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Vorschriften

09.06.2017

Märchenwelt trifft Realität

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3 Bilder
Die Elfen-Ausstellung des Atelier Fleschutz im Keller des Gebäudes ist bereits seit Längerem geschlossen.
Bild: Melanie Lippl

Weil es Probleme bei den Vorgaben für Brandschutz und Parkplätze gibt, ist die Ausstellung im Atelier Fleschutz in Breitenbrunn nun geschlossen.

„Problemlöserpillen“ verkauft Herbert Fleschutz in seinem Atelier in Breitenbrunn – doch derzeit könnte der 57-Jährige die fruchtigen Bonbons wohl selbst gut gebrauchen. Am Samstag erhielt er einen Bescheid des Landratsamts: Er muss die Märchenwelt für den Publikumsverkehr schließen, ebenso die Bahn durch die Ausstellung „Alice im Wunderland“. Die Elfen-Schau im Keller ist bereits seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich zugänglich. Nur das Café und der Laden haben nun noch auf.

Was für so manchen Besucher am Wochenende recht plötzlich kam, hat eine längere Vorgeschichte. Vor etwa 13 Jahren hat Fleschutz die ehemalige Schreinerei in Breitenbrunn übernommen und sie anfangs als Lager für seine Tätigkeit als Objekteinrichter genutzt. Irgendwann kam seine Frau auf die Idee, eine Ausstellung aus den vielen Objekten zu organisieren – und so bauten sie vor gut zehn Jahren zwei Märchenszenen auf. „Es war überraschend, wie es sich rumgesprochen hat und wie viele Leute gekommen sind“, erinnert sich Fleschutz heute. Freunde und Bekannten kamen, ihnen servierte er Punsch und Stollen, wie er erzählt.

Eine geänderte Nutzung ist mit Auflagen verbunden

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Anfangs, so schildert Fleschutz, hätten sie das Atelier immer nur zeitweise geöffnet. Weil die Nachfrage entsprechend groß war, wollten sie die Öffnungszeiten ausweiten. „Wir haben eine Voranfrage auf eine Nutzungsänderung gestellt“, sagt Fleschutz. Damals, vor ein paar Jahren, erfuhr er zum ersten Mal von den dafür nötigen Auflagen. Brandschutz. Parkplätze. „Irgendwo ist es dann in der Schublade verschwunden“, sagt Fleschutz. „Es ist einfach so weitergelaufen.“ Vor gut einem Jahr stellte er den Antrag auf Nutzungsänderung: Aus der Schreinerei sollten offiziell Ausstellungs-, Gast-, Verkaufs- und Atelierräume werden. Er holte sich eine Architektin und einen Brandschutzexperten mit ins Boot. Es kam zu Schriftverkehr und Gesprächen – aber bislang mit keinem für alle Seiten zufriedenstellenden Ergebnis.

Dem Landratsamt fehlt der erforderliche Nachweis über genügend Parkplätze auf dem Grundstück. Und: Der Brandschutznachweis liege nur in Form von Zeichnungen vor, der textliche Teil fehlt, heißt es in einem Schreiben der Behörde von Anfang Mai. Der Ausstellungsbereich im Untergeschoss ist da schon länger geschlossen. Das Landratsamt fordert Fleschutz auf, auch die Ausstellung im Erdgeschoss einzustellen. Dem Besuch eines Landratsamtsmitarbeiters Ende Mai folgte nun der schriftliche Bescheid: Die Märchenwelt muss schließen.

„Es gibt keine Genehmigung für die entsprechende Nutzung“, argumentiert das Landratsamt. In der Begründung des Bescheids ist von „massiven Verstößen gegen Brandschutzvorschriften“ die Rede, insbesondere, was die Flucht- und Rettungswege anbelangt. Das Landratsamt sieht kein „milderes Mittel“, zumal Fleschutz die Nutzung trotz der vorherigen Aufforderung der Behörde nicht freiwillig aufgegeben hatte.

Die Parkplätze reichen nicht

Dabei kann Herbert Fleschutz das Landratsamt und die Auflagen sogar verstehen. Um die Anzahl der Parkplätze zu erhöhen, will er in diesen Tagen seinen Vorgarten umbauen lassen. Neun Gästeparkplätze gebe es dann – für Ausstellung, Café und Laden wären aber noch mehr nötig. „Bislang gibt es dafür keine Lösung, außer getrennte Öffnungszeiten“, sagt Fleschutz. „Aber das wäre nicht ideal.“

In Sachen Brandschutz hat er bislang nur kleinere Maßnahmen umgesetzt, da ihn größere wie eine professionelle Brandmeldeanlage einen hohen fünfstelligen Betrag kosten würden. Er hat ein Fenster zwischen Ausstellung und Café durch einen Durchgang ersetzt, die verwinkelte Peter-Pan-Ausstellung abgebaut und mit einer übersichtlicheren Gebrüder-Grimm-Ausstellung abgelöst. Ein grünes Notausgang-Schild hängt über einer Tür, die ins Freie führt. Das Problem: Durch den Ausgang kommt man zwar in den Garten seines Grundstücks, allerdings gibt es keinen Zugang zur Straße – außer über die Einfahrt des Nachbarn. Geregelt werden könnte das über eine Grunddienstbarkeit, die im Grundbuch eingetragen wird – das wiederum möchte der Nachbar nicht. „Verständlich“, findet Fleschutz. Von den Ausstellungsräumen aus, so sagt er, könnte er Notausgänge nach draußen schaffen. Doch diese führten dann alle in diesen Teil des Gartens. Loslegen wolle er aber erst, wenn er wisse, was an Maßnahmen gefordert sei und wie viel das koste. „Ich stemme das aus eigenen Mitteln.“

Er verlangt keinen Eintritt für die Ausstellung, an deren Ende eine Spendenbox für den Förderverein Märchenwelt steht, der kulturelle Veranstaltungen organisiert. Fleschutz ist dessen Vorsitzender – was er selbst eigentlich nicht gut findet, wie er sagt. Es scheint, als hätte er nicht Nein sagen können. Seine Vision, auch weil er nicht jünger wird: Er würde das Gebäude gern an den Verein weitergeben, damit dieser es für kulturelle und Bildungszwecke nutzt. Auch ein großer Raum, der derzeit als Lager dient, könnte dann wieder für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Doch vor der Erfüllung dieses Traums steht erst die Erfüllung der Auflagen.

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