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Heute ist Volkstrauertag

19.11.2017

Kriegerdenkmale zeugen vom Wahnsinn

In der Westernacher Kirche erinnert ein kunstvoll gestaltetes Glasfenster an die Opfer des Ersten Weltkrieges.

Die verschiedenen Formen der Erinnerungskultur spiegeln auch den jeweiligen Zeitgeist wider. Ein Blick in die Region Unterallgäu.

Wenn sich am Volkstrauertag die Gemeinden und vor allem die „Veteranen- und Soldatenvereine“ an den Kriegerdenkmalen zum Gefallenen-Gedenken versammeln, dann ist dies mehr als ein Ritual. Es ist ein Gedenken an die unzähligen Opfer kriegerischer Zeiten. Es bietet aber auch Gelegenheit dazu, um Frieden in der Welt zu beten.

Dabei werden die teilnehmenden Menschen, die noch unmittelbar einen Krieg und dessen Folgen erlebt haben, immer weniger. Deshalb vermitteln diese Gedenkfeiern auch der jüngeren Generation, dass die vergangenen Kriege nicht nur entrückte historische Ereignisse waren. Im Angesicht der Denk- und Mahnmale sowie vieler Gedenktafeln in Kirchen und Friedhöfen mit langen Namenslisten „gefallener Söhne“ machen die Gedenkfeiern deutlich, dass die Kriege bis ins kleinste Dorf und bis in die letzte Familie hinein viele Opfer forderten und großes Leid brachten.

Obwohl es schon immer Kriege gab, begann das namentliche Gedenken an tote Soldaten erst mit den steinernen Erinnerungstafeln zu den napoleonischen Kriegen vor gut 200 Jahren. Solche alten „Gedächtnistafeln“ mit den Namen derer, „die vor dem Feinde geblieben sind“, künden heute noch in vielen Kirchen und Friedhöfen unserer Region von dieser Zeit. Zum ersten Mal waren damals junge Leute vom Staat zum Kriegsdienst eingezogen worden. Der Staat widmete dann auch erstmalig den gefallenen einfachen Soldaten ein bleibendes Gedenken.

Viele Veteranenvereine bestehen noch heute

1870/71 kam dann der deutsch-französische Krieg. Diesen hat das neu gegründete Deutsche Reich unter Beteiligung Bayerns siegreich beendet. Mit Stolz und großem Jubel wurden danach in zahlreichen Orten prächtige Siegesmale errichtet, auf denen jeweils sämtliche Kriegsteilnehmer der Gemeinde aufgeführt wurden. In der Hochstimmung des erfolgreichen „Siebziger Krieges“ wurden danach viele Veteranenvereine gegründet, von denen die meisten heute noch bestehen.

Nach 44 friedlichen Jahren ging dann die unselige Geschichte der Kriege tragisch weiter. 1914 begann der Erste Weltkrieg, der 1918 mit einer bitteren Niederlage für das Deutsche Reich geendet hat. Millionen Tote waren zu beklagen. Erstmals wurden danach in allen Dörfern und Städten Kriegerdenkmale für die „gefallenen Helden“ errichtet, die den „Dank der Heimat“ verkündeten. In jedem Ort wurden zudem Ehrentafeln mit den Bildern der Gefallenen geschaffen und meist im Wirtshaus aufgehängt. Auch „Ehrenbücher“ wurden den „tapferen Mitkämpfern im Ringen für des Reiches Bestand und des deutschen Volkes Ehre und Ruhm“ gewidmet.

Lange Namenslisten auf den Kriegerdenkmalen

Bereits 21 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs brach der Zweite Weltkrieg aus. Von 1939 bis 1945 brachte er weltweit über 60 Millionen Menschen den Tod. Nach Kriegsende zogen einige Jahre ins Land, bis in allen Gemeinden den Kriegsopfern eine Ehre zuteil wurde. Wiederum wurden „Kriegerdenkmale“ mit nunmehr sehr langen Namenslisten erstellt. Doch für die „Heldenverehrung“ früherer Zeiten war nun kein Platz mehr. Die Gefallenendenkmäler zum Zweiten Weltkrieg wurden meist ohne Pathos und bewusst als Friedensmonumente gestaltet. Sie sollten in recht unterschiedlichen Darstellungen angesichts der vielen Kriegstoten die kommenden Generationen ermahnen, alles für den Frieden zu tun.

Die Sehnsucht und der Wunsch nach Frieden und Aussöhnung haben sich glücklicherweise seit über 70 Jahren erfüllt. Dass dies ein hohes Gut ist, wird vor allem am Volkstrauertag nachdrücklich betont.

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