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Bad Wörishofen

14.01.2020

Kunstsammlung: Glücksfall oder schmerzhafter Verlust?

Er war ein großer Sammler und ein Liebhaber sakraler Kunst. Johann Riederle wurde 1932 in Burgau geboren und ist gut 85 Jahre später in seiner Heimatstadt gestorben. Seine gesammelten Werke aber gehen nach Bad Wörishofen.
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Er war ein großer Sammler und ein Liebhaber sakraler Kunst. Johann Riederle wurde 1932 in Burgau geboren und ist gut 85 Jahre später in seiner Heimatstadt gestorben. Seine gesammelten Werke aber gehen nach Bad Wörishofen.
Bild: Fritz Steinle

Plus Der Historische Verein Burgau beklagt, dass das Riederle-Erbe nicht in der Stadt bleibt und nach Bad Wörishofen geht. So reagiert die St.-Lukas-Stiftung.

Die Neuzugänge der St. Lukas Stiftung in Bad Wörishofen erfahren überregionale Beachtung – und schlagen an einem anderen Ort Wellen. Es geht um das kunstvolle Erbe des verstorbenen Burgauers Johann Riederle, das derzeit in Bad Wörishofen zu sehen ist. Zu seinen Lebzeiten hatte er nur einigen Vertrauten und Eingeweihten seine über zwei Privathäuser verteilte Sammlung gezeigt. Ein inzwischen verstorbener Krippenexperte behauptete einmal, dass Johann Riederle Deutschlands größte und wertvollste Barockkrippensammlung besitzt. Gleich zwei bayerische Bischöfe besuchten nun gemeinsam die Ausstellung in Bad Wörishofen, der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. In Burgau spricht die Vorsitzende des Historischen Vereins Burgau, Irmgard Gruber-Egle, derweil von einer „Weihnachtskatastrophe“. Sie meint damit, dass Riederles Erbe nun in Bad Wörishofen liegt und nicht in Burgau gezeigt wird. Davon erfahren haben die Burgauer durch die Berichterstattung unserer Redaktion kurz vor Heiligabend. Gruber-Egle taxiert den Wert des gesamten in der Wörishofer Stiftung gebündelten Vermögens zwischen 1,5 und 2,2 Millionen Euro. Der Sammler selbst habe ihr gegenüber solche Summen zu seinen Lebzeiten genannt und sei sich des Werts durchaus bewusst gewesen.

Gleich zwei bayerische Bischöfe sehen sich die Ausstellung in Bad Wörishofen gemeinsam an

Der Bischof von Regensburg, der ein großer Krippenkenner ist, war bereits zum dritten Mal bei der Sankt-Lukas-Stiftung zu Gast und schätzt die große Bad Wörishofer Sammlung religiöser Kunst. Diesmal kam er gemeinsam mit Hanke und dem Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Monsignore Erwin Reichart.

Der Historische Verein Burgau habe die Weggabe seit diesem Frühjahr beklagt, als intern bekannt geworden war, welchen Plan die Erben verfolgten. Johann Riederle sei einer der Initiatoren und ein Gründungsmitglied des seit 2003 existierenden Historischen Vereins Burgau gewesen. Zu Riederles umfangreicher Sammlung gehört auch eine Unmenge an sakralen Kunstgegenständen.

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Ein interessantes Objekt ist sein sogenanntes „Burgauer Jesulein“, das er erst vor einigen Jahren ersteigerte. Für den Historischen Verein überaus wertvoll im Bereich der Familienforschung ist die Sterbebildersammlung Riederles, die er seit seinem achten Lebensjahr zusammengetragen hat. In Bad Wörishofen hat man zwischenzeitlich auf die Kritik reagiert. Man bedauere, wenn die Zustiftung der Riederle-Erben zu Verletzungen geführt haben, teilen die Stiftung mit Batholomäus Ernst und den Riederle-Erben mit. Dass Gruber-Egle in der „wohlüberlegten und verantwortungsbewusst getroffenen Entscheidung der Riederle-Erben eine Weihnachtskatastrophe“ sieht, sei allerdings nicht nachvollziehbar.

Bereits zu Lebzeiten habe Johann Riederle den Wunsch geäußert, seine Sammlung einer Stiftung zu übergeben, und erwähnte dabei gegenüber seinen Geschwistern die Sankt-Lukas-Stiftung in Bad Wörishofen, die ihm von früheren Krippenschauen bekannt war. Um im Sinne des Verstorbenen zu handeln, hätten die Geschwister Riederle als Erben daher vor zwei Jahren den Kontakt mit jener der Sankt-Lukas-Stiftung aufgenommen.

Der Wert des Erbes, das nach Bad Wörishofen ging, soll in die Millionen gehen

„Nach langem Überlegen, einem Ringen um die beste Lösung und nach langwierigen Verhandlungen sahen sie das künstlerische Vermächtnis ihres Bruders bei der Sankt-Lukas-Stiftung in guten Händen“, schreibt Bartholomäus Ernst. Mehrere Besucher und Krippenfreunde aus Burgau, die sich die aktuelle Krippenschau der Sankt-Lukas-Stiftung angesehen hätten, „äußerten sich dahingehend, dass es die Geschwister Riederle richtig gemacht hätten, man wisse, dass die Sammlung in guten Händen sei“.

Gruber-Egle habe den Eindruck erweckt, dass sie über bessere Kenntnisse zu den Abläufen der letzten Jahre verfüge als die Erben. Es sei aber unwahr, dass sich die Sammlung in Burgau in acht komplett eingerichteten und möblierten Zimmern befunden habe. „Vielmehr waren es sechs Zimmer, von denen nur vier möbliert waren. Als nicht zutreffend bezeichnen es Ernst und die Riederle-Geschwister auch, dass etliche Telefonate hinsichtlich des Erbes und der Zukunft der Sammlung mit ihnen geführt wurden, beziehungsweise diese Telefongespräche „ineffektiv“ waren. Die Erben haben ihren Angaben zufolge ebenso wie Johann Riederle zu Lebzeiten mit dem Historischen Verein mehrfach telefoniert, mit der Bitte, die im Hause Riederle eingelagerten Sachen des Vereins abzuholen, was bis heute nicht erfolgt ist.

Anders als in Burgau existiert in Bad Wörishofen bereits seit über zehn Jahren eine gemeinnützige Stiftung, die der Aufsicht der Regierung von Schwaben unterliegt.

Um eine Stiftung ins Leben zu rufen, bedarf es großer finanzieller Möglichkeiten und auch entsprechender, geeigneter Räumlichkeiten, wie sie in Bad Wörishofen vorhanden sind. „Wir sind der festen Überzeugung, dass der Historische Verein dies in der gebotenen Zeit nicht hätte stemmen können.“ Den Erben sei es vor allem darum gegangen, dass die Sammlung von Johann Riederle als eine Einheit betrachtet werde, die es zu schätzen und zu würdigen gelte. Dieses Hervorheben ist Bartholomäus Ernst zufolge bereits in der derzeit zu sehenden Sonderausstellung ein großes Anliegen gewesen. Zwei Gedenktafeln erinnern an den verstorbenen Kunstsammler und an die Bemühungen seiner Erben. Die frühere Hotelhalle zeigt Möbel und Heiligenfiguren aus der Burgauer Sammlung. Weitere einzelne Zustiftungen der Sammlung Riederle sind extra gekennzeichnet.

Im geplanten Kulturhaus, zu dem das frühere Kurhotel Bartholomäus in den nächsten Jahren umgebaut wird, ist vorgesehen, das frühere Hotelhallenbad, einen Raum von rund 150 Quadratmetern Größe, zu einem Ausstellungsraum für die Sammlung Riederle einzurichten.

Die Stiftung erwähnt in ihrer Stellungnahme zudem erstmals, dass „ein beachtlicher Teil des Erbes von Johann Riederle an heimatnahe Einrichtungen gehen wird, die jedoch noch nicht genannt werden sollen“.

Öffnungszeiten Die Sonderausstellung mit Kastenkrippen und den Zustiftungen der Riederle-Erben ist noch bis Sonntag, 19. Januar, zu sehen. Die Ausstellung ist im Erlenweg 7 in Bad Wörishofen zu besichtigen, jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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