Das Kneippianum müsse auch weiterhin touristische Bedeutung haben. Er habe auch kürzlich erst Kontakt zum aktuellen Investor gehabt, so Welzel. „Ich finde es schon interessant, dass er noch davon ausging, dass er ein positives Signal erhält.“ Dieses solle man aber nicht geben, so Welzel.

Die CSU hat bereits vor der Sitzung ausführlich Stellung zum Kneippianum bezogen:

Kneippianum: CSU stellt Plan infrage

Auch Stadtentwicklungsreferent Daniel Pflügl (Grüne) konnte sich für die Pläne nicht erwärmen. „Aus dem Kneippianum soll ein Seniorenheim werden, möglicherweise im höherpreisigen Segment“, stellte er fest. Der Bedarf an „Seniorenheimen ist aber schon gedeckt“, sagte er. Es habe auch andere Konzepte gegeben. Er bitte nun den Orden, sich damit zu befassen, auch wenn das unbequemer sei.

FW-Fraktionssprecher Wolfgang Hützler sagte dazu, er finde es interessant, dass „jetzt auf den Tisch kommt, dass wohl ein anderer Investor in den Startlöchern steht“. Er selbst habe schon früh auf die Möglichkeit einer Klinik hingewiesen. Hützler sprach sich aber dafür aus, am besten „zwei Eisen im Feuer“ zu haben und den vorliegenden Vorschlag deshalb nicht gleich abzulehnen. Dem widersprach Sozialreferentin Ilse Erhard (CSU). „Das wäre ein falsches Signal“. Man müsse die Ausnahme ablehnen. Zu Pflügl sagte sie, es solle keineswegs ein Seniorenheim entstehen, sondern Eigentumswohnungen für Senioren.

Wie sich die Schließung von Kneippianum und anderen Häusern auswirkt, lesen Sie hier:

Heilbad verliert weitere Kurbetriebe

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